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Politik

Zunge verbrannt

Gibt es in Deutschland, in Europa gar, einen neuen Antisemitismus? Auf jeden Fall liegen die Nerven hier und da blank, wie Jens Thurau diese Woche im politischen Berlin beobachtet hat. Was war passiert?

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Schon öfters hat sich der Kanzler mit Intellektuellen und Künstlern getroffen, diesmal tat er es mit Martin Walser, und zwar am Mittwoch (8.Mai 2002). Fällt der Groschen? Martin Walser hat vor vier Jahren das Wort von der "Moralkeule Auschwitz" benutzt und damit heftige Reaktionen hervorgerufen. Und jetzt spricht der Kanzler vor Publikum mit diesem Mann, am Jahrestag der Befreiung vom Faschismus, auch noch über das Thema "Nation. Patriotismus. Demokratische Kultur".

Die Jüdische Gemeinde und deren Vorsitzender Paul Spiegel protestierten, TV-Moderator Michel Friedmann auch, der den Kanzler verdächtige, ganz Rechtsaußen auf Stimmenfang zu gehen. Das "Berliner Bündnis gegen Antisemitismus und Antizionismus" organisierte eine Demonstration vor der SPD-Zentrale, dem Willy-Brandt-Haus, dem Ort der Veranstaltung.

Und dann sagt der Kanzler Sätze wie den, dass Deutschland ein selbstkritisches Selbstbewusstsein brauche. Und zum Thema Nationalstolz weiß er zu berichten, als Zehnjähriger habe er so etwas erstmals gespürt – 1954, als Deutschland Fußball-Weltmeister wurde.

Gewalt im Nahen Osten, ein politischer Mord in Holland, 20 Prozent rechtsextreme Wählern in Frankreich, Gewalt an den Schulen. Was ein Europa in einer solchen Situation vor allem braucht, ist Gelassenheit, Nervenstärke, Vertrauen in die Demokratie – und Gesprächsbereitschaft.