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Politik

Zurück in die Zukunft

Auf unglaubliche Meldungen reagieren die Amerikaner mit dem Spruch "Life is stranger than fiction" (etwa: Das Leben schreibt die seltsamsten Geschichten). DW-TV-Korrespondent Konstantin Klein erläutert.

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Erinnern wir uns an die goldene Zeit vor ein paar Jahren, als man Namen wie "buyclamsonline.com" (kaufe Muscheln online) schon für ein Geschäftsmodell hielt oder damit Geld verdienen wollte, für Besucher der eigenen Website bei der örtlichen Pizzeria anzurufen – etwas, was diese Besucher genausogut selber machen konnten, bis dato selber gemacht hatten und, wie sich herausstellte, auch weiterhin selber machen wollten. Es war die hohe Zeit der "dot-coms", von denen die meisten sich längst still von der Wirklichkeit verabschiedet haben.

Nicht, dass es inzwischen keine Versuche mehr gäbe, mit schrägen Ideen Geld zu verdienen. Das aktuelle Beispiel findet sich unter der Internet-Adresse www.timetravelfund.com. Nach eigenem Bekunden basiert der Fond für Zeitreisen auf folgendem Konzept:

Reisen durch die Zeit sind theoretisch möglich, auch wenn die Menschheit noch Jahrzehnte oder Jahrhunderte von der ersten machbaren Zeitreise entfernt ist. TimeTravelFund nun bietet die Möglichkeit, sich mit nur 10 US-Dollars an einem Fond zu beteiligen; diese mageren zehn Dollar sollen sich in den nächsten paar hundert Jahren zu Millionen oder Milliarden Dollars verzinsen. Und die werden dann schon ausreichen, um einen Agenten aus der Zukunft in die Jetztzeit zu transportieren, den Einzahler der zehn Dollar aufzuspüren und mit in die Zukunft zu nehmen.

Sobald wir uns von unserem Lachanfall erholt haben, wollen wir doch gerne zugeben, wie erfolgversprechend dieses Geschäftsmodell im Grunde ist – speziell in einer Stadt wie Washington. Ein Bill Clinton hätte mit Freuden erheblich mehr als 10 Bucks dafür gezahlt, dass ein Agent aus der Zukunft ihn aus dem beginnenden Amtsenthebungsverfahren herausgeholt hätte – und Ms. Lewinsky möglicherweise gleich mit. Al Gore würde lieber heute als morgen in eine Zukunft entführt, in der nicht Oberste Bundesrichter über den Ausgang einer Wahl entscheiden – vorausgesetzt, eine solche Zukunft existierte. George W. Bush dagegen hätte sicher längst unter dem Namen "Saddam Hussein" ein Konto eröffnet und wartet jetzt darauf, daß sein Erzfeind – schwupps! - in die Zukunft abgeholt wird; sollen sich doch seine Urenkel mit dem Problem weiter beschäftigen. Die Liste potentieller Kunden läßt sich nach Belieben weiterführen.

Und unsereiner könnte inzwischen damit anfangen, für jeden Zehn-Dollar-Schein, den ein wichtiger Entscheidungsträger einzahlt, heimlich einen zweiten Zehn-Dollar-Schein einzuzahlen. Damit die Wichtigen sich nicht nur aus der Zukunft die Folgen ihrer Entscheidungen von heute angucken können, sondern dann – auf unsere Kosten – wieder zurücktransportiert würden, um es besser zu machen. Einverstanden?