Zurückhaltender Blick auf US-Steuerreform | Wirtschaft | DW | 21.12.2017
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Unternehmenssteuern

Zurückhaltender Blick auf US-Steuerreform

Die Steuerreform des Donald Trump war kaum verabschiedet, da kamen die ersten besorgten Reaktionen: Deutschlands und Europas Wirtschaft würden leiden. Wirtschaftsverbände forderten bereits Steuersenkungen auch hier.

Finanzministerium USA (Getty Images/AFP/ Karen Bleier)

Das US-Finanzministerium in der Hauptstadt Washington, DC

Mit der Steuerreform sinken die Unternehmenssteuern in den USA, die Gewinne der amerikanischen Firmen dürften also in den nächsten Jahren steigen. Das aber werde wahrscheinlich nur in den ersten beiden Jahren der Fall sein, meinen Beobachter, denn dann wirkt die Senkung der Unternehmenssteuern von 35 auf dann 21 Prozent am stärksten.

Mit der Verringerung sinke die Steuerbelastung der Unternehmen auf etwa 25 Prozent, wenn man die durchschnittlichen Steuern der Bundesstaaten noch berücksichtigt", erklärt Eric Schweitzer, Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages.

Wenigstens keine "Grenzausgleichssteuer"

Außerdem dürften die für einige Jahre vorgesehenen Sofortabschreibungen für Investitionsgüter einen erheblichen Anreiz ausüben, in den USA zu investieren, glaubt er. Denn dann steigen die Gewinne auch der Tochtergesellschaften deutscher Firmen in den USA. Davon gibt es nach Angaben der amerikanischen Handelskammer in Deutschland, der AmCham, immerhin 3700, die dort 700.000 Arbeitsplätze sichern.

"Ich würde die Effekte aber nicht überschätzen", sagt Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank. Immerhin sei die gefürchtete "Excise Tax" vom Tisch: Das ist die "Grenzausgleichssteuer", die eigentlich in der Steuerreform vorgesehen war. Sie hätte auf ausländische Firmen wie ein Importzoll gewirkt. "Das ist das wichtigste und positive Ergebnis", sagt Krämer.

Schlechtes Timing bei der großen Reform?

Schnelle Reaktionen der deutschen oder europäischen Wirtschaft auf die Steuerreform erwartet auch Carsten Brzeski, Chefvolkswirt der ING-Diba, nicht. Die Steuerfachleute in den Unternehmen würden zunächst einmal das fast 500 Seiten lange Regelwerk studieren, bevor die Firmen sich strategisch neu positionieren würden.

Die Wirkungen der Steuerreform würden sich vorrangig auf die ersten beiden Jahre verteilen und sich dann wieder abschwächen. Hintergrund dürfte das Kalkül Donald Trumps sein, sich in eine gute Ausgangsposition für den nächsten Präsidentschaftswahlkampf zu bringen. "Der Konjunkturimpuls dürfte eher gering sein", meint Brzeski, zu gering jedenfalls für eine völlig neue Umorientierung der europäischen Unternehmen. Die Wirkung dürfte auch nicht mehr so groß sein, weil es der amerikanischen Wirtschaft ohnehin gut geht. In Zeiten der Flaute würde sie größere Wirkung entfalten.

"Mit gebotener Zurückhaltung beobachten"

Die Effekte der Steuerreform könnten eher indirekt sein. Denn wenn es im nächsten Jahr zu einem stärkeren Wachstum der amerikanischen Wirtschaft komme als bisher erwartet, könnte die amerikanische Notenbank Fed gegebenenfalls über weitere Leitzinserhöhungen nachdenken, glaubt Brzeski. Bisher sind noch drei oder vier für 2018 geplant. Und das dürfte dann den Dollar stärken, den Euro jedoch schwächen. Der könnte, so vermutet Brzeski, sogar unter 1,10 Dollar fallen.

Eine schwächere Währung aber verbilligt die Produkte und Dienstleistungen der europäischen Wirtschaft außerhalb des Euroraums, er würde also die Exporte erleichtern. Andererseits - und das trifft nicht nur die Unternehmen - werde dann der Ölpreis steigen. Denn der wird in Dollar abgerechnet. Das könnte dann eine höhere Inflation zur Folge haben - und die EZB könnte über eine vorzeitige Beendigung ihrer lockeren Geldpolitik nachdenken.

Die Volkswirte warnen jedoch vor zu schnellen Schlussfolgerungen. "Wir sollten dies mit der gebotenen Zurückhaltung beobachten", sagt der ING-Diba-Chefvolkswirt. Schließlich habe man zu Beginn des Jahres einen Handelskrieg mit den USA befürchtet, auch dazu sei es nicht gekommen.