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Zumutung

Die Beine zittern und es kribbelt im Bauch – wenn man auf einem hohen Sprungbrett steht und unter Höhenangst leidet, hat man sich vielleicht ein bisschen viel zugemutet. Zu jeder Zumutung gehört eben auch Mut.

Die Geschichte der Zumutung ist lang. Die Geschichte des Begriffs Zumutung ist nicht viel kürzer. Vor 500 Jahren war die Zumutung noch keine, wie wir sie heute kennen. Abgeleitet war sie aus dem lateinischen "imputare", was soviel heißt wie "zuschreiben". In einem Schweizer Schauspiel des 16. Jahrhunderts ist der Satz "das hab ich dir nie zůgemůt" zu übersetzen mit "das hab ich dir nie zugetraut" oder eben "nie zugeschrieben". In der Schweiz ist diese Bedeutung von "zumuten" noch immer gebräuchlich, in Deutschland nicht mehr. So behaupteten es bereits die Brüder Grimm in ihrem "Deutschen Wörterbuch".

Die Zumutung wird zur Zumutung

Da müsste ich Ihnen diese Bedeutung von Zumutung gar nicht mehr zumuten. Das weiß ich. Aber es zu wissen und es dennoch zu tun, ist die noch größere Zumutung. Und darum geht’s ja. Also: Laut Brüder Grimm bedeutet "jemandem etwas zumuten" soviel wie "etwas von einem verlangen, dasz er etwas thue", bzw. "denken, dasz jemand etwas, was uns gefällt, thun müsse". Klar?

Ich präzisiere und mute Ihnen dabei zu, dreihundert Jahre zurückzugehen. Damals wurde nämlich die Zumutung so erklärt: "In ihr ist der, dem etwas zugemutet wird, das Verlangte lästig, schwierig oder unmöglich." Die Brüder Grimm zitieren als Erläuterung einen schönen Satz des Romantiker E. T. A. Hoffmann, den Sie sich mal zu Gemüte führen sollten: "Manchmal tritt aber auch der entsetzliche fall ein, dasz einer maus zugemutet wird, einen berg zu gebären."

Von außen viel, von innen mehr

Das klingt nach Anstrengung, die zudem nicht von Erfolg gekrönt sein wird – ein typischer Fall von Zumutung, von Unzumutbarkeit. Früher hätte man auch sagen können: ein Fall von "Unzumutbarsein". Diesen Begriff gibt es nicht mehr. Das Ende der Zumutung aber ist noch lange nicht erreicht.

Das Unzumutbare wird einem nicht nur von anderen abverlangt. Auch sich selbst mutet man so einiges zu: Mühe, Opfer, das Äußerste, Übermenschliches, kurz: zu viel. Man übernimmt sich. Folge: man wird krank. Also, dran denken: Man muss sich auch mal schonen, sollte sich ruhig einmal nichts zumuten.

Ergriffen vom Mulmigen

In Friedrich Schillers Drama "Kabale und Liebe" ruft einer, bitter lachend, aus: "Eine lustige Zumutung! Der Vater soll die Hure des Sohns respektieren." Eine lustige Zumutung? Gibt es so etwas? Über eine solche Frage sollen sich Schüler den Kopf zerbrechen; ihnen ist so eine Zumutung zuzumuten, für den Rest der Menschheit ist sie unzumutbar. Punkt.

Moment! Sollte nicht jeder selbst wissen, was er sich zumuten möchte? Wenn mir jemand so autoritär käme, da würde mir merkwürdig zumute werden. Dieses "zumute sein" hat übrigens sehr wenig mit den bisher ausgeführten Zumutungen zu tun. Dieses Zumuten – so wiederum die Brüder Grimm als Spezialisten - "es berührt sich nahe mit anmuten." Wenn uns heutzutage zumute wird, am liebsten irgendwie zumute, dann hat uns etwas berührt, wir werden von einer Gemütsstimmung ergriffen. Da fühlt sich einer unwohl – ihm ist beklommen oder mulmig zumute, dort fühlt sich einer sehr wohl – ihm ist nach Lachen zumute.

Lautlos lachen oder laut loslachen?

Möglicherweise darf er aber nur lautlos in sich hinein lachen. Steht man beispielsweise inmitten einer Trauergemeinde, würde ein Lachen wie eine Zumutung anmuten. Ach was: Ein Lachen wäre eine Zumutung! Allgemein ist Lachen sehr zu empfehlen. Wer es als unzumutbar verbieten will, wäre selbst die weitaus größere Zumutung.

Fragen zum Text

Wenn man sich zu viel zumutet, dann …

1. übernimmt man sich.

2. ist man unterfordert.

3. langweilt man sich.

Wem unwohl zumute ist, der …

1. fühlt sich gut.

2. fühlt sich nicht so gut.

3. ist verliebt.

Wenn jemandem nach Lachen zumute ist, dann …

1. ist er sehr traurig.

2. würde er gerne lachen.

3. hat er keine Lust zu lachen.

Arbeitsauftrag

Wie ist Ihnen heute zumute? Sind sie glücklich oder traurig? Schlecht gelaunt oder gut gelaunt? Beschreiben Sie Ihrer Klasse, wie es Ihnen heute geht und warum es Ihnen so geht.

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