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Politik

Zum Jagen getragen

Der amerikanische Präsident hat sich endlich entschlossen, in den Nahostkonflikt einzugreifen. Allmählich wird klar, wie die Amerikaner sich die Zukunft der Region vorstellen. DW-TV-Korrespondent Udo Bauer berichtet.

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Wann immer er darauf angesprochen wurde, was er denn im Nahostkonflikt zu tun gedenke, wiederholte George Bush über Wochen hinweg gebetsmühlenartig drei Namen: Zinni, Tenet und Mitchell. Die Bemühungen des US-Vermittlers, der Plan für eine Feuerpause und der Plan zur Wiederaufnahme der Gespräche - damit würde das Kind schon geschaukelt.

Wurde es nicht. Im Gegenteil verschlimmerte sich die Situation täglich, und der Druck auf den Präsidenten wuchs, doch endlich Colin Powell einzuschalten. Am Donnerstag (04.04.) dann brach der Damm. Der Außenminister solle in die Region fahren, so kündigte Bush an. Gleichzeitig packte er die Keule aus gegenüber Arafat - das war nichts Neues - aber er schwang sie auch gegenüber Sharon, und letzteres war die große Überraschung - eine politische Kehrtwende um 180 Grad.

Bis dahin hatte Bush Verständnis für den "israelischen Anti-Terror-Kampf" gezeigt. Und auf einmal ist die US-Nahostpolitik wieder stimmig. Nicht nur ist neu, dass er endlich auch die kriegerische Vorgehensweise der Israelis verurteilte. Seine Forderung, sie mögen sich aus den Palästinensergebieten zurückziehen, passt jetzt endlich zusammen mit der entsprechenden UN-Resolution, die die USA vor einigen Tagen mittrugen.

Offenbar beflügelt von seiner eigenen Courage, malte Bush am Donnerstag in klaren Worten aus, wie er sich die Zukunft im Nahen Osten vorstellt: Zwei Staaten, Israel und Palästina, sollen "in Frieden und Sicherheit Seite an Seite" existieren, die Siedlungspolitik der Israelis müsste ein Ende haben und die Palästinenser hätten ein Recht auf einen Staat, der auch überlebensfähig ist, sprich kein Flickenteppich ist wie bisher.

Ob aus dieser Vision jemals Wirklichkeit wird, ist noch nicht abzusehen. Aber, dass Bush als erster US-Präsident das so deutlich formuliert, muss man ihm hoch anrechnen. Es war ein klarer Bruch mit einer amerikanischen Tradition, der bedingungslosen Unterstützung Israels. Und siehe da, der Präsident sprach auch noch von einschlägigen UN-Resolutionen, die man zu respektieren habe.

Zum ersten Mal sah man Bush den Namen der Weltorganisation aussprechen ohne den sonst üblichen angewiderten Gesichtsausdruck.Man darf aber bei allem Erstaunen eins nicht vergessen: Der Hund ist zum Jagen getragen worden. Es war Druck von vielen Seiten, die den Präsidenten zum Einlenken bewogen hat. In erster Linie der Druck der arabischen Länder.

Die USA brauchen deren Unterstützung im Kampf gegen den internationalen Terror, und sie brauchen ihr Öl. Beides bekommen die Amerikaner, wenn sie es schaffen sollten, den gordischen Knoten des Palästinenserkonfliktes zu zerschlagen. In zweiter Linie nahm der Präsident damit auch den Druck aus den transatlantischen Beziehungen. Die Europäer gelten zwar in den USA landläufig als Weicheier, aber manchmal kann man sie ja durchaus brauchen.

Und schließlich ist den Bush-Beratern auch nicht verborgen geblieben, dass´die Stimmung in der eigenen Bevölkerung langsam umkippte zugunsten der Palästinenser. Den notorisch sentimentalen Amerikanern gingen die schrecklichen Fernsehbilder aus den Palästinensergebieten allmählich ans Herz.

Jetzt ist erst einmal Colin Powell am Zug. Er ist zwar kein Wunderheiler, aber er hat ein gutes Standing bei den Konfliktparteien, er ist ehrgeizig, und er fühlt sich noch nicht auf dem Höhepunkt seiner Karriere.