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Politik

Zunehmende Gewalt gegen Journalisten

Repressionen gegen Journalisten haben nach Angaben von Reporter ohne Grenzen zugenommen. 2009 wurden 76 Journalisten getötet - deutlich mehr als im Vorjahr. Über Kriege oder Wahlen zu berichten, werde gefährlicher.

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Die betroffenen Journalisten wurden während ihrer Arbeit oder wegen ihres Berufs getötet. Mit 76 Getöteten waren dies 16 mehr als im Vorjahr, wie die Organisation Reporter ohne Grenzen (ROG) am Mittwoch (30.12.2009) in Berlin mitteilte.

Die Zunahme der Morde ist vor allem auf ein Massaker auf der philippinischen Insel Mindanao im November 2009 zurückzuführen, bei dem 30 Journalisten getötet wurden. Die Journalisten wollten über die Wahlkampagne eines Kandidaten für das Gouverneursamt berichten, als der Konvoi von einer Truppe eines politischen Rivalen überfallen wurde. Besonders gefährliche Länder für Journalisten waren außerdem Somalia (9 Todesfälle), Pakistan (5) und Russland (5), wie ROG weiter mitteilte.

Kriege und Wahlen riskant für Journalisten

Die Berichterstattung über bewaffnete Konflikte wird laut Reporter ohne Grenzen immer gefährlicher. Aber auch die Recherche zu Wahlen sei in einigen Ländern eine riskante Arbeit, die im Gefängnis oder im Krankenhaus enden könne, sagte der Generalsekretär der Organisation, Jean-François Julliard, anlässlich der Veröffentlichung der Jahresbilanz 2009. Journalisten seien in Kriegen und im Umfeld von Wahlen besonderen Bedrohungen ausgesetzt gewesen. "Sie geraten in die Schusslinie, werden gezielt ermordet oder entführt", teilte Julliard mit. Im Iran werden dem Bericht zufolge viele Journalisten bis heute für ihre kritischen Berichte vor und nach der umstrittenen Präsidentschaftswahl im Juni mit Verhören, Gefängnisstrafen, Schikanen und schweren Misshandlungen bestraft.

Jean-François Julliard, Generalsekretär von Reporter ohne Grenzen (Foto: AP)

Jean-Francois Julliard, ROG-Generalsekretär: "Journalisten werden gezielt ermordet oder entführt"

Eine größere Zahl von Journalisten wurde in diesem Jahr auch körperlich angegriffen oder bedroht. 1456 Medienmitarbeiter wurden Opfer dieser Form von Gewalt, im Vorjahr waren es noch 929. Die Zahl der zensierten Medien hat sich von 353 auf 570 erhöht. 33 Medienmitarbeiter wurden entführt – vier mehr als im Vorjahr.

Autoritäre Regierungen verfolgen Blogger

Die weltweite Zahl der Festnahmen von Journalisten sei zwar um etwa ein Siebtel zurückgegangen. Dafür habe sich die Zahl der Festnahmen von Bloggern und Internetnutzern fast verdreifacht, so Reporter ohne Grenzen. Viele autoritäre Regierungen wie die chinesische, die iranische oder aserbaidschanische befürworteten harte Strafen für Internetnutzer, weil sich das Medium Internet zu einem Motor demokratischer Proteste entwickelt habe.

Zum ersten Mal hat ROG in der Jahresbilanz die Zahl von Journalisten veröffentlicht, die in den vergangenen zwölf Monaten gezwungen waren, ihre Heimat zu verlassen. Demnach seien 157 Medienmitarbeiter ins Exil gegangen, weil ihr Leben oder ihre Freiheit bedroht worden seien. "Unsere größte Sorge ist in diesem Jahr der massive Exodus von Journalisten aus repressiven Staaten wie dem Iran oder Sri Lanka", erklärte Julliard. "Die Behörden in diesen Ländern fördern häufig bewusst eine Flucht von Journalisten und Bloggern, um damit den Pluralismus der Meinungen und Kritik zu unterdrücken."

Autorin: Naima El Moussaoui (dpa, afp)

Redaktion: Oliver Samson

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