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Politik

Zuviel Zuckerbrot?

Trotz des jüngsten demonstrativen Eingeständnisses Nordkoreas, Atomwaffen entwickeln zu wollen, streben die USA weiterhin eine friedliche Beilegung des Konflikts an. Rainer Sollich analysiert diese Strategie.

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Drohgebärden aus Pjöngjang

Wenn es ein Land gibt, das von den USA ganz zweifelsfrei zu Recht als Schurkenstaat bezeichnet wird, dann Nordkorea. Die kommunistische Diktatur dort steht nicht etwa nur im Verdacht, biologische und chemische Waffen zu produzieren, wie der Irak unter Saddam Hussein. Nein, Nordkorea brüstet sich sogar damit, Atomwaffen herstellen zu wollen. Nach US-Angaben besitzt Pjöngjang ohnehin schon einige - und es droht unverhohlen damit, sie im Bedarfsfall auch einzusetzen. Selbst wenn dies nur ein gigantischer Bluff ist: Nordkorea spielt hier schon länger ein äußerst gefährliches Spiel.

Beispiele für Schurkenstaat-Charakter

Immer offensichtlicher wird, dass das hoffnungslos verarmte Land sich seine bitter benötigten Devisen mit Drogen- und Waffenschmuggel verdient. Das hereinkommende Geld stecken die Herrschenden in Pjöngjang aber nur den Militärs in die Taschen, deren Unterstützung sie zur eigenen Herrschaftsabsicherung benötigen. Die Bevölkerung dagegen lässt man gnadenlos hungern: Erst vor wenigen Tagen machte UNICEF darauf aufmerksam, dass allein 70.000 Kinder in Nordkorea an Unterernährung leiden. Dies ist nur ein Beispiel für den menschenverachtenden Charakter dieses Regimes.

Interessen der Nachbarn berücksichtigen

Gemessen daran, mit wie wenig Skrupel die USA trotz internationaler Widerstände im Irak einmarschiert sind, wirkt die andauernde Zurückhaltung gegenüber Nordkorea seltsam inkonsequent. Und doch bleibt Diplomatie hier der einzig gangbare Weg. Nicht nur weil im Fall Nordkorea, viel stärker als im Irak, die Interessen der benachbarten Atommächte Russland und China mit berücksichtigt werden müssen. Sondern auch, weil Nordkorea möglicherweise tatsächlich bereits über Atomwaffen verfügt, die es bei einem militärischen Konflikt zumindest gegen Südkorea und Japan einsetzen könnte. Vor diesem Hintergrund ist die amerikanische Zurückhaltung nur allzu verständlich. Sie löst aber das Problem nicht.

Zuckerbrot und Peitsche

Das Problem Nordkorea kann nur dann entschärft werden, wenn die USA nachdrücklicher als bisher eine Doppelstrategie aus Forderungen und Anreizen verfolgen. Die Forderung muss unmissverständlich lauten: sofortiges Einstellen aller nordkoreanischen Atomwaffenpläne. Und genau dafür müssten Anreize geboten werden: Wirtschaftshilfen, die wirklich bei der Bevölkerung ankommen, gepaart mit einem Arrangement, das Nordkorea wenigstens solange Sicherheit vor einem befürchteten US-Angriff bietet, solange es sich an getroffene Vereinbarungen hält. Nur ein Arrangement, das beiden Seiten Vorteile bietet, kann eine drohende Eskalation der Nordkorea-Krise verhindern.

Zusammenarbeit mit China sinnvoll

Washington wäre gut beraten, noch enger - und auch druckvoller - mit der Volksrepublik China zusammenzuarbeiten. Peking hat immer noch den größten wirtschaftlichen Einfluss auf Nordkorea und hat im Fall Nordkorea durchaus auch gemeinsame Interessen mit den USA. Denn China versteht sich - vor allem wirtschaftlich - als aufstrebende Ordnungsmacht in Nordostasien. Das Land kann deshalb weder noch mehr Wirtschaftsflüchtlinge aus Nordkorea noch eine neue Atommacht vor der eigenen Haustür oder gar einen regionalen Konflikt gebrauchen.

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