Zurück zu ″Made in Japan″ | Asien | DW | 21.01.2015
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Asien

Zurück zu "Made in Japan"

Die Wirtschaftsreformen von Premierminister Shinzo Abe haben zur Abwertung der japanischen Währung Yen geführt. Viele Konzerne überdenken deshalb jetzt ihre Strategie - vor allem im Bereich Auslandsproduktion.

Es ist noch gar nicht lange her, da war die Strategie für Japans Wirtschaft klar. 2011 war die japanische Währung Yen ausnehmend stark: 100 Yen entsprachen etwa einem US-Dollar. Weil dadurch das Lohnniveau und die Kosten in Japan sehr hoch waren, bauten viele japanische Unternehmen ihre Produktionsstätten im asiatischen Ausland aus. Heute ist der Yen deutlich schwächer (100 Yen = 0,85 US-Dollar), während die Produktionskosten in Asien überdimensional gestiegen sind. Und so planen die japanischen Weltkonzerne einen Strategiewechsel: zurück mit der Produktion ins Heimatland.

Der Elektronikkonzern Sharp zum Beispiel hat in der zentraljapanischen Stadt Yao eine Produktionsanlage für Luftreiniger aufgebaut. Zurzeit befindet sich die Fabrik noch im Testbetrieb. Wenn alle Kennzahlen stimmen, würde Sharp die Produktionen im bisherigen Billiglohnland China reduzieren oder gar einstellen.

Andere haben sich dafür bereits entschieden: Panasonic will noch in diesem Frühjahr die Produktion von Waschmaschinen und Klimaanlagen nach Japan verlagern. Der Weltkonzern Canon will den Anteil der Produktion in Japan innerhalb von drei Jahren von derzeit 40 auf 60 Prozent anheben. Auch Autobauer wie Nissan wollen künftig mehr Autos in Japan herstellen. Ihnen folgt dann logischerweise auch die riesige Wertschöpfungskette der Zulieferer.

Weniger japanische Direktinvestitionen in China

Premierminister Shinzo Abe will Japans Wirtschaft reformieren (Foto: AFP)

Premierminister Shinzo Abe will Japans Wirtschaft reformieren

Die Neuausrichtung der japanischen Investoren bekommt auch Peking zu spüren. Das chinesische Handelsministerium (MOFCOM) gab vergangene Woche bekannt, dass japanische Direktinvestitionen im Jahr 2014 im Vergleich zum Vorjahr um 38,8 Prozent auf 4,33 Milliarden US-Dollar zurückgegangen seien. Als Begründung nannte das MOFCOM den Mangel an billigen Arbeitskräften und die Verlangsamung des chinesischen Wachstums.

"Die Abwertung der japanischen Währung gegenüber dem US-Dollar hat offensichtlich bei den Entscheidungsprozessen eine große Rolle gespielt", sagt Martin Schulz, Wirtschaftswissenschaftler am Fujitsu Forschungsinstitut in Tokio, im Gespräch mit der DW. Die Konzerne seien nach den Sparmaßnahmen wieder flüssig und auf der Suche nach neuen Investitionsmöglichkeiten, so Schulz weiter. "Es ist aber auch eine globale Umstrukturierung dieser Unternehmen zu beobachten im Rahmen der Ausrichtung auf die Zukunftsmärkte für ihre Produkte."

Politikum in Köpfen der Manager

Dabei spielen auch politische Aspekte eine Rolle, vor allem bei den Unternehmen, die in China tätig sind. Denn die politischen Beziehungen zwischen Tokio und Peking befanden sich lange Jahre aufgrund der territorialen Streitigkeiten um die Senkaku-Inseln - in China als Diaoyu-Inseln bezeichnet - auf einem Tiefpunkt. 2012 erwarb die Tokioer Regierung drei unbewohnte Inseln für umgerechnet 21 Millionen Euro. Dies führte in vielen chinesischen Städten zu Protesten und zum Teil gewalttätigen Übergriffen auf japanische Fabriken, Supermärkte und Restaurants.

"Das politische Risiko ist in der Region höher zu bewerten als an anderen Standorten wie in Deutschland", sagt Jun Okumura, Gastwissenschaftler am Meiji Institut für Globale Angelegenheiten in Tokio. Die Ereignisse von damals seien heute in den Augen der Firmen noch ein Problem.

Branchenriesen brauchen Auslandsmärkte

Zeichen der Versöhnung: Abe trifft Chinas Präsident Xi Jinping im November 2014 auf dem APEC-Gipfell (Foto: Getty Image)

Zeichen der Versöhnung: Abe trifft Chinas Präsident Xi Jinping im November 2014 auf dem APEC-Gipfel

Zwar haben sich Premierminister Abe und Staatspräsident Xi Jinping im vergangenen November auf dem APEC-Gipfel getroffen und damit ein Signal der Versöhnung gesendet, aber "die Wurzel der Probleme wurde noch nicht angepackt", so Okumura im Gespräch mit der DW. "Es wäre denkbar, dass das mit der guten Beziehung wieder schnell vorbei ist." Dieser Gedanke sitze in der kollektiven Wahrnehmung japanischer Hersteller fest.

Wirtschaftsexperte Schulz glaubt nicht, dass japanische Hersteller eine "richtige Inselmentalität" entwickelten und alle Produktionen heimholten. Der Inlandsmarkt reiche für die ehrgeizigen Verkaufsziele einfach nicht aus. "Unternehmen wie Toyota und Nissan brauchen Auslandsmärkte. Sie können nicht einfach die Produktionen in Übersee einfach einstellen, sei es China, Mexiko oder die USA", sagt Schulz. "Ich kann mir aber gut vorstellen, dass die Forschung und Entwicklung nach Japan heimkehren, um in der Nähe zum Hauptquartier an innovativen Produkten und Lösungen zu arbeiten."

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