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Kultur

Zum Tode von Fritz Rudolf Fries

Sein Romandebüt wurde in der DDR nicht veröffentlicht. Später war Fries für die Staatssicherheit tätig. Jetzt ist der Schriftsteller Fritz Rudolf Fries im Alter von 79 Jahren gestorben.

"Einer der wirklich bedeutenden Romane der letzten Jahrzehnte, die in deutscher Sprache geschrieben wurden" - so lautete das Urteil des Literaturkritikers Helmut Böttinger über das Debüt Fries' "Der Weg nach Oobliadooh". Damit steht Böttinger nicht allein. Erst vor zwei Jahren wurde der Roman im Verlag "Die Andere Bibliothek" wieder neu aufgelegt.

"Der Weg nach Oobliadooh" gilt als ein Sprachkunstwerk ersten Ranges, das 1966 allerding nur in der Bundesrepublik bei Suhrkamp erscheinen konnte. Die Geschichte zweier Lebenskünstler und ihr Blick auf die Welt, eine Art moderner Schelmenroman, entsprach so gar nicht den Richtlinien des sozialistischen Realismus der DDR und orientierte sich eher an literarischen Vorbildern wie James Joyce und Marcel Proust. In Westdeutschland wurde das Buch gefeiert, unter anderem empfahl es damals Uwe Johnson.

Fries blieb der DDR treu

Auch wenn das DDR-Regime Fries Steine in den Weg legte, blieb der Autor der DDR verbunden. Fries arbeitete als Übersetzer und wurde zu einem der bedeutendsten Vermittler vor allem spanischsprachiger Literatur. Fries war 1935 in Bilbao geborenen worden, die Mutter war Spanierin, der Vater ein deutscher Kaufmann, der als Soldat im Zweiten Weltkrieg starb. 1942 zog die Familie nach Leipzig. Fries wuchs nach Kriegsende in der DDR auf, studierte Anglistik, Romanistik und Hispanistik.

Buchcover: Fries: Diogenes auf der Parkbank (Foto: Verlag)

Fries' Erinnerungsband

Seine exorbitanten Sprachkünste sollten ihm später helfen. Zwar verstieß er mit seiner eigenen postmodern-verspielten Prosa gegen die offiziellen Richtlinien der DDR-Kulturbehörden, konnte sich jedoch mit seiner Übersetzertätigkeit und auch als Dolmetscher über Wasser halten. Fries übertrug auch bedeutende Autoren aus dem englischsprachigen Raum ins Deutsche.

Stasi-Mitarbeit

1972 hatte ihn die Stasi angeworben. Für über ein Jahrzehnt war er inoffizieller Mitarbeiter der Spitzel-Behörde. Nach seiner Enttarnung Mitte der 1990er Jahre trat Fries aus allen Schriftstellervereinigungen aus und zeigte sich wenig einsichtig, was seine Stasi-Mitarbeit betraf. Der Autor war zuvor unter anderem im P.E.N., in der Akademie der Künste in Berlin und in der Akademie für Sprache und Dichtung Mitglied.

Fritz Rudolf Fries schrieb auch nach der Wende weiterhin Bücher, den halb-autobiografischen Roman "Alles eines Irrsinns Spiegel" (2010) oder "Last Exit to El Paso" (2013). Seine Erinnerungen "Diogenes auf der Parkbank" erschienen 2002. Der Schriftsteller starb, wie jetzt bekannt wurde, am 17. Dezember 2014 in der Nähe Berlins in Brandenburg an seinem Wohnort.

jk/kap (dpa/Perlentaucher/DeutschlandRadio Kultur)

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