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Asien

Zurückhaltende Reaktionen aus Afghanistan

Durch den Gefangenenaustausch zwischen den USA und Taliban sieht sich Karsai düpiert. Sprecher der beiden Nachfolgekandidaten äußern sich positiv bis zurückhaltend, aus der Bevölkerung kommen misstrauische Stimmen.

Mit Freilassung des US-Soldaten Bowe Bergdahl (s. Artikelbild) aus Taliban-Gefangenschaft gegen die gleichzeitige Freilassung von fünf Taliban-Führern aus dem US-Militärgefängnis Guantanamo am vergangenen Wochenende wurden mehrjährige Versuche der USA zum erfolgreichen Ende geführt. Der Deal kam unter Vermittlung Katars zustande, also jenes Golfstaates, in dem die Taliban 2013 zur Hamid Verärgerung Karsais ihre "Botschaft" eröffneten. Obwohl die USA sich damals von dem einseitigen Schritt der Taliban distanzierten, nutzten sie Katar weiterhin, um mit den Extremisten eine Vereinbarung über die Freilassung Bergdahls zu treffen.

Hoffnungen auf afghanischer und amerikanischer Seite, die Verhandlungen um einen Gefangenaustausch zum Bestandteil umfassender Friedensgespräche zwischen Kabul und den Taliban zu machen, zerschlugen sich. Auch jetzt, nach dem erfolgreichen Deal machte ein Sprecher der Taliban klar, dass der Austausch nichts mit irgendeinem fiktiven Friedensprozess zu tun habe.

"Kabul außen vor gelassen"

Ashraf Ghani und Abdullah Abdullah (Foto: EPA)

Die Kandidaten Abdullah (r) und Ghani (l) halten sich mit Äußerungen zurück

Saradsch- ul Haq Saradsch, stellvertretender Sprecher des afghanischen Außenministeriums, sagt gegenüber der Deutschen Welle, dass die afghanische Regierung bei dem Verhandlungen für den Austausch außen vor gelassen worden sei. US-Botschafter James Cunningham hatte allerdings vor der Presse in Kabul betont, Washington habe die Verhandlungen nicht geheimgehalten, sondern nur den konkreten Zeitpunkt des Austauschs. Der afghanische Sprecher sagte weiter: "Gleichzeitig wurden mit der Übergabe nach Katar internationale Regelungen verletzt, die besagen, dass keine Regierung Bürger eines anderen Landes an ein drittes Land übergeben kann." Die afghanische Regierung fordere aus diesem Grund, dass die ehemaligen Insassen mit afghanischer Nationalität unverzüglich auf freien Fuß gelassen werden, um Katar verlassen zu können.

Bestandteil des Deals der USA mit den Taliban ist, dass die fünf Freigelassenen ein Jahr lang Katar nicht verlassen dürfen.

Reaktionen aus den Lagern Abdullahs und Ghanis

Katar Büro der Taliban in Doha (Foto: AFP/Getty Images)

Vertretung der Taliban in Katar

Zum Gefangenenaustausch zwischen den USA und den Taliban äußerten sich die Wahlteams der Präsidentschaftskandidaten Abdullah Abdullah und Ashraf Ghani unterschiedlich. Das Team von Ashraf Ghani begrüßte den Deal. Er sei ein Schritt in Richtung Frieden, sagte Abdul Ali Mohammadi, ein Sprecher Ashraf Ghanis, gegenüber der DW: "Diese Maßnahme ging von Seiten der Regierung der USA aus und betraf in erster Linie die USA. Es handelte sich nicht um einen kriminellen Akt gegen die nationale Sicherheit oder die Souveränität von Afghanistan. Deshalb war es angemessen, die Gefangenen von Guantanamo nicht zurück nach Afghanistan zu schicken."

Abdullah Abdullahs Team gibt sich vorsichtiger. Von dessen Seite hieß es gegenüber der DW, dass ihm nicht genug Informationen vorlägen, um die Situation zu beurteilen. "Für uns ist die wichtigste Frage, ob die Freilassung der fünf Insassen den Interessen des afghanischen Volkes mehr dient oder schadet", sagt Mahmood Saiqal, ein Sprecher des Wahlteams von Abdullah. "Wir waren an den Gesprächen nicht beteiligt und wissen nicht, welche Rolle die USA und Katar gespielt haben, noch welchen Einfluss die afghanische Regierung hatte. Außerdem können wir nicht sagen, welche Garantie es dafür gibt, dass die fünf Ex-Gefangenen keine Gewalt mehr ausüben werden." Saiqal räumte jedoch ein, dass es zwischen den USA und Afghanistan Gespräche hätte geben sollen, "sollte es sich tatsächlich um afghanische Staatsbürger handeln."

"Politisches Spiel"

US-Verteidigungsminister Chuck Hagel in Bagram (Foto: Reuters)

Verteidigungsminister Chuck Hagel behauptete, man habe "nicht mit Terroristen verhandelt."

Beide Kandidaten, Ghani und Abdullah, betonen ihre Bereitschaft zu einem Friedensprozess mit den Taliban, aber sind offenbar geteilter Meinung, ob der Gefangenaustausch dazu beitragen wird. Die Afghanen sehen den Austausch kritisch. "Es ist nicht rechtens, dass eine Person gegen fünf andere ausgetauscht wird", sagte Mahmood Radmand aus Kabul der DW. "Der Wert von fünf Menschen kann nicht mit einem aufgewogen werden. Außerdem glaube ich, dass hier ein politisches Spiel gespielt wird. Der amerikanische Soldat hat fließend Paschtu gesprochen, nachdem er fünf Jahre mit den Taliban verbracht hat. Er hat bestimmt mit den Taliban militärisch zusammen gearbeitet", vermutet der 22jährige Student. Sayed Yahya glaubt, dass die Amerikaner mit ihrer Austauschaktion Präsident Karsai eine Lehre erteilen wollten. "Oder die USA wollen uns zurück in alte Taliban-Zeiten zurückwerfen, sonst würden sie nicht Schwerstverbrecher freilassen", sagt der junge Lehrer aus Kabul. "In jedem Fall ist es eine öffentliche Warnung an Afghanistan."

Der Gefangenendeal zwischen den USA und den Taliban ist jedenfalls für viele Afghanen kurz vor der zweiten Runde der Präsidentschaftswahlen in Afghanistan ein Thema. Bislang haben die Kandidaten sich dazu aber noch nicht geäußert.

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