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Nahost

Zusammenstöße bei Protesten in Teheran

Im Iran sind wieder hunderttausende Menschen auf die Straßen gegangen, um gegen die Regierung zu demonstrieren. Augenzeuge berichten von Festnahmen, die Polizei soll außerdem Tränengas eingesetzt haben.

Oppositionsanhänger demonstrieren gegen die Regierung (Foto: AP)

Zehntausende Oppositionsanhänger gingen auf die Straßen

Seit Wochen ist Oppositionsführer Mir Mussawi nicht mehr öffentlich aufgetreten. Am Freitag (17.07.2009) nahm der unterlegene Präsidentschaftskandidat zusammen mit weiteren Oppositionspolitikern am Freitagsgebet teil.

Seine Anhänger versammelten sich im östlichen Teil des Teheraner Universitätscampus und feierten lautstark den unterlegenen Präsidentschaftskandidaten. Sprechchöre forderten außerdem die Freilassung von politischen Gefangenen. Viele Oppositionelle trugen die Farbe grün als Zeichen des Protests.

Polizei setzt Tränengas und Schlagstöcke ein

Die Sicherheitskräfte riegelten die Straßen und das Universitätsgebäude weiträumig ab und gingen mit Tränengas und Schlagstöcken gegen die Anhänger der Opposition vor. Laut Augenzeugenberichten wurden mindestens 15 Menschen festgenommen.

Der iranische Geheimdienst hatte schon im Vorfeld ausdrücklich vor jeder Störung des Freitagsgebets gewarnt. "Die Leute sollten achtgeben, dass es dabei nicht zu unangemessenen Vorfällen kommt", zitierte die Nachrichtenagentur "Fars" den Geheimdienstchef Gholam-Hussein Mohseni-Edschehei.

Rafsandschani fordert offene Debatte

Er fühle sich "in der Pflicht", dem Aufruf seiner Mitstreiter zu folgen, die Freiheitsrechte zu verteidigen, und werde daher das "gemeinsame Gebet" besuchen, hatte Mussawi im Vorfeld auf seiner Webseite erklärt. Mit ihm zusammen nahmen auch der ehemalige Präsident Mohammed Chatami und der Ex-Parlamentsvorsitzende Mehdi Karrubi am Freitagsgebet teil.

Ex-Präsident Akbar Haschemi Rafsandschani bei einer Rede am 09.06.2005 (Foto: AP)

Ex-Präsident Akbar Haschemi Rafsandschani

Die Predigt beim Freitagsgebet hielt Ex-Präsident Akbar Haschemi Rafsandschani. Er rief zu einer offenen Debatte über die umstrittene Wahl auf und forderte die Freilassung von Oppositionellen, die bei den Protesten der vergangenen Wochen festgenommen worden waren.

Rafsandschani gilt als einflussreicher Unterstützer des Reformpolitikers Mussawi und als entschiedener Gegner des ultrakonservativen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad.

Mindestens 20 Tote bei Protesten seit Mitte Juni

Ausschreitungen bei Oppositions-Protesten in Teheran (Foto: AP)

Oppositionsanhänger protestieren gegen Wahlergebnis

Der Reformpolitiker Mussawi war bei der umstrittenen Präsidentschaftswahl am 12. Juni laut offiziellen Angaben klar unterlegen. Mussawi und die anderen unterlegenen Kandidaten zweifeln allerdings an der Korrektheit des Ergebnisses, demzufolge Ahmadinedschad mit 63 Prozent der Stimmen wiedergewählt wurde.

Hunderttausende Iraner hatten nach Bekanntgabe des umstrittenen Wahlergebnisses demonstriert. Dabei war es zu Zusammenstößen gekommen, bei denen mindestens 20 Menschen getötet wurden.

Islamische Revolution gab Gebet politischen Charakter

Massen-Demonstrationen während der Februar Revolution 1979 im Iran (Foto: AP)

Massen-Demonstrationen während der Revolution 1979 im Iran

Der Besuch des Freitagsgebetes gilt als Pflicht für jeden gesunden männlichen Muslim im Erwachsenenalter. Es besteht aus den eigentlichen Gebeten und der Predigt eines Vorbeters, dem Imam.

Der erste Teil des Freitagsgebets ist religiös geprägt, Koranverse werden rezitiert. Den zweiten Teil bestimmen soziale und politische Themen. Ursprünglich eine rein religiöse Zeremonie, hat das Freitagsgebet vor allem im Iran nach der islamischen Revolution von 1979 einen politischen Charakter erhalten. (kis/se/fw/dpa/afp/rtr/ap)

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