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Politik

Zurück zum Bürgerkrieg: Sri Lanka

Die Falken haben das Sagen: Mit dem Aufkünden des Waffenstillstandes scheiterte in Sri Lanka ein Friedensprozess, der ohnehin nur noch theoretisch existierte. Die Regierung sucht nun die Entscheidungsschlacht.

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Checkpoint nahe Colombo

2008 begann für Sri Lanka mit der Ermordung des führenden tamilischen Oppositionellen Thiyagarajah Maheshwaran an Neujahr. Kurz zuvor hatte er angekündigt, Verantwortliche für Morde und Entführungen öffentlich zu nennen. Am 2. Januar zerfetzte eine Bombe mitten in der Hauptstadt Colombo vier Menschen, mindestens 20 weitere wurden verletzt. Am selben Tag erklärte die Regierung den seit 2002 bestehenden Waffenstillstand offiziell für beendet. Er sei durch die ausufernde Gewalt gegenstandslos geworden.

Siegessicher: Mahinda Rajpakse

Siegessicher: Mahinda Rajpakse

Das Ende der Chance

Die Rebellen der Befreiungstigern von Tamil Eelam (LTTE) kämpfen seit 25 Jahren für einen eigenen Staat der tamilischen Minderheit im Norden und Osten der Insel. Der von Norwegen vermittelte Waffenstillstand galt bei seinem Abschluss als große Chance, den Krieg mit über 70.000 Toten zu beenden. 2003 wollten die LTTE sich sogar schon in eine föderale Lösung einbinden lassen, dann riss der Gesprächsfaden. De facto brach die Waffenruhe schon im Dezember 2005 wieder zusammen.

Im Tagesdurchschnitt kamen 2007 fast wieder genau so viele Menschen ums Leben wie vor der Waffenruhe aus dem Jahre 2002. "Trotzdem ist die Aufkündigung nicht nur formal", analysiert Christian Wagner von der Stiftung Wissenschaft und Politik aus Berlin - sie bedeutet das Ende des internationalen Engagements für den Friedensprozess. Nach einer Frist von 14 Tagen verliert auch die skandinavische Beobachtermission (SLMM) ihr Mandat und muss abziehen. Erik Solheim, norwegischer Minister für internationale Entwicklung und Architekt des Waffenstillstands, äußerte sich "zutiefst besorgt, dass die Gewalt weiter eskalieren könnte".

Die militärische Lösung

Tamilische Flüchtlinge in Kantale, August 2006

Tamilische Flüchtlinge in Kantale, August 2006

Doch genau diese Eskalation ist geplant - beide Konfliktparteien glauben an eine militärische Lösung. Der legendäre Rebellenchef Velupillai Prabhakaran sagte schon vor dem Jahreswechsel, er hoffe nicht mehr, den Krieg politisch lösen zu können. Die internationalen Gemeinschaft habe dabei versagt, den von der Regierung eingeschlagenen Weg einer militärischen Lösung zu verdammen.

Tatsächlich setzt der mit Ausnahmezustand und stolzen 106 Ministern regierende Präsident Mahinda Rajapakse von der Sri Lanka Freedom Party (SFLP) auf Waffengewalt. Gegenüber der BBC erklärte er kürzlich, der Waffenstillstand sei ein "Fehler" gewesen. Armeechef Sarath Fonseka kündigte bereits den Sturm auf das Wanni an - das Kernland der etwa 1,8 Millionen Tamilen im Norden Sri Lankas, in dem die Tamil Tigers längst parastaatliche Strukturen aufgebaut haben. Die Armee operierte dort zuletzt 1995 - was in einer demütigenden Niederlage endete.

Ausbildungslager der LTTE im Norden Sri Lankas

Ausbildungslager der LTTE im Norden Sri Lankas

Genährt wird das neue Selbstvertrauen Colombos durch eine Verschiebung der Kräfte. Die Regierungstruppen haben stark aufgerüstet, die Militärausgaben stiegen 2006 um satte 44 Prozent. Die stetig steigenden Kriegskosten lassen inzwischen zwar die Lebenshaltungskosten steigen, ein hartes Vorgehen ist in der singhalesischen Bevölkerung aber zunehmend populär, wie Meinungsumfragen zeigen - vor allem seit die Regierung sich mit militärischen Erfolgen schmücken kann.

Tatsächlich hat die LTTE zuletzt schwere Verluste hinnehmen müssen. Die Abspaltung des LTTE-Kommandanten im Osten des Landes, General Karuna, war militärisch wie politisch ein schwerer Schlag für die Tiger - die Regierungstruppen konnten die Einnahme der tamilischen Ostgebiete vermelden. Zudem wurde Anfang November S. P. Tamilselvan, Chef des politischen Flügels und zweiter Mann der LTTE, bei einem Bombenangriff der Luftwaffe getötet. Auf den großen Gegenschlag der Tigers warteten Beobachter bisher vergeblich, was als Zeichen der Schwäche interpretiert wird.

Vor dem Feldzug

Rebellenführer Velupillai Prabhakaran (2002)

Rebellenführer Velupillai Prabhakaran (2002)

Nach dem offiziellen Abbruch des Friedensprozesses können die Regierungstruppen nun die von den Aufständischen besetzten Gebiete im Norden des Landes zurückzuerobern - ohne ausländische Beobachter. "Das ist zwar konsequent, aber fatal", meint Christian Wagner von der SWP. Ein militärischer Erfolg sei zwar möglich, aber nur zum Preis eines Blutbades.

Die Zahl der für ihre Tapferkeit und Rücksichtslosigkeit bekannten LTTE-Kämpfer wird auf 20.000 geschätzt. Zudem ist der Norden ein dicht besiedeltes Gebiet, das einen Feldzug kostspielig machen und in eine humanitäre Katastrophe verwandeln würde. Schon die über 200.000 Flüchtlinge im Osten des Landes zeigen, was das Übergreifen des Krieges auf den Norden bedeuten würde. "Selbst wenn es gelingt, die LTTE wieder in den Dschungel zu jagen, ist ja nicht der Frieden gewonnen", sagt Wagner - die Guerillas würden sich einzig wieder zu Terroristen verwandeln und den Krieg wieder nach Süden tragen.

2008 ist zwar noch ein ganz jung Jahr - aber, da ist sich Wagner sicher, es wird kein gutes für Sri Lanka.

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