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Politik & Gesellschaft

Zur Zeit nur noch vier AKW am Netz

Wegen Routineuntersuchungen sind in der kommenden Woche nur vier Atomkraftwerke in Deutschland in Betrieb. Energiekonzerne befürchten einen Blackout, Atomkraftgegner kritisieren eine schlechte Vorbereitung.

AKW-Emsland (Foto: dpa)

Drei Wochen lang bleibt das AKW Emsland wegen Wartungsarbeiten vom Netz

Von diesem Samstag (21.05.2011) an liefern nur noch vier der 17 deutschen Atomkraftwerke Strom. Das geht aus Angaben der Aufsichtsbehörden und der Betreiber hervor. Sieben Reaktorblöcke hatte die Bundesregierung nach der Atomkatastrophe im japanischen Fukushima für drei Monate vorübergehend abschalten lassen, um Zeit für eine Diskussion über einen möglichen vorgezogenen Atomausstieg zu gewinnen. Das Kernkraftwerk Krümmel steht nach einer Panne ohnehin seit längerem still.

Vier weitere Akw gingen in den vergangenen Wochen im Zuge längerfristig geplanter Wartungsarbeiten vom Netz. Als fünftes folgt nun entsprechend dem koordinierten Revisionsplan der Meiler in Lingen. Er bleibt drei Wochen lang vom Netz. Während der jährlichen Routine-Untersuchung werden unter anderem 44 der 193 Brennelemente ausgetauscht.

Damit liefern nur noch Isar II und Gundremmingen C (Bayern), Brokdorf (Schleswig-Holstein) und Neckarwestheim II (Baden-Württemberg) Atomstrom. Da Gundremmingen B um den 26. Mai herum wieder ans Netz gehen soll, wird der bisher einmalige Engpass rund eine Woche andauern.

Energiekonzerne befürchten Blackout

Strommasten (Foto: AP)

Während der kommenden Wochen muss Deutschland mehr Strom importieren

"Das Licht wird nicht ausgehen", sagte Verbraucherschützer Holger Krawinkel. Die Übertragungsnetzbetreiber hätten signalisiert, dass die Situation schwierig, aber unter Kontrolle sei. Die Energiekonzerne sehen angesichts der Tatsache, dass nur noch 27 Prozent der Atomstromkapazitäten zur Verfügung stehen, hingegen die Gefahr eines größeren Blackouts. Nach Zahlen der europäischen Netzbetreiber muss Deutschland derzeit fast zu allen Tages- und Nachtzeiten Strom importieren, darunter Atomstrom aus Frankreich und Tschechien sowie Kohlestrom aus Polen.

Atomkraftgegner hatten vor einem "inszenierten Blackout" gewarnt. Obwohl nur noch vier Kernkraftwerke am Netz seien, führen die Energieversorger ihre Reserve an Gas- und Kohlekraftwerken nicht hoch, kritisierte der Sprecher der Anti-Atom-Organisation "Ausgestrahlt", Jochen Stay.

AKW-Gegner: Stromkonzerne haben nicht vorgesorgt

Kombiniertes Kohle- und Gaskraftwerk Gersteinwerk bei Hamm (Foto: AP)

AKW-Gegner fordern den erhöhten Einsatz von Gas- und Kohlekraftwerken

"Die Stromversorgung in Deutschland kann auch sichergestellt werden, wenn die meisten oder gar alle Atomkraftwerke abgeschaltet sind", sagte Stay. "Es braucht dazu allerdings die Bereitschaft der Stromkonzerne, dies auch zu organisieren." Tatsächlich nähmen die Betreiber ihre abgeschalteten Gas- und Kohlekraftwerke aber bewusst nicht ans Netz und provozierten so Schwankungen im Netz. "Wir befürchten, dass die Stromkonzerne einen Blackout bewusst inszenieren könnten, um die Bevölkerung in der Debatte um den Atomausstieg zu verunsichern", erklärte Stay.

Autorin: Annamaria Sigrist (dpad, dpa, afp)
Redaktion: Eleonore Uhlich

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