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Politik

Zurück im Alltag

Die Eiszeit ist vorbei: Bundeskanzler Gerhard Schröder und US-Präsident George W. Bush erklärten das Zerwürfnis wegen des Irak-Konflikts für beendet. Nina Werkhäuser kommentiert.

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Freunde werden sie wohl nie mehr werden, aber sie sprechen wieder miteinander: US-Präsident George Bush und Bundeskanzler Gerhard Schröder. Ihren Streit haben sie zunächst im Gespräch und dann ganz öffentlich beigelegt.

Bush hat Schröder zu Beginn des Treffens erklärt, der Streit über den Irak-Krieg sei für ihn erledigt. "Für mich auch", soll der Kanzler in etwa geantwortet haben - und damit war der Weg frei für den Austausch von Meinungen und die Diskussion über Sachfragen. Sie sind einander nicht mehr böse, und Schröder dürfte erleichtert sein, dass der persönliche Kontakt wieder hergestellt ist.

16 Monate herrschte eisiges Schweigen zwischen den beiden - eine lange Zeit für zwei Länder, die sich immer als enge Partner und sogar Freunde verstanden haben und die nicht nur wirtschaftlich eng miteinander verflochten sind. Schon im Vorfeld des Treffens hatte Bush sich in einem Fernseh-Interview mit den Motiven für die deutsche Ablehnung des Irak-Kriegs auseinandergesetzt. Das war neu, denn diese hatten ihn bisher ganz und gar nicht interessiert.

Schröder und Bush haben also miteinander gesprochen, und auch viele Gemeinsamkeiten ausgemacht - so hat Bush erneut das deutsche Engagement in Afghanistan gelobt. In der Irak-Frage haben sie sich aber nicht wesentlich angenähert.

Der Bundeskanzler bleibt dabei: Die UNO müsse im Irak eine zentrale Rolle spielen und die Iraker möglichst schnell in die Selbstverwaltung führen. Das sieht Bush anders, und er ist nicht bereit, von dieser Position abzurücken.

Und so haben sich Schröder und Bush auf das verständigt, worauf man sich einigen kann: Deutschland hilft ein wenig mit beim Wiederaufbau im Irak, schickt Techniker, die Wasserleitungen reparieren und wird irakische Polizisten ausbilden. Das nimmt Bush wohlwollend zur Kenntnis, aber es ist nicht so, dass er darauf angewiesen wäre. Er braucht viele Soldaten und viel Geld für die Stabilisierung des Irak - und beides bekommt er nicht von Deutschland.

Das kann also nicht das vorrangige Motiv für die Wiederaufnahme der Kontakte gewesen sein. Es war wohl eher die Erkenntnis, dass eine nachtragende Attitüde früher oder später in eine Sackgasse führt - zumal in einer Zeit, in der der internationale Terrorismus diesseits und jenseits des Atlantiks gleichermaßen eine Bedrohung ist.

Sie haben also wieder miteinander gesprochen, Schröder und Bush, aber aus ihrer Gestik und Mimik sprach wenig Herzlichkeit und viel Sachlichkeit. Das Verhältnis der beiden wird in Zukunft bestenfalls pragmatisch sein, die Rhetorik sicher weniger scharf. Weitere Treffen wurden jedenfalls nicht vereinbart, und die Positionen zum Irak sind im Wesentlichen unverändert.

Jetzt müssen wieder die beiden Außenminister ran, um über die nächste UN-Resolution zum Irak zu verhandeln - der Alltag in den deutsch-amerikanischen Beziehungen ist wieder eingekehrt.