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Alltagsdeutsch – Podcast

Zum Lachen! – Der Humor der Deutschen

Als besonders humorvoll gelten sie nicht unbedingt, die Deutschen. Aber auch bei ihnen wird häufig herzlich gelacht – ob über Komiker wie Otto und Heinz Erhardt, über Clowns und Spaßvögel oder einfach nur über Witze.

Ein lachender Clown auf einem runden Werbeplakat

Lachen ist die beste Medizin, ein guter Clown der beste Arzt

Sprecher:

Lachen ist menschlich, sagt man in Deutschland, und unverwechselbar wie ein Fingerabdruck.

Sprecherin:

Manche Männer lachen so: O-Ton. Einige Frauen amüsieren sich eher so: O-Ton. Die einen brüllen vor Lachen: O-Ton. Andere kichern lieber: O-Ton. Dritte lachen gezielt: O-Ton. Und einige lachen fast lautlos: O-Ton. Die große Ausnahme: der Lachsack. O-Ton. Er lacht immer gleich, unaufhörlich und elektronisch.

Sprecher:

Fast könnte man meinen, hierzulande hätte auch das liebe Federvieh gut lachen, sagt man doch " Da lachen ja die Hühner". O-Ton. Aber in Wirklichkeit lacht auch in Deutschland kein Huhn darüber, wenn der Hahn mal heiser ist. Bei dieser Redewendung sind vielmehr unglaubliche Geschichten gemeint, die keiner so recht ernst nehmen will.

Sprecherin:

Aber worum geht es eigentlich in dieser Sendung?

O-Ton:

"Wissen Sie, es geht nicht darum, Witze zu erzählen – das ist billig."

Sprecherin:

Sondern es geht vor allem darum, den Deutschen und sein Lachen vorzustellen. Denn:

O-Ton:

"Ein lachender Mensch ist ungefährlich."

Sprecherin:

Deshalb trauen wir uns auch, Menschen auf der Straße zu fragen, worüber sie lachen. Anfangen wollen wir mit der Frage, was die Deutschen denn zum Lachen bringt.

Reporter:

"Können Sie sich an ne Situation erinnern, wo Sie sehr gelacht haben in letzter Zeit?

O-Töne:

"Über nen schönen Witz, ne. Sammeln Sie Witze, ja? / Ja, in der Schule, die Lehrer, die sind ganz lustige Typen. / Ich lache täglich, hehehe. / Wir lachen täglich bei der Arbeit. Gelächter. Ja, genau. Sie hat irgendwie wieder stundenlang telefoniert und auch sehr laut und ganz zum Schluss ist sie dann noch vom Stuhl gefallen und da konnt ich mich dann nicht mehr halten und musste dann sehr lachen. / Ich hab am Samstag sehr gelacht. Da war'n mer auf ner 25-jährigen silbernen Hochzeit und da waren zwei, hach wie nennt man dat noch mal, die Männer, die Damen machen, wissen Se. Erstens mal finde ich se sehr schön. Die haben schöne Figuren, ne, sehen auch gut aus, ich meine durch die Schminke und sehen gar nit aus wie Männer, ne. Und dann haben se so viel Blödsinn gemacht, ne, bei allem, nit nur getanzt, sondern auch Blödsinn gemacht. War sehr schön. / Ich hab nen Beruf, wo ich viel mit Publikum zusammenkomme und eigentlich gibt es da jeden Tag irgendwie, ja, irgendwas oder irgendjemanden, worüber man lachen kann. Wenn man es nicht mit Humor nimmt, wär's auch gar nicht zu ertragen, wahrscheinlich."

Sprecher:

In der deutschen Umgangssprache gibt es auch Spaßvögel.

O-Ton Hühnergegacker.

Nein. Nicht die Hühner. So werden Leute genannt, die Scherze machen. Der Spaßvogel ist ein komischer Mensch, der – wie man auch sagt – gern Witze reißt.

O-Ton:

"Ja, da sitzen in Ostfriesland zwei Bauern in der Wirtschaft gegenüber. Da sagt der eine Bauer zum anderen: "Du sag mal. Rauchen deine Kühe?" – "Wie kommst du denn da drauf?" – "Na, ich frag mal so." – "Nein". – Nach ner Viertelstunde sagt er wieder: "Auch nicht heimlich?" – "Nein." – Da sagt er: "Dann glaub ich, dann brennt dein Stall da drüben"."

Sprecherin:

Ja, ja die Ostfriesen. Dieses Völkchen im Nordwesten Deutschlands ist oft Zielscheibe vieler Witze. Erzählt werden sie häufig in Kneipen, bei Bier oder Schnaps oder Wein oder allem zusammen. So vergeht wohl kein Stammtisch, ohne dass nicht mindestens einmal auf Kosten Ostfrieslands gelacht wird. Deshalb sorgt an dieser Stelle Spaßvogel Otto Waalkes, selbst Ostfriese, für Aufklärung. Natürlich auf seine Art.

Otto Waalkes: "Wort zum Montag"

"Der Ostfriese. Aufzucht und Hege: Der Ostfriese bewohnt ausgedehnte Küstenstriche westlich von Hamburg. In dieser Gegend tritt er einzeln oder in Rudeln auf. Er bevorzugt das freie Land, wurde aber auch schon in Speisekammern angetroffen. Kennzeichnend für den Ostfriesen ist seine ganzjährige Brunftzeit. Führt die Balz zum Erfolg, so wirft das Weibchen nach einer Tragzeit von neun Monaten ein oder zwei Junge, die dann zahnlos zur Welt kommen. Ja, das ist doch nicht zu glauben."

Sprecherin:

Beliebt sind in Witzen auch die Sachsen – wegen ihres ungewöhnlichen Dialekts. Und die Bayern im Süden Deutschlands. Jede Region hat dabei ihre eigenen traditionellen Witzfiguren. In Hamburg zum Beispiel tritt kess "Klein Erna" auf. In Bayern erzählt man vom "dummen Seppel". In Berlin witzelt oft das freche "Fritzchen" und im Rheinland amüsiert sich manch einer über das komische Paar "Tünnes und Schäl". Aber es gibt auch Gemeinsamkeiten beim Humor wie der Kunsthistoriker und Rheinländer Heinrich Lützeler festgestellt hat.

Heinrich Lützeler:

"Wissen Sie, es geht nicht darum, Witze zu erzählen. Das ist billig. Sondern es geht darum, den Gehalt der Witze zu verstehen, und sie sind eine Kunde vom Menschen. Und davon, wie der Mensch das verkehrte Leben und seine eigene Brüchigkeit tolerant und heiter besteht."

Musik: "Witzischkeit kennt keine Grenzen"

"Witzischkeit kennt keine Grenzen.

Witzischkeit kennt kein Pardon
und wer witzisch is, der hat gut Lache
und darum gehts in diesem Song.

Witzischkeit kennt keine Grenzen … ."

Sprecherin:

Doch auch in Deutschland hat die Witzigkeit seine Grenzen. Auch hier hört der Spaß früher oder später auf.

O-Töne:

"Ich hab Ihnen gesagt, ich lach' täglich, und ich lach über alles, ja. Ich hab jetzt vorhin zweimal gelacht und das nächste Mal müsste ich vielleicht jetzt noch mal lachen. Aber das ist ja nachher zuviel, ja. / Ja, die letzte Zeit gab es nicht viel zu lachen. – Ja, bei uns wirklich nit. – Rein politisch, rein familiär. Bei uns, tut mir Leid. / Man lacht heute überhaupt viel zu wenig. Die Menschen sind viel zu ernst. Entweder kriegen se nit genug, oder haben zu wenig oder, ich weiß, sie sind mit sich nit mehr zufrieden, ne. / Nein. Ich lach nicht gerne. / Mir ist in der letzten Zeit dat Lachen vergangen."

