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Kultur

Zur Aids-Konferenz hinten anstellen

Journalisten klagen oft über nervige Sicherheitskontrollen bei großen Konferenzen. Nicht so DW-Reporterin Christines Harjes bei der Welt-Aids-Konferenz in Toronto. Ihr geriet vielmehr die Anreise zur Security-Tortur.

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Immer schön einer nach dem anderen

Flughafen Frankfurt am Main: 10 Uhr morgens am Freitag (11.8.2006). Vor einem Tag konnte Scotland Yard nach eigenen Angaben gleich mehrere Anschläge auf US-amerikanische Flugzeuge verhindern. 20 mutmaßliche Terroristen sollen versucht haben, mit Flüssigsprengstoff an Bord der Maschinen zu gehen. Deshalb dürfen jetzt neben Messern, Nagelfeilen, Scheren und anderen spitzen Gegenständen auch Flüssigkeiten nicht mehr ins Handgepäck. Immerhin: Anders als in Großbritannien ist es in Deutschland überhaupt noch erlaubt, eine Tasche mit in die Kabine zu nehmen.

Drei Stunden habe ich noch bis zum Abflug meiner Maschine. Zeit, die mir die Sicherheitsleute gekonnt vertreiben. Der Weg zum Gate wird zum Hürdenlauf über diverse Kontrollpunkte: Schuhe aus, Schuhe an, Laptop auspacken, Tisch-Mikrofonständer aufbauen (in der Tat sieht der Ständer ein bisschen wie ein Wurfgeschoss aus), alles wieder einpacken, Gürtel raus, Gürtel rein und schließlich weiter zur nächsten Kontrolle.

Als ich denke, es endlich geschafft zu haben, finde ich mich am Ende der wohl längsten Schlange, in der ich je an einem Flughafen gestanden habe, wieder. Vor mir und unzähligen anderen Reisenden liegt die letzte Sicherheitskontrolle – mehrere hundert Meter entfernt. Fassungslos läuft fast jeder erstmal an den Menschenmassen vorbei. In der Hoffnung, dass diese Schlange nicht noch einen Check ankündigt. Es hilft nichts. Wieder heißt es: Hinten anstellen.

Überraschender Fund

Gerade noch rechtzeitig komme ich irgendwann an meinem Gate an. Im Flugzeug dann wieder warten. Der Grund: Das Gepäck von all denen, die noch in irgendwelchen Schlangen feststecken, muss wieder ausgepackt werden. Sie bleiben in Frankfurt.

Endlich geht es los. Aber die nächsten Schlangen stehen schon bereit. New York: Freitagnachmittag. Obwohl ich nur auf der Durchreise bin, muss ich mich bei den Schaltern der Einreisebehörde anstellen, ein Formular ausfüllen, Fingerabdrücke nehmen und mich fotografieren lassen. Verschiedene Sicherheitskontrollen folgen. Wieder Schuhe an und aus, Laptop auspacken und wieder den Mikrofonständer vorführen.

Bei der letzten Kontrolle schließlich finden die Sicherheitsleute meine Kontaktlinsenflüssigkeit im Handgepäck. Das Mittel muss irgendwo vergraben unter Büchern, Papieren und Unterlagen gelegen haben. Ich hatte es jedenfalls total vergessen. Schon ein bisschen merkwürdig, dass es bei den ganzen Kontrollen nicht schon vorher aufgefallen ist. Glück für mich: Ich bekomme keine Schwierigkeiten, obwohl die US-Regierung mit mehrjährigen Haftstrafen droht, sollte jemand Flüssigkeiten mit an Bord nehmen.

Weiter warten...

Auch der Flug nach Toronto verspätet sich und wieder stehe ich in einer Schlange. Vor mir wartet eine Kanadierin. Seit zwei Tagen ist sie schon unterwegs, erzählt sie. Sie kommt aus Warschau. Hier waren alle elektronischen Geräte im Handgepäck verboten. Die vielen Verspätungen nimmt sie leicht, aber um ihre Unterwasserkamera macht sie sich Sorgen. Eigentlich will sie am selben Abend noch nach Calgary weiterreisen. Als wir schließlich in Toronto landen, sagt der Pilot durch, dass alle Anschlussflüge gestrichen sind. Also heißt es weiter geduldig sein und warten. Immerhin für mich ist die Warterei jetzt vorbei – denke ich.

Falsch. Am nächsten Tag mache ich mich auf den Weg, um meinen Ausweis für die Konferenz (13. bis 18.8.2006) abzuholen. Sie beginnt erst am Sonntag und ich hoffe, Zeit zu sparen, indem ich schon einen Tag vorher zur Registrierung gehe. Ganz offensichtlich hatte nicht nur ich diese Idee: Die Warteschlange windet sich um den ganzen Straßenblock. Tausende Teilnehmer aus der ganzen Welt stehen vor dem Kongresszentrum an. Vor mir wartet Caitlin. Die Australierin lebt seit über 20 Jahren in Japan. Sicherheit, erzählt sie, ist dort gar kein Thema. Bei ihrem Abflug in Tokio gab es so gut wie keine Kontrollen. Sie durfte sogar ihr Asthmaspray mit an Bord nehmen. Ganz ohne Nachfragen.

...und warten

In der nächsten Schlange – jetzt warte ich im Kongresszentrum auf mein U-Bahn-Ticket – lerne ich Rose kennen. Sie ist Krankenschwester aus Tobago. Cremes, flüssiges Make-Up und Augentropfen – alles ist beim Abflug in den Müll gewandert, erzählt sie. Während wir uns unterhalten, bewegt sich in der U-Bahn-Schlange rein gar nichts und ich muss ohne das Ticket gehen.

Ich habe meinen ersten Termin – diesmal ganz ohne Warteschlange: Aber auch hier geht es um die Sicherheitsvorkehrungen auf der Reise nach Toronto. Das Gelächter auf der Veranstaltung ist groß, als eine kenianische Rednerin von ihren Warteschlangen und Kontrollen in London-Heathrow erzählt: "Ich wurde so streng kontrolliert, dass ich dachte, als nächstes müsste ich meinen BH abgeben."

Trotz der vielen Warteschlangen auf der Aids-Konferenz in Toronto: Sicherheitskontrollen gibt es so gut wie gar nicht. Ein Blick auf den Ausweis (ohne Foto!) und das war's. Taschen- oder gar Personenkontrollen? Nein! Die gefühlte Sicherheit in Kanada scheint sehr viel größer zu sein als in Europa oder den USA.

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