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Olympia

"Zusammen sind wir noch stärker"

Im Doppelpack zu den Olympischen Spielen: Die weltweit schnellsten Marathon-Zwillinge Anna und Lisa Hahner starten für Deutschland in Rio - gerade einmal neun Jahre, nachdem sie mit dem Laufen angefangen haben.

Sie strahlen um die Wette, wenn sie reden und sie plaudern so leicht über das Laufen, als wäre ein Marathon ein gemütlicher Waldspaziergang. Die Zwillinge Anna und Lisa Hahner gehen für Deutschland in Rio an den Start und sie machen auf sympathische Weise mächtig Werbung für ihren Sport und auch für sich selbst. Auf ihrer Homepage nennen sie sich die "Hahner-Twins" und die "weltweit schnellsten Olympiazwillinge", natürlich sind sie auch in den sozialen Netzwerken aktiv, halten Präsentationen und haben gerade pünktlich vor Beginn der Olympischen Spiele ein Buch herausgebracht - mit vielen Tipps rund ums Laufen.

Die beiden 26-jährigen Blondinen scheinen unzertrennlich: Sie teilen sich eine WG, kochen und trainieren zusammen. Und nun haben sie sich den größten Traum erfüllt: Die Nominierung für die Olympischen Spiele. "Die Vorfreude ist mega, einfach riesig groß. Das ist das Größte überhaupt, die Olympischen Spiele", schwärmt Lisa Hahner im Interview mit der Deutschen Welle. "Seit vier Jahren denke ich jeden Tag, jede Stunde daran. Jetzt rückt es immer näher und ich freue mich so sehr."

Dabei sein ist alles

Dabei kamen beide erst mit 17 Jahren zu ihrem Sport - vergleichsweise spät. 2007 saßen sie bei einem Vortrag von Extremsportler Joey Kelly, dem ehemaligen Mitglied der Kelly-Family, im Publikum. "Er hat über das Laufen geredet und über Motivation und was ihm das Laufen gibt. Anna und ich saßen da, sind vorher gar nicht gelaufen und haben uns angeschaut und gesagt - wie der vom Laufen redet, das muss das Coolste der Welt sein", erinnert sich Lisa. "Wir sind dann am nächsten Tag losgelaufen und so wurde es immer mehr, immer schneller, immer weiter."

Einige Wochen später gewannen sie die ersten Wettbewerbe und mit zwei Trainern, enormem Ehrgeiz und einem Laufpensum von bis zu 230 Kilometern pro Woche bei durchschnittlich 17 km/h schafften sie es zum absoluten Höhepunkt: Dem olympischen Marathon, die Urdisziplin der Spiele. Ihr Ziel: Dabeizusein und anzukommen, sagt Anna Hahner im DW-Interview. "In Rio möchte ich dann nach 42,195 Kilometern glücklich und zufrieden im Sambadrom im Ziel stehen. Und dann zu wissen - krass, das war jetzt der olympische Marathon. Das ist so cool, bei so einem Sportereignis so eine Distanz zu laufen. Wenn ich schon dran denke, dann kribbelt es schon überall bei mir."

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Marathon: Die Hahner-Zwillinge

Auf ihrer Homepage sind die Geschwister bereits im Laufdress an der Copacabana zu sehen - Rios weltberühmtem Paradestrand. Vor einem Jahr schnupperten sie dort bereits Olympialuft - beim Stadtmarathon. "Die Stadt pulsiert. Man hat das Gefühl, sie schläft nie, sie lebt die ganze Zeit", erinnert sich Anna. "Egal, wann man an der Copacabana laufen geht, da sind immer Leute unterwegs. Selbst morgens um halb sechs. Und das ist das, was Rio ausmacht."

Studium abgeschlossen, aufs Laufen konzentriert

Die Zwillinge haben jeweils ein Lehramtsstudium in der Tasche: Anna in katholischer Theologie und Französisch, Lisa in Mathematik und ebenfalls in Französisch. Doch danach konzentrierten sie sich auf ihre neue Passion, das Laufen. Sportlich waren die Zwillinge stets, haben den braunen Gürtel im Ju-jutsu, dazu noch Tischtennis und Fußball ausprobiert - doch das Laufen zog sie immer mehr in den Bann.

Und das erfolgreich: Anna stellte ihre Bestzeit beim Berlin-Marathon 2014 auf: 2:26:44 Stunden. Lisas schnellstes Rennen in Frankfurt 2015 dauerte 2:28:39 Stunden, dort wurde sie deutsche Meisterin - mit einem lachenden und einem weinenden Auge: Damals lief sie um neun Sekunden an der Olympianorm vorbei, in Marathon-Verhältnissen sind das gerade einmal 43 Meter. Weil der Weltleichtathletikverband IAAF die Norm aufgrund von Doping-Fällen anpasste, wurde sie von 2:28:30 auf 2:30:30 Stunden gesenkt. Anna und Lisa erfüllten sie damit.

Anna war schon 2012 nur um 14 Sekunden an der Olympianorm vorbeigeschrammt. Daraufhin hatte damals ein deutscher Sponsor beide zur Eröffnungsfeier nach London eingeladen - mehr Motivation für Rio gibt es wohl kaum. "Überwältigt von den Eindrücken und mit Gänsehaut am ganzen Körper sehen wir die Nationen einlaufen. Was muss das für ein Gefühl sein dort mitzulaufen? Das möchten wir auch erleben. Nicht irgendwann, sondern 2016", schrieben sie auf ihrer Homepage.

Kaum zu unterscheiden

Wenn man sie nebeneinander sieht, sind sie kaum zu unterscheiden. Die eine trägt den eingeflochtenen Zopf mit einem Links- die andere mit einem Rechtsscheitel. Anna ist 16 Minuten älter und trägt Ohrringe, Lisa nicht. Dafür ist sie zwei Zentimeter größer. Gegeneinander angetreten sind sie schon ihre ganzes Leben, bei Marathon-Events aber ganz selten. Dennoch finden sie: "Zusammen sind wir noch stärker" und sie hoffen auf einen Vorteil: "Wir werden das nutzen, dass wir uns gegenseitig unterstützen können", erklärt Lisa der DW. "Allein das Gefühl, dass man mit der Schwester in einem Marathon ist, pusht uns beide. Es wird noch ein Drillingspaar aus Estland an der Startlinie sein. Die werden das wahrscheinlich nachvollziehen können, wie cool sich das anfühlt, mit der Schwester einen Marathon zu laufen."

All die Probleme zur Sicherheit, politischen Lage und rund um den Zika-Virus blende sie aus, sagt Lisa, "weil ich es ja nicht ändern kann." Dafür seien andere zuständig. "Ich vertraue darauf, dass sie einen guten Job machen und die besten Bedingungen für uns Athleten schaffen werden. Und dann sind wir dazu da, schnell zu laufen und gute Leistungen zu bringen." Am 14. August ist es dann soweit. Dann geht ihr persönliches Marathon-Märchen in Erfüllung: Nur neun Jahre nach ihrem Start ins Lauf-Abenteuer starten die Hahner-Twins bei den Olympischen Spielen.

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