Sprecher:

Der Frau am Gemüsestand ist das Lachen vergangen. Sie meint damit, dass sie allmählich nicht mehr lachen kann. Es ist langsam verschwunden, von ihr gegangen wie eine Person, die nicht mehr zurückkommt.

Sprecherin:

Die Marktfrau ist mit diesem Gefühl nicht alleine. Geldsorgen, Probleme im Beruf, in der Familie, in der Liebe und täglicher Stress belasten immer mehr Deutsche. Dabei ist eigentlich krampfhaftes Dauerlächeln angesagt, wenn man in die stets präsente heile Welt der Reklametafeln und des Fernsehens blickt.

Musik: "Witzischkeit kennt keine Grenzen"

Sprecherin:

Breites Zahnpasta-Grinsen in der Werbung, versuchte Heiterkeit in vielen Shows, Unglücke und Missgeschicke anderer Leute im Fernsehen. Schadenfroh werden sie präsentiert und beklatscht. Und wenn schon im Studio keiner lacht, werden halt für den Zuschauer zuhause "Hihis" und "Hahas" künstlich eingeblendet. Manch einer findet auch diese künstliche Welt nicht mehr komisch. Wo also kann man noch herzhaft lachen? Sogar ein Clown sieht die Welt verändert. Bernhard Paul, der seit Jahren in sein Zirkuszelt lockt, über die alltäglichen Miesmacher.

Bernhard Paul:

"Das fangt an, da braucht man nur ein paar Begriffe hinschmeißen: Ozonloch, Umweltverschmutzung, Klimakatastrophe, also, das Lachen vergeht uns schon. 'In' ist es allemal, das sehen wir ja, weil der Circus Roncalli jeden Tag ausverkauft ist, und die Leute wollen lachen und wir haben ein Programm, wo der Clown im Mittelpunkt steht und alle Facetten der verschiedenen Clownerie man sieht und hört."

O-Ton Clown-Nummer

Clown 1: "Ich mache jetzt Folgendes: Dreh mich um und schieße den Pfeil Du, Pimballon, auf das Brett, ohne dass der Ballon kaputt geht.

Clown 2: "Nein".

Clown 1: "Ja."

Clown 2: "So was kannst du?"

Clown 1: "Ja".

Clown 2: "Nein"

Clown 1: "Ja".

Clown 2: "Gaston. Der Champignon, der schießt den Pfeil durch das Brett auf den Ballon, ohne dass du kaputt gehst."

Clown 1: "Also, mein Herr. Bitte schön, jetzt ist der Moment. Keine Bewegung mehr, bitte.

Clown 2: "Schießt du jetzt?"

Clown 1: "Jaja. Jaja."

Clown 2: "Schieß langsam."

Clown 1: "Eins, zwei … "

Clown 2: "Was passiert, wenn du daneben schießt?"

Clown 1: "Dann hast du ein Loch."

Clown 2: "Aber, dann bin ich ja vielleicht tot."

Clown 1: "Jaja, natürlich."

Clown 2: "Ah so."

Clown 1: "Eins, zwei …"

Clown 2: "Aber die Gage krieg ich trotzdem?"

Clown 1: "Versprochen. Doppelte Gage."

Clown 2: "Darfst du zweimal schießen."

Clown 1: "Also jetzt. Eins, zwei …"

Clown 2: "Gaston. Willst du meine doppelte Gage?"

Sprecher:

Am Ende geht der Ballon kaputt, ohne dass ein Clown darauf geschossen hat. Kaputt verwendet man für alles, was zerplatzt, zerstört, zerbrochen, zersprungen, für alles, was unbrauchbar geworden ist. In der Umgangssprache spricht man auch vom kaputt lachen, sich totlachen oder dem Platzen vor Lachen.

Gelächter und Platzgeräusch

Sprecher:

Zum Glück passiert das nur selten, denn wie sagt schon ein altes deutsches Sprichwort: "Lachen ist gesund".

