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Politik & Gesellschaft

Zum 80. Geburtstag von John le Carré

Er gilt als Meister des Spionage-Thrillers, seine Themen fand er im Ost-West-Konflikt, er ist einer der meistgelesenen Krimi-Autoren der Welt: John le Carré bekam dafür 2011 die Goethe-Medaille der Stadt Weimar.

Portrait des am 19.10.2011 80 Jahre alten John le Carré. (Foto:ULLSTEIN BUCHVERLAGE)

David J. M. Cornwell alias John le Carré

Da seine englische Kindheit nicht sehr "erbaulich" gewesen sei, habe er sich nach seinem Germanistik-Studium in Bern "eine deutsche besorgt", sagte John le Carré im August 2011 bei der Verleihung der Goethe-Medaille in Weimar. Seitdem seien "Mörike, Goethe, E.T.A. Hoffmann, Droste-Hülshoff, Morgenstern, Storm, Fontane und sogar Heine seine geheimen Gefährten". Aus dieser Lektüre sei neben seiner englischen Herkunft eine "innere deutsche Familie gewachsen". Mit diesen sicher nicht nur dem Publikum in Weimar geschuldeten Äußerungen legte John le Carré auch einen Blick in sein Seelenleben frei, das man mitunter in seinem Werk wieder zu finden glaubt. Deutschland ist oft Schauplatz seiner Geschichten – zumal der "kalte Krieg" an der innerdeutschen Grenze seine heißeste Frontlinie hatte.

Im Dienst Ihrer Majestät

John le Carré am 28. August 2011 bei seiner Dankesrede zur Verleihung der Goethe-Medaille in Weimar. (Foto: Regina Peper)

John le Carré:"Deutsche Literaten sind Teil meiner inneren Familie."

John le Carré wurde am 19. Oktober 1931 in einem kleinen Küstenstädtchen am Ärmelkanal geboren. Sein Vater war ein mehrfach verurteilter Hochstapler und Betrüger, was seine spätere Karriere durchaus befruchtete. In seinem Roman "Ein blendender Spion" hat er später seine nicht ganz unkomplizierte Kindheit verarbeitet.

Abwechslungsreich ging es weiter im Leben des David John Moore Cornwell, der sich mit dem ersten Ruhm in John le Carré verwandelte. Nach seinem Germanistik- Studium lehrte er eine Weile am Eton College, um anschließend über das Außenministerium zum britischen Geheimdienst Secret Service zu gehen.

Die Erfahrungen seiner Kindheit und die praktische Arbeit beim Geheimdienst haben die Themen seiner Kriminalromane stark beeinflusst. Von 1959 bis 1964 lebte er u.a. in Berlin, wo er Zeuge des Mauerbaus wurde. Sein in nur fünf Tagen geschriebener Roman "Der Spion, der aus der Kälte kam" behandelte das Thema, über Nacht war der Autor bekannt und finanziell unabhängig. Der große Erfolg des Buches erlaubte es ihm, seinen Job beim Nachrichtendienst zu quittieren und sich nur noch dem Schreiben zu widmen.

"Kalter Krieg" und neue Themen

Bis in die späten 80er Jahre drehten sich seine Werke um den "kalten Krieg" und den Gegensatz zwischen der westlichen Demokratie auf der einen und den kommunistischen Staaten auf der anderen Seite. Dabei vermied er aber eine platte Gegenüberstellung von "Gut" und "Böse". Vielmehr prangerte er an, dass der Westen die gleichen Mittel einsetzte wie der Osten.

Nahaufnahme von John Le Carré, eigentlich David John Moore Cornwell, der schon während seiner Studienzeit in Oxford für den britischen Geheimdienst tätig war. (Foto:dpa)

John le Carré: Zeitzeuge des Kalten Krieges

John le Carré fragte, ob es statthaft sei, wenn demokratische Staaten genauso agieren, wie diejenigen Staaten, die sie vorgeben zu bekämpfen. Verraten sie damit nicht ihre eigenen Ideale? Aber John le Carré beschäftigte sich nicht nur mit dem "kalten Krieg".

Auch der Nahost-Konflikt spiegelte sich in seinen Büchern. "Die Libelle" erschien 1983 in deutscher Sprache und behandelt den Gegensatz zwischen Israelis und Palästinensern in den 80er Jahren. Die Machenschaften international agierender Pharmakonzerne beschreibt er in "Der ewige Gärtner", während der islamistische Terror in seinem 2008 erschienenen Buch "Marionetten" thematisiert wird.

Beim diesjährigen Filmfestival in Venedig stand die Verfilmung seines Klassikers "Dame, König, As, Spion" auf dem Programm. John le Carré ist vom Ergebnis der vierjährigen Arbeit begeistert: "Der Film ist großartig geworden. Es gibt höchstens zwei, drei Sachen, die ich nicht mag, aber es sind Kleinigkeiten." Eine kleine Nebenrolle, die er auf Wunsch des Regisseurs Tomas Alfredson übernommen hatte, habe ihm Spaß gemacht: "Irgendwie fand ich es witzig."

Autor: Matthias von Hellfeld (mit dpa)
Redaktion: Hartmut Lüning

Einige Bücher von John le Carré:
Der Spion, der aus der Kälte kam (1963)
Dame, König, As, Spion (1974)
Die Libelle (1983)
Das Russland-Haus (1989)
Der ewige Gärtner (2000)
Verräter wie wir (2010)