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Kultur

Zur Sache, Schätzchen!

Frankophile und Freunde gepflegter Popmusik aufgepasst! Die "Nouvelle Scène Francaise" wandelt in den Fußstapfen der großen Chansonniers. Zwei Deutsche präsentieren den Soundtrack für ein lässigeres Leben.

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Feinste französische Pop-Perlen

Selten war die Zeitlosigkeit eines Nachmittages so lässig inszeniert wie in Mary Spils 1967 gedrehtem Film "Zur Sache, Schätzchen". Der Müncher Teilzeit-Intellektuelle Martin (Werner Enke) dichtet Schlagertexte im Freibad. Barbara (Uschi Glas) tritt auf eine Glasscherbe. Irgendwann später landen beide in Martins Schwabinger Bude und noch ein wenig später dann in Martins Bett. Fast sieht es aus wie in einem Film von Godard, fast sieht es französisch aus – aber leider eben nur fast. Denn irgendwas fehlt. Vielleicht fehlt die Eleganz, vielleicht fehlt der Charme, villeicht fehlt nur die richtige Sprachmelodie.

Serge Gainsbourg vs. Udo Jürgens

Serge Gainsbourg

Der französische Chansonnier, Rocksänger, Komponist und Schauspieler Serge Gainsbourg

Auch musikalisch haben unsere linksrheinischen Nachbarn seit jeher die Nase weit vorne. Schließlich hatten sie einen wie Serge Gainsbourg, das ewige Enfant terrible. Gainsbourg, der Brigitte Bardot für eine Singleauskopplung ins Mikrofon stöhnen ließ, eine fast Minderjährige heiratete und auch im hohen Alter seine Zigaretten auf der Bühne am liebsten mit brennenden 1000-Francs-Scheine entzündete. In Deutschland gab es zur gleichen Zeit Leute wie Udo Jürgens, der es vorzog, von Schlagsahne zu singen. Grandiosen Chansons – den französischen Nationalheiligtümern der Sangeskunst – hatte Deutschland nur schnöde Schlager entgegenzusetzen.

Pop-Perlentaucher

April March Pop, Chanson, Frankreich

April March Foto: Grégoire Alexandre

Doch genug der Schmach! Frankophile und Freunde gepflegter Popmusik, Schulfranzösisch ausgepackt und aufgepasst! Denn zwei Deutsche präsentieren uns diesen Herbst einen faszinierenden Einblick in die französische Musikwelt jenseits von HipHop, House oder NuJazz. Oliver Fröscke und Rolf Witteler versammeln auf ihrer CD-Compilation "le pop 2" ein aktuelles Sammelsurium feinster französischer Pop-Perlen. Was mit einem einführenden Überblick in die Welt der "Nouvelle Scène Francaise" von 1992-2002 auf einer ersten Compilation begann, führen die beiden in Köln ansässigen Musikfreunde mit "le pop 2" folgerichtig weiter.

Eine Prise Eleganz

"Wahrscheinlich ist es letzlich schon eine Prise spezieller Eleganz, die das Besondere an den aktuellen Chansons ausmacht", erzählt Rolf Witteler im Gespräch mit DW-WORLD. Eine Eleganz, die allen versammelten Musikstücken innewohnt und die Franzosen seit Jahren generationsübergreifend begeistert. "Natürlich könnte man stundenlang über das gewisse Etwas der Musik philosophieren. Lieber sollte man das Ganze aber hören. Das ist schließlich einfach nur super Popmusik", sagt Oliver

Pascal Parisot, Le Pop

Pascal Parisot

Fröschke. Und zu hören gibt es einiges zwischen Elektro, Easy-Listening und Bossa Nova. Einsatz finden unter anderem Heimorgeln, Akkordeons oder ganze Orchester. "Le pop" ist eine vielschichtige Reise auf der Suche nach der verlorenen Zeit - ein Soundtrack für ein lässigeres Leben.

Ziege klauen

11.000 Mal hat sich die erste "le pop"-Compilation allein in Deutschland verkauft. Fröschke und Witteler haben inzwischen ein eigenes kleines Label gegründet, legen ab und an bei Partys Schallplatten auf und planen weitere Veröffentlichungen. "Die ganze Sache ist besser angekommen, als wir gedacht haben", erzählt Oliver Fröschke. "Eine Französischlehrerin hat sich gar mal nach den Texten für den Einsatz im Unterricht erkundigt", sagt Rolf Witteler. Schön zu wissen, dass der Soundtrack für zeitlose

Mathieu Boogaerts Pop, Chanson, Frankreich

Mathieu Boogaerts

b Nachmittage inzwischen auch in der romanistischen Seminarbibliothek der Uni Frankfurt bereitsteht. Es kann also losgehen. Vielleicht sollte man auch mal eine Ziege klauen wie Martin und Barbara am Nachmittag im Zoo. Oder zumindest daran denken, wenn man in der Küche filterlose Zigaretten raucht.

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