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Kultur

Zurück im Kreise der Kulturschützer

Es war ein Relikt des Kalten Krieges: Die USA gehören seit fast zwei Jahrzehnten nicht mehr der UNESCO an. Das ändert sich jetzt. Das zahlungskräftige Neu-Mitglied ist angesichts leerer Kassen äußerst willkommen.

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Kunst und Kultur bewahren - UNESCO-Konferenz hat begonnen

Nach 19 Jahren Abwesenheit wollen die USA künftig eine aktive Rolle in der UN-Kulturorganisation UNESCO spielen. Vom 1. Oktober 2003 an werde die US-Regierung von Neuem "vollständig, aktiv und begeistert" mitwirken, um Frieden und Freiheit voranzubringen, sagte US-Präsidentengattin Laura Bush zum Auftakt der Pariser UNESCO-Vollversammlung Ende September. Die Vereinigten Staaten würden mit den anderen Mitgliedsländern in der ganzen Welt auch zusammenarbeiten, um Erziehung, Wissenschaft und Kultur voranzutreiben, versprach Laura Bush. Nach ihrer Rede wurde das Sternenbanner am Pariser Sitz der Kulturorganisation aufgezogen.

Bildung und Bioethik als Schwerpunkte

Bildersturm in Afghanistan

Bei der bis zum 17. Oktober dauernden 32. Vollversammlung geht es unter anderem um eine Erneuerung der 30 Jahre alten Konvention zum Erhalt des kulturellen Erbes. Künftig sollen Länder nicht nur Bau- und Naturdenkmäler für die UNESCO-Schutzliste anmelden können, sondern auch Sprachen, Rituale, Sitten und traditionelle Handwerksformen. Die rund 3000 Delegierten beraten auch über die Behandlung von Kulturgütern in Kriegszeiten und den Umgang mit Kunstwerken in digitalen Medien wie dem Internet.

Ebenfalls auf der Tagesordnung steht die Frage der Bioethik. Angesichts einer zunehmenden Zahl an gentechnischen Forschungsprojekten und Datenbanken, die Erbinformationen von Menschen speichern, sollen Grundregeln für den Umgang mit diesen Daten festgelegt werden. Schließlich wird dem Thema Bildung ebenfalls eine zentrale Rolle eingeräumt. Schulunterricht und Ausbildung seien der Schlüssel im Kampf gegen die Armut und garantierten den internationalen Frieden, meinte die philippinische Staatspräsidentin Gloria Macapagal-Arroyo. Laura Bush wurde bereits im Februar zur UNESCO-Botschafterin im Kampf gegen Analphabetismus ernannt.

Kalter Krieg kam vor Kulturschutz

Washington hatte sich 1984 aus der UNESCO zurückgezogen. Die damalige Regierung von Präsident Ronald Reagan hatte moniert, die UN-Unterorganisation arbeite ineffizient und werde von den blockfreien Staaten und der Sowjetunion dominiert. Der Streit entzündete sich damals vor allem an Plänen der UNESCO, eine Weltinformationsordnung zu schaffen. Die Vormachtstellung amerikanischer und europäischer Medien auf dem globalen Markt sollte begrenzt werden. Die USA sahen dies jedoch als Angriff auf die Pressefreiheit.

Generaldirektor der UNESCO Koichiro Matsuura

Im September 2002 beschloss die US-Regierung den Wiedereintritt mit der Begründung, die UNESCO arbeite nach zahlreichen Reformen effizienter. Beobachter werteten die Entscheidung damals als Geste George W. Bushs, dass die USA trotz des drohenden Irakkriegs keine unilateralistischen Kurs verfolgten. Zusammen mit den Vereinigten Staaten hatten seinerzeit auch Großbritannien und Singapur ihren Hut genommen. Die Engländer traten zwar 1998 der Kulturorganisation wieder bei, der südostasiatische Stadtstaat bleibt dem UN-Fachorgan aber immer noch fern.

Bessere Finanzlage erhofft

Nach Angaben des japanischen UNESCO-Chefs Koichiro Matsuura wird sich die UNESCO mit dem US-Jahresbeitrag von 53 Millionen Dollar einen "weniger knappen" Haushalt leisten können. Für die beiden Jahre 2004 und 2005 beläuft sich dieser auf rund 610 Millionen Dollar. Bereits im Juni war auch Osttimor in die UNESCO aufgenommen worden, das nun erstmals an einer UNESCO-Generalkonferenz teilnimmt. Mit der Aufnahme der beiden neuen Mitglieder sei "ein wesentlicher Schritt zur Universalität" der Organisation gelungen, meinte Generaldirektor Matsuura. Nunmehr zählt diese 190 Mitglieder. Zum Vergleich: Der UNO selbst gehören 191 Nationen an. (ert)

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