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Filme

Zum 75. Geburtstag des Regisseurs Martin Scorsese

Der Amerikaner ist seit Ende der 1960er Jahre aktiv und hat große Filme gedