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Ostmitteleuropa

Zum Streit zwischen Prag und Wien über NS-Opfer

– Tschechische Presse erinnert an jüdische Herkunft des FPÖ-Sprechers und an Haiders "arisierte" Immobilien

Prag, 30.1.2002, CTK, tschech.

Die Äußerungen des Generalsekretärs der österreichischen Partei FPÖ Peter Sichrovsky, wonach Tschechien jüdische NS-Opfer unzureichend entschädigt habe, stehen im Mittelpunkt der Tagespresse.

(...) Die Tageszeitung "Mlada fronta Dnes" weist darauf hin, dass die Juden in der ehemaligen Tschechoslowakei erst nach dem gewaltsamen Einmarsch der Deutschen und der Österreicher verfolgt wurden. "Erinnern wir uns daran, dass alle drei Kommandanten im Sammelghetto von Theresienstadt Österreicher waren. Die Österreicher waren in der Mehrheit auch unter den Aufsehern in Konzentrationslagern sowie in den SS-Einheiten. In Haiders Wortwahl könnten wir sagen: Die Drecksarbeit erledigten die Österreicher."

Für den Kommentator ist es unfassbar, dass Sichrovsky, der selbst Jude ist, mit der Geschichte seines Volkes nicht gut genug vertraut ist. "Noch unverständlicher jedoch ist, dass die vom Nationalsozialismus nicht sehr weit stehende Partei auf dem Posten ihres Sprechers gerade Sichrovsky, einen Juden, hat und dass er, ein Jude, für diese Partei als Sekretär tätig ist. Unsere moderne Zeit ist unglaublich paradox."

Auf die Herkunft von Sichrovsky macht auch die Tageszeitung "Pravo" aufmerksam. Der Ex-Vorsitzende der FPÖ Jörg Haider hätte gerade Sichrovsky, der selbst Jude ist, den moralischen Zeigefinger heben lassen. Selbst die österreichischen Medien, so das Blatt weiter, haben wiederholt daran erinnert, dass die so genannten "arisierten" Immobilien den wesentlichen Teil von Haiders Millionen-Vermögen ausmachten, Immobilien, die "Haiders Onkel für Peanuts gekauft hatte."

Der FPÖ-Angriff vom Montag (28.1.) zeige, dass die Freiheitlichen ihre anti-tschechische Kampagne fortsetzen werden. "Vor den Wahlen, die in Österreich im Herbst 2003 stattfinden, werden sie testen, was sie im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses halten könnte, auch wenn es sich dabei um eine negative Werbung handeln sollte", meint die Tageszeitung "Pravo". (ykk)

  • Datum 30.01.2002
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  • Permalink http://p.dw.com/p/1lz2
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