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Afrika

Zuma tritt ein schweres Amt an

Zwischen volksnahem Pragmatiker und chauvinistischem Filou: Jacob Zuma ist als Präsident Südafrikas vereidigt worden. Am Sonntag stellte er sein neues Kabinett vor.

Jacob Zuma (Foto: AP)

Jacob Zuma bei seiner Amtseinführung

Der neuen Regierung gehören nun 34 Minister an. Bisher waren es nur 28. Der bisherige Finanzminister Trevor Manuel wird voraussichtlich eine der wichtigsten Rollen im neuen Kabinett übernehmen: Er leitet die neue Planungskommission, die die Zusammenarbeit der Minister koordinieren soll. Stellvertreter Zumas wird der bisherige Übergangspräsident Kgalema Motlanthe.

Nelson Mandela (Foto: AP)

Nelson Mandela freut sich über Zumas Rede

Zuma ist nach Nelson Mandela der vierte Präsident des Landes seit der demokratischen Wende 1994. Als Zeichen des Respekts kniete Zuma bei der Zeremonie vor Mandela nieder. In seiner Antrittsrede sprach der neue Präsident von einem "Moment der Erneuerung". Er fühle sich Mandelas begonnenen Weges verpflichtet, eine Nation aufzubauen: "Die Einheit der Nation sollte eine Priorität in allen Bereichen sein."

Teflon-Mann?

Zuma war am Mittwoch mit der Mehrheit der Regierungspartei ANC vom Parlament gewählt worden. Am Tag danach titelte der für seine Überschwänglichkeit nicht eben berühmte südafrikanische "Business Day" "Fresh start, fresh hope" - "Neubeginn, neue Hoffnung". Starke Worte für einen Mann, gegen den eine Korruptionsanklage eben erst unter mehr als dubiosen Umständen fallengelassen wurde. "Er ist eben wie der sprichwörtliche Teflon-Mann", titelte daraufhin "The Star". Will sagen: "An dem Mann bleibt nichts - nicht einmal ein Korruptionsskandal erster Güte - hängen".

Im Hintergrund die Bühne, auf der Zuma vereidigt werden, davor Menschen mit Schirmen (Foto: AP)

Trotz Regens: Anhänger verfolgen Zumas Vereidigung

Die Analogie zum beschichteten und deshalb kratzfesten Pfannenmaterial, an dem alles Klebrige förmlich abperlt, trifft die öffentliche Wahrnehmung Zumas gut. Dabei helfen dem Instinktpolitiker seine Herkunft aus ärmlichen Verhältnissen und seine Volksnähe. "Ich bin kein wichtiger Mensch, stamme aus keiner bekannten oder gar königlichen Familie. Ich bin auch kein einflussreicher Geschäftsmann. Sondern nur eine ganz gewöhnliche Person", hat Zuma einmal gesagt.

Mit dieser - kalkulierten - Zurückhaltung setze er sich deutlich von seinem Vorgänger ab, so Wolfgang Drechsler, Korrespondent des Handelsblattes in Südafrika. "Es ist zunächst einmal ein Schlussstrich unter die desaströse Ära von Thabo Mbeki. Schon allein, weil Zuma hier als Kontrast erscheint, ist das für mich eine Art Aufbruch. Wir dürfen nicht vergessen, was unter dem völlig überschätzten Thabo Mbeki in dem Land eigentlich passiert ist", sagt Drechsler. Zuma übernehme jetzt einen Scherbenhaufen. "Allein deshalb ist seine Präsidentschaft eine Art Befreiung von der erstickenden Präsidentschaft von Thabo Mebki."

Lockerer Präsident

Der Pfeifenraucher Mbeki hat niemals einen Draht gefunden zu seinen Landsleuten und wurde von ihnen bestenfalls toleriert; PR-Gaus wie das Leugnen der AIDS-Epidemie sind unvergessen. Von Zuma erwarten sich nicht zuletzt die 66 Prozent der ANC-Wähler einen neuen Politstil. Zuma sei äußerlich wesentlich lockerer als sein Vorgänger, sagt Drechsler. "Das kommt durch sein Singen und die Leopardenhemden zum Ausdruck." Das mache den Europäern Angst, weil man glaube, der nächste 'Big Man' stünde hier vor der Tür, sagt Drechsler.

Er sei auch ein einfacherer Mann als Mbeki oder Mugabe Zuma sei jemand, der sehr gut mit den einfachen Menschen umgehen kann und der auch in die Townships gehe. "Allein der neue Stil, der hier Einzug hält, ist mir sehr wichtig. Mit diesem neuen Stil kommt auch mehr Versöhnung in diese von Herrn Mbeki zutiefst neu gespaltene Gesellschaft. Und das ist eigentlich die große Hoffnung: dass Herr Zuma mehr Versöhnung bringt, und zum anderen, dass er möglicherweise auch viel stärker als Thabo Mbeki die Ziele des ANC in den Townships umsetzt."

Angst vor Linksruck

Thabo Mbeki (Foto: dpa)

Zu weit weg vom Volk: Thabo Mbeki

Kritiker befürchten, dass Zuma, der seine Wahl nicht zuletzt der Unterstützung der Gewerkschaften und der Kommunistischen Partei Südafrikas verdankt, nun einen Linksruck auslösen könnte, der Südafrikas marktliberale Wirtschafts- und Finanzpolitik bedrohen und Investoren verschrecken könnte. Matthias Boddenberg ist Direktor der Südafrikanisch-Deutschen Industrie- und Handelskammer in Johannesburg. Wie alle Südafrika-Beobachter wartet er gespannt auf die Kabinettsliste, die am Sonntag vorgestellt wird, und die ein Indiz für den zukünftigen Kurs des Zuma-Lagers sein wird.

Insbesondere der bisherige Finanzminister Trevor Manuel gilt als Garant, will Südafrika die Wirtschaftskrise bewältigen, die allein im letzten Quartal 2008 knapp 300.000 Arbeitsplätze gekostet hat. "Wir gehen davon aus, dass Herr Zuma ein pragmatischer Politiker ist, der natürlich versuchen wird, in seinem Kabinett alle Seiten zu vereinigen", sagt Boddenberg.

Autor: Ludger Schadomsky/ap/dpa

Redaktion: Christine Harjes/heb/ina/og

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