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Zum Konsum im Großen und Kleinen

12. Oktober 2015

Geld macht glücklich - aber nur bis zu einem bestimmten Niveau. Unter anderem diese Erkenntnis haben wir dem Wirtschafts-Nobelpreisträger 2015, Angus Deaton, zu verdanken.

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Britisch-US-amerikanischer Ökonom Angus Deaton
Bild: picture-alliance/dpa/Princeton University

Den diesjährigen Nobelpreisträger für Wirtschaft, Angus Deaton, hat der Anruf der schwedischen Jury am Montag aus dem Schlaf gerissen. "Meine Güte, ich war ganz schön verschlafen!" sagte der in den USA lebende britisch-amerikanische Forscher, der bei der Pressekonferenz in Stockholm per Telefon zugeschaltet war.

"Ich war überrascht und erfreut, die Stimmen meiner Freunde vom Komitee zu hören", so der 69-Jährige. "Es war mir natürlich wie vielen anderen Ökonomen bewusst, dass es eine Chance dafür gab." Er freue sich darauf, im Dezember zur Preisverleihung nach Schweden zu kommen. Der gebürtige Schotte lehrt an der US-Universität Princeton und bekommt den Preis für seine Analysen von Konsum, Armut und Wohlfahrt.

Ein Ergebnis der Forschungen Deatons ist die Erkenntnis, dass Geld sehr wohl glücklich machen kann, wenn man davon nicht all zu viel besitzt. Armut hingegen mache Menschen sowohl unzufrieden als auch unglücklich, hatte der Forscher im Jahr 2010 zusammen mit Kollegen herausgefunden.

"Die Entwicklungsökonomie auf ein empirisches Feld gehoben"

Für eine Wirtschaftspolitik, die Wohlfahrt fördere und Armut eindämme, müssten zuallererst die individuellen Konsumentscheidungen verstanden werden, erklärte die Schwedische Akademie der Wissenschaften. "Der diesjährige Preis handelt von Konsum im Großen und Kleinen", sagte Göran Hansson, Generalsekretär der Königlichen Schwedischen Akademie der Wissenschaften am Montag in Stockholm. Dieses Verständnis sei wichtig für die Gestaltung der Wirtschaftspolitik. Wie kein anderer habe Angus Deaton dieses Verständnis verbessert.

Der Wissenschaftler wurde für drei Errungenschaften geehrt: Für ein System, mit dem sich die Nachfrage nach verschiedenen Gütern schätzen lässt und das er um 1980 mit seinem Kollegen John Muellbauer erschaffen hat, für Studien zur Verbindung zwischen Konsum und Einkommen aus den Jahren um 1990 und für seine Arbeit zum Erfassen von Lebensstandards und Armut in Entwicklungsländern mittels Umfragen unter Haushalten.

John Muellbauer
Deatons Kollege John MuellbauerBild: Privat

Seine Forschung belege, wie der Umgang mit Haushaltsdaten ein Licht auf verschiedene Fragestellungen werfen könne - beispielsweise die Beziehung zwischen Einkommen und Kalorienaufnahme und das Ausmaß von Geschlechterdiskriminierung innerhalb von Familien. Deatons Fokus auf Haushaltsumfragen habe dabei geholfen, die Entwicklungsökonomie von einem "theoretischen Feld" auf ein empirisches mit detaillierten individuellen Daten zu führen, so das Preiskomitee.

Schwerpunkt Indien

Der in Schottland geborene Deaton, der neben der britischen auch die US-Staatsbürgerschaft hat, blickt optimistisch auf den wirtschaftlichen Fortschritt in der Welt. In seinem 2013 veröffentlichten Buch "Das große Entkommen" zeichnete er nach, wie das allgemeine Wohlergehen - besonders die Lebenserwartung und der Wohlstand - über die Jahre gewachsen sind.

Auch heute noch sind es die Zusammenhänge von wirtschaftlicher Lage und Konsum mit Gesundheit und gefühltem Glück, die ihn beschäftigen. Einen Schwerpunkt legt er auf das Schwellenland Indien und die Frage, wie Armut sich wissenschaftlich fassen und messen lässt. In Arbeit ist seinem Lebenslauf zufolge eine Schrift darüber, welche Rolle Glücksmessung in der Politik spielen könnte.

Aus Schottland über England in die USA

Der vielfach ausgezeichnete Wissenschaftler kam am 19. Oktober 1945 in Edinburgh zur Welt, sein schottischer Akzent ist aber kaum noch wahrnehmbar. Eine hartnäckige Skepsis und einen Widerwillen, Glück zu bemerken oder zuzugeben, habe er wohl seiner Herkunft zu verdanken, sagte Deaton, der häufig Fliege trägt, einmal in einem Interview.

Seine Schwester und er waren demnach die ersten in der Familie, die die Universität besuchen durften. Er hat sowohl die britische als auch die US-amerikanische Staatsbürgerschaft und zwei erwachsene Kinder. In Princeton lehrte Deaton bereits 1979/80 als Gastdozent. Weitere Stationen waren die renommierte englische Universität Cambridge, wo er 1974 promovierte, und Bristol. 2009 wurde er zum Präsidenten der traditionsreichen American Economic Association gewählt.

dk/Bru (afp/rtr/dpa)