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Top-Thema – Podcast

Zurück in die Heimat

Zwischen Anspannung und Annäherung schwankt die Beziehung zwischen Deutschland und Polen seit Jahren. Eine ungewöhnliche Reiseagentur sorgt für etwas mehr Verständnis zwischen Deutschen und Polen.

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Reisen in die Vergangenheit

In dem kleinen Hinterhofbüro mitten in Frankfurt/Oder liegt der Duft von frisch gebrühtem Kaffee und polnischen Waffeln in der Luft. Dicke Geschichtslexika, Landkarten und Wörterbücher stapeln sich auf den zwei wackligen Schreibtischen. Während Julia Gerstenberg versucht, eine alte polnische Urkunde zu entziffern, beantwortet Jacqueline Nießer geduldig am Telefon die Fragen von Interessenten. Täglich rufen Dutzende von ihnen hier im Büro von "Heimatreise" an. Die Agentur recherchiert für deutsche Familien ihre Geschichte in Polen und organisiert Reisen für Vertriebene und deren Nachkommen in die alte Heimat – inklusive Dolmetscherdienste.

Acht deutsche und acht polnische Studenten der Europa-Universität Viadrina haben die Reiseagentur gegründeteinzigartig in ganz Deutschland. Heimatreise sei entstanden, als die Emotionen zwischen Deutschen und Polen besonders hoch gekocht seien, weil die preußische Treuhand angekündigt habe, Grundbesitzansprüche vor internationalen Gerichten einzuklagen, erklärt Jacqueline Nießer. "Wir haben dann hier in Frankfurt/Oder an der deutsch-polnischen Grenze überlegt, was wir im Kleinen, im Zwischenmenschlichen, dagegen setzen können?"

Die Menschen, die nach Polen reisen, haben oft nicht mehr als verklärte Kindheitserinnerungen. Die Erwartungen an die alte Heimat sind hoch und werden allzu oft enttäuscht. Zuhören sei das Wichtigste, um solche Situationen bewältigen zu können, sagt Jacqueline Nießer. Doch Emotionen gebe es nicht nur bei den deutschen Reisenden. Für die polnische Seite sei es sehr wichtig, dass man bei allem, was man tue, erst einmal klarstelle, dass man keine Ansprüche habe, sagt sie. Außerdem sei es wichtig, dass es auch junge Leute seien, die die Reisen begleiteten.

Um die Verständigung, nicht nur zwischen zwei Kulturen, sondern auch zwischen Generationen geht es bei dem Projekt "Heimatreise". Rund zehn Touren haben die jungen Kulturwissenschaftler und Historiker bis jetzt schon auf die Beine gestellt – nach Pommern, ins Lebuser Land und in die Neumark. Die Nachfrage ist riesig und das Motto lautet: Geschichte erlebbar machen.

GLOSSAR

gebrüht – gekocht

wacklig – instabil

recherchieren – nachforschen

Dolmetscherdienst, der – der Übersetzungsdienst

etwas gründen – etwas Neues beginnen; etwas ins Leben rufen

einzigartig – etwas gibt es nur einmal

die Emotionen kochen hoch – starke und unter Umständen gegensätzliche Gefühle prallen aufeinander, es kann zu Streit kommen

Treuhand, die – die Kurzform von Treuhandgesellschaft: ein Unternehmen welches im Auftrag und für Rechnung eines oder mehrerer Anleger tätig wird

Zwischenmenschliche, das – das Verhältnis zwischen Menschen

verklärt – anders als in der Wirklichkeit

Verständigung, die – die Kommunikation

etwas auf die Beine stellen – etwas organisieren

riesig – sehr groß

erlebbar – hier: greifbar; real

Fragen zum Text

Wer hat die Reiseagentur „Heimatreise“ gegründet?

1. die Bundesregierung

2. eine polnische Organisation

3. acht polnische und acht deutsche Studenten

Worum geht es bei dem Projekt „Heimatreise“?

1. um die Verständigung zwischen zwei Kulturen

2. um Sprachreisen

3. um Rechtsansprüche der Vertriebenen

Wenn jemand eine Reise auf die Beine stellt, dann...

1. organisiert er/sie eine Reise.

2. sagt er/sie eine Reise ab.

3. verschiebt er/sie eine Reise

Arbeitsauftrag

Für den Vogelschutz, für die Völkerverständigung, für den Weltfrieden – für welchen guten Zweck würden Sie eine Organisation oder eine Agentur eröffnen, wenn Sie die Möglichkeit hätten? Schreiben Sie ein Konzept für Ihre Gründungsideen und erklären Sie es der Gruppe.

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