Sprecherin:

Auch moderne Mediziner meinen, dass Lachen Atmung und Muskeln stärkt. Der Kreislauf wird angeregt und die Verdauung gefördert. Aber, wo spielt sich das Lachen eigentlich genau ab?

Sprecher:

Der Deutsche, so sagt der Volksmund, lacht sich ins Fäustchen. Wer das tut, ist im Geheimen schadenfroh. Er lacht über die Missgeschicke anderer Leute. Einigen lacht das Herz in der Brust, andere halten sich den Bauch vor Lachen.

Sprecherin:

Medizinisch gesehen ist die letzte Redensart dicht dran, denn gelacht wird mit dem Zwerchfell. Aber Vorsicht! Bei einer Überdosis Lachen bekommt man Muskelkater im Zwerchfell und andere Nebenwirkungen zu spüren.

O-Ton:

"Mitunter kann man sogar so lachen, dass einem die Tränen kommen, dass das Gesicht ins Blut steigt, auf jeden Fall, eh, dass das Blut ins Gesicht steigt. He. Da können wir jetzt auch schon wieder drüber lachen, ne. Ja, warum lachen wir eigentlich da drüber jetzt, ne? Weil es Unsinn ist, ne. Man lacht eben halt, weil es absoluter Unsinn ist und, und findet es einfach komisch, also komisch, ulkig, lustig, ja, vielleicht sollte man es auch mehr von der Sprache her untersuchen."

Sprecherin:

Spiele mit der Sprache: Verdrehungen, Verwechslungen und Versprecher lösen mindestens ein Schmunzeln, ein leichtes Grinsen aus. Dabei ist alles erlaubt, was die gewohnte deutsche Sprache ungewöhnlich und doppeldeutig klingen lässt.

Sprecher:

Man kann rumstehen, aber auch alkoholischen Rum trinken. Der Eine ist ge hemmt, der andere zieht sein Hemd an. Verse kann man dichten, tropfende Wasserhähne auch.

Sprecherin:

Um das zu beweisen, lassen wir den meisterhaften Wortspieler Heinz Erhardt noch einmal die Geschichte erzählen, wie er "Poet" oder besser gesagt "Dichter" wurde.

Heinz Erhardt:

"Ich also lag zu Hause Cognac … rum, rum, also ich konnte noch nicht laufen. Ich hatte schon Beine, aber laufen konnt ich noch nicht und es war kalt. Es fror so vor mich hin. Ja nicht nur meine Eltern, auch der Ofen war ausgegangen. Und plötzlich, so ganz stinkelingpief – instinktiv, instinktiv – ich bin wieder ein Schelm heute – also instinktiv guck ich da zur Wand, ne. Die öffnet sich und eine Fee schwebt herein. Sie hat ein faltenreiches Gewand, ein ebensolches Gesicht, sie klopfte mir auf den Magen und fragte mich: "Na, Kleiner", fragte sie, was willst du denn einmal werden?" Und ich sagte, im Hinblick auf meine etwas feuchten Windeln, sagte ich: "Och, liebe Tante. Ich möchte' gern Dichter werden"."

Fragen zum Text

Spaßvögel sind …

1. Vögel, die Spaß miteinander haben.

2. Vögel, die anderen eine Freude bereiten.

3. Menschen, die andere zum Lachen bringen.

Der Komiker Otto Waalkes stammt aus …

1. Sachsen.

2. Ostfriesland.

3. Bayern.

Die Redewendung sich ins Fäustchen lachen bedeuutet, dass …

1. man über das Missgeschick eines anderen lacht.

2. jemand die Hand zu einer Faust ballt.

3. man im Winter in die Hände lacht, um diese zu wärmen.

Arbeitsauftrag

Suchen Sie sich jeder einen Text des deutschen Komikers Heinz Erhardt. Lesen Sie diesen Text in der Gruppe laut vor. Anschließend erklären Sie den anderen Gruppenmitgliedern, was Heinz Erhardt mit diesem Text ausdrücken wollte.

Autor: Ralph Erdenberger

Redaktion: Beatrice Warken

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