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Deutschland

Zwölf Jahre Haft für Kofferbomber

Ein libanesisches Strafgericht hat einen der beiden "Kofferbomber" von Köln zu zwölf Jahren Haft verurteilt. Gegen seinen Komplizen ist in Deutschland der Prozess eröffnet worden. Die Anklage: Mehrfacher versuchter Mord.

Die mutmaßlichen Bahn-Bombenleger Jihad H. (l) und Youssef al H. (r) (Archivbild, Quelle: dpa)

Kofferbomber Jihad H. (l.) wurde zu zwölf Jahren Haft verurteilt

Ein libanesisches Strafgericht hat am Dienstag (18.12.2007) einen der beiden "Kofferbomber" von Köln zu zwölf Jahren Haft verurteilt. Jihad H. hatte gestanden, gemeinsam mit seinem Landsmann Youssef al H. im Juli 2006 im Kölner Hauptbahnhof zwei Sprengsätze in Regionalzügen deponiert zu haben. Sein Anwalt kündigte an, er wolle in Berufung gehen. Der gleichzeitig in Düsseldorf vor Gericht stehende Youssef al H. erhielt am Dienstag in Beirut in Abwesenheit eine lebenslange Strafe, nachdem ein ursprüngliches Todesurteil abgemildert worden war.

Kofferbomber hatten Mordabsicht

Der Angeklagte Youssef Mohamed al H. im Gerichtssaal des Oberlandesgerichts in Düsseldorf (18.12.2007, Quelle: AP)

Muss sich in Düsseldorf verantworten: der Angeklagte Youssef al H.

Die libanesische Staatsanwaltschaft erklärte in ihrem Schlussplädoyer, gegen die Verdächtigen lägen zwingende Beweise vor, wie es aus Gerichtskreisen hieß. Alle hätten die Absicht gehabt, bei den Anschlägen zu töten. Die Verteidigung forderte Freisprüche, weil sich die Angeklagten über die Konsequenzen ihres Tuns nicht bewusst gewesen seien. Sie hätten aus Ärger über Karikaturen des Propheten Mohammed lediglich Angst in Europa verbreiten wollen.

Der Prozess in Deutschland gegen al H. begann am Dienstag vor dem Oberlandesgericht in Düsseldorf. Der 23-jährige Libanese muss sich wegen vielfachen versuchten Mordes verantworten. Konstruktionsfehler hatten verhindert, dass die Bomben detonierten. Die Bundesanwaltschaft geht von einem islamistischen Hintergrund der Tat aus. Die Bomben seien als Reaktion auf die umstrittenen Mohammed-Karikaturen gelegt worden.

Neue Forderungen nach Online-Durchsuchung

Innenstaatssekretär August Hanning sagte am Dienstag im ZDF-"Morgenmagazin", von dem Prozess in Düsseldorf gehe "die Botschaft aus, dass die deutschen Sicherheitsbehörden wachsam sind". Allerdings ließen sich derartige Anschläge auch künftig nicht ausschließen. Hanning bekräftigte die Forderung, den Ermittlern die Möglichkeit zur Online-Durchsuchung von Computern zu geben. Die Kölner "Kofferbomber" hätten Anleitungen zum Bombenbauen aus dem Internet heruntergeladen. "Wenn wir rechtzeitig gewusst hätten, dass sie Bombenbau-Anleitungen heruntergeladen haben, hätten wir das möglicherweise eher erkennen können."

Al H. war in Kiel festgenommen worden. Jihad H. stellte sich wenig später den libanesischen Sicherheitsbehörden in der Stadt Tripolis. Die beiden sollen im Juli 2006 Bombenanschläge auf zwei Regionalzüge versucht haben. Die in Koffern verpackten Gasbehälter waren mit Zeitzündern versehen und in den Zügen deponiert worden. Eine Explosion hätte nach Einschätzung von Experten in beiden Fällen zahlreiche Menschen in den Tod reißen können. (mg)

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