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Sport

Zur WM wird "Denglish" gesprochen

Fußball gucken auf Großbildleinwand heißt "Public Viewing", Flagge hissen "City Dressing". Die Begrifflichkeiten rund um die Fußball-WM sind gespickt mit Anglizismen - für manche eine echte Herausforderung.

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Manchmal hilft nur ein Wörterbuch, um Licht in den Dschungel der Fußball-Anglizismen zu bringen

Der Bereich für die Reichen und Schönen nennt sich "Hospitality Zone", freiwillige Helfer sind "Volunteers" und der Hamburger Hauptbahnhof ist seit neuestem die "FIFA Railway Station Hämbörg". Die WM ist, um im Marketingdeutsch zu bleiben, ein "Event". Mancher Deutsche hat das Großereignis auch zum Anlass genommen, sein Englisch aufzupolieren, darunter die Polizisten in Leipzig oder rund 1000 Mitarbeiter der Deutschen Bahn.

Zur Fußball-Weltmeisterschaft kursieren viele Anglizismen aus der globalen Marketingsprache. Auf der offiziellen FIFA-Internetseite wird für das "kommerzielle Incentive-Programm 'Hospitality'" geworben. Die Zielgruppe wird vermutlich verstehen, dass damit noble WM-Angebote für Firmen gemeint sind.

Zurück zum "Normalmaß" nach der WM

WM Fußball Deutschland Costa Rica Fans Reaktionen Berlin

"Public Viewing" nennt sich das gemeinsame Fußballgucken

Beim Kartenverkauf ("Ticketing") heißt es "First come, first served", der Wiederverkauf läuft unter "Resale" beim "Customer Self Service". Der bayerische Kabarettist Gerhard Polt hätte seine Freude daran, schließlich hat er einmal über Freizeitaktivitäten wie "freshair snapping", "mushroom searching" und "televisioning" sinniert.

Der Deutsche Philologenverband sieht die Anglizismen gelassen. Man habe "schon aufgehört, sich darüber aufzuregen", sagt der Bundesvorsitzende Heinz-Peter Meidinger. Nach der WM werde wieder das "Normalmaß" einkehren.

"Wahnsinnig effektiv ist es nicht"

Für Walter Krämer, den Vorsitzenden des Vereins Deutsche Sprache, sind die englischen Ausdrücke dagegen ein rotes Tuch. "Die allermeisten Teilnehmer sprechen kein Englisch", kritisiert er mit Blick auf WM-Schwergewichte wie Argentinien und Brasilien. "Public Viewing! Die Franzosen finden das peinlich und sehen uns als Arschkriecher der USA und Englands", ereifert sich Krämer. Für ihn haben die Anglizismen zur WM ein "Übermaß" erreicht. "Ich bin nicht der Einzige, dem das aufstößt."

Gayle Tufts

Expertin für "Denglish": Gayle Tufts

Die in Berlin lebende amerikanische Kabarettistin Gayle Tufts hat sich schon über die Durchsagen bei der Bahn gewundert. Erst ein "endloser Satz" zu den Stopps und den Umsteigemöglichkeiten, "dann kommt auf Englisch nur ganz knapp 'Thank You for riding Deutsche Bahn'. Das klingt gut, aber so wahnsinnig effektiv ist es nicht."

Zur WM wittert Tufts, die mit der Sprachmischung "Denglish" ihr Publikum unterhält, ein großes "Sprachchaos". Marketing-Ausdrücke wie "Public Viewing" oder "City Dressing" findet sie eher belustigend als informativ. "City Dressing - das klingt wie eine Salatsoße." (ms)

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