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Deutschland

Zusammenarbeit beim Katastrophenschutz

Bei Überschwemmungen und Erdbeben ist die internationale Vernetzung der Katastrophenhilfe wichtig. Deutschland stimmt zu, sieht sich aber als Vorreiter - auch bei der Ausbildung.

Wenn durch ein Erdbeben Menschen verschüttet werden oder ein Wirbelsturm Stromleitungen zerstört, ist schnelle Hilfe nötig. "Katastrophen nehmen keine Rücksicht auf Ländergrenzen" - mit diesen Worten unterstreicht Wolfram Geier vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) die Bedeutung internationaler Zusammenarbeit bei extremen Naturereignissen und Terroranschlägen. Diese Zusammenarbeit war das Thema auf dem 8. Europäischen Bevölkerungsschutzkongress, der am Dienstag und Mittwoch (18.-19.09.2012) in Bonn stattfand. Besonders gut funktioniert die Kooperation zwischen Deutschland und der Schweiz, wie Wolfram Geier auf dem Kongress berichtet: "Da gibt es momentan ein Projekt, das sich mit der grenzüberschreitenden Evakuierung nach Kernkraftwerksunfällen beschäftigt. Das ist natürlich hochaktuell nach Fukushima."

Dr. Wolfram Geier vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe. (Foto: BBK)

Wolfram Geier vom BBK

Deutschland hilft mit Experten und Wissen

Die Bundesrepublik hilft vor allem Ländern, die sich keine hochspezialisierten Einsatzkräfte leisten können - etwa bei der Trinkwasseraufbereitung oder bei der Wiederherstellung von Stromnetzen. Das erläutert Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich im Gespräch mit der DW: "Ich glaube, dass wir in Deutschland einen sehr ausdifferenzierten und weit entwickelten Bevölkerungs- und Katastrophenschutz haben, und dass wir dieses Wissen natürlich gerne allen zur Verfügung stellen, die von uns lernen wollen." Wenn die Bundesregierung aus dem Ausland nach Naturkatastrophen oder anderen Notsituationen um Hilfe gebeten wird, beauftragt sie das Technische Hilfswerk (THW). Das THW ist eine Behörde, die organisatorisch zum Bundesinnenministerium gehört, sich aber vor allem aus freiwilligen Helfern zusammensetzt. Kürzlich waren einige von ihnen in Jordanien im Einsatz, wo sie beim Aufbau eines Lagers für syrische Flüchtlinge halfen.

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (Foto: Karin Jäger, DW)

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich

Auch die Ausbildung von Experten spielt in Deutschland eine wichtige Rolle beim Bevölkerungs- und Katastrophenschutz. So gibt es seit 2006 an der Universität Bonn den Master-Studiengang "Katastrophenvorsorge und -management", der gemeinsam mit dem BBK entwickelt wurde. Die Kombination aus Wissenschaft und Praxis ist in Deutschland einmalig. 100 Absolventen haben die zusätzliche Qualifikation zu ihrem ersten Abschluss bereits geschafft, viele von ihnen profitieren von der Zusatzqualifikation bei der Stellensuche. Darüber hinaus bietet das BBK in seiner Akademie auch Fortbildungen für ausländische Hilfskräfte an. Erst vor kurzem waren die Oberbürgermeister mehrerer chinesischer Großstädte dort, um sich in Risikoanalyse, Erstellen von Notfallplänen und Krisenübungen schulen zu lassen.

Bevölkerungsschutz 2.0

Ein wichtiges Thema des Kongresses in Bonn war die Frage, ob die Europäische Union eine zentrale Koordinierungsstelle für Katastrophenhilfe in ganz Europa einrichten soll. Bundesinnenminister Friedrich sprach sich entschieden dagegen aus: "Wir haben ein Problem damit, uns vorzustellen, dass in Brüssel ein zentrales Einsatzkommando sitzt, das glaubt, von Skandinavien bis Südeuropa die Dinge überblicken zu können". Friedrich ist überzeugt, dass gut organisierte Einsatzkräfte in den einzelnen Ländern wesentlich leistungskräftiger sind als eine zentral gesteuerte Organisation.

Helfer des Technischen Hilfswerks (THW) retten eine verschüttete Frau in Muzaffarabad Foto: THW/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++

Technisches Hilfswerk THW Ausland

Im Falle einer Naturkatastrophe, eines Terroranschlags oder einer anderen Gefahrensituation ist es wichtig, dass die Bevölkerung schnell informiert wird und weiß, was sie zu tun hat. Deshalb soll in Deutschland in den kommenden Jahren ein "Modulares Warn-System" (MoWaS) eingeführt werden. Dann werden die Bürger nicht mehr per Sirenen-Signal gewarnt, stattdessen erhalten sie per SMS, E-Mail oder über soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter Informationen über Gefahrensituationen sowie klare Anweisungen, was wann zu tun ist. In Hamburg wird MoWaS schon in einem Pilotprojekt erprobt, ein Zeitpunkt für die bundesweite Einführung steht momentan noch nicht fest.