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Wirtschaft

Zuversichtlich ins neue Jahr

Deutsche Unternehmen, die in Amerika ansässig sind, blicken zum Jahresende zuversichtlich in die Zukunft - das ergab zumindest eine Umfrage der Deutsch-Amerikanischen Handelskammern.

Dachdecker decken das Dach eines Hauses, Symbol für Aufschwung (Foto: Erwin Fodlicka)

Endlich geht es wieder aufwärts

Die Umfrage der Deutsch-Amerikanischen Handelskammern belegt, dass die meisten der 3000 deutschen Unternehmen in den USA für 2010 einen Aufschwung erwarten. "Besonders gut geht es Firmen, die im Bereich erneuerbarer Energien und Energieeffizienz tätig sind", sagt Benno Bunse, Präsident der Deutsch-Amerikanischen Handelskammern in New York. "Hier sind die Deutschen vielfach Technologieführer und bringen langjährige Erfahrung mit." Auch ziehe in diesen Branchen die Nachfrage an, nicht zuletzt, weil die Obama-Regierung diese Wirtschaftszweige fördert.

Drahtmaschinen aus dem südlichen New Jersey

Nur bedingt optimistisch ist Robert Wild. Er ist Franke - fernab der Heimat und leitet seit rund sechs Jahren im südlichen New Jersey die US-Niederlassung der deutschen Maschinenfabrik Niehoff GmbH und CoKG.

Maschinen für die Draht- und Kabelindustrie (Foto: DW)

Maschinen für die Draht- und Kabelindustrie

Er und seine 30 Mitarbeiter fertigen Maschinen für die Draht- und Kabelindustrie. "Im Bereich Windenergie, Solarenergie und Elektroautos werden zwar zunehmend Kabel benötigt, wie schnell das allerdings von oben nach unten durchsickert und dann zu Investitionsentscheidungen führt, das wird sich noch zeigen", sagt Wild.

Insgesamt könne man bei seinen Kunden feststellen, dass Management- und Kaufentscheidungen sehr vorsichtig gefällt werden: "Aus Unsicherheit und Kapitalmangel". Rund ein Fünftel seiner Mitarbeiter in New Jersey musste gehen - die meisten allerdings im Zuge "natürlicher Fluktuation". Zudem hat man in New Jersey die Produktpalette erweitert, wartet und renoviert nun auch alte Maschinen und vertritt andere Firmen, die in anderen Märkten aktiv sind.

Gesund geschrumpft

Die US-Niederlassung des Maschinenbauers Niehoff (Foto: DW)

Die US-Niederlassung des Maschinenbauers Niehoff

Entschlacken, wo man schon immer entschlacken wollte, Ineffizienzen abbauen und neue Geschäftsfelder in Angriff nehmen - gesund schrumpfen und improvisieren nennen das die meisten deutschen Unternehmen in den USA. Der wichtigste Wettbewerbsvorteil ist hingegen die Finanzstruktur der deutschen Unternehmen. Da es sich hauptsächlich um kleine und mittelständische Unternehmen handelt, bleibt das Geld, das im Ausland verdient wird, in der Regel in den Niederlassungen und macht Neuinvestitionen möglich.

"Die deutschen Unternehmen in den USA haben eine relativ gute Kapitalausstattung und sind deshalb auch in der Lage, in knappen Zeiten ganz gut zu überwintern", erläutert Benno Bunse. "In Krisenzeiten wird mit Geld investiert und nicht mit Bankschulden", sagt Robert Wild. Zu schaffen macht den Unternehmen allerdings der schwache Dollar. "Wir gleichen die Wechselkursschwankungen zumindest teilweise wieder aus, da wir auch hier in den USA produzieren", sagt Wild.

"Buy American"

Barack Obama unschrieb das Konjunkturpaket im Februar 2009 (Foto: AP)

Obama unterschrieb das Konjunkturpaket - mit einer "Buy american"-Klausel

Außerdem fürchten die deutschen Unternehmen die so genannten "Buy American" - Tendenzen. Im Konjunkturgesetz verankert, versucht Washington den Absatz amerikanischer Produkte zu fördern.

Robert Wild sieht die Konkurrenz allerdings weniger bei den US-Unternehmen als im Fernost. Auch Kabel und Drähte werden in China und Indien billiger produziert und seine Kunden konkurrieren mit Produzenten aus Asien.

Er weiß, dass es in seinem Industriezweig noch eine Weile düster aussehen wird. Trotzdem ist er auf seine Weise zuversichtlich: "Die deutsche Mentalität - also die Gründlichkeit zu paaren mit der amerikanischen Stärke, der Entscheidungsfreudigkeit und Flexibilität, damit ist eine deutsche Niederlassung sehr gut aufgestellt." Mit einem Anziehen der Auftragslage rechnet er allerdings frühestens in einem Jahr.

Autorin: Miriam Braun
Redaktion: Zhang Danhong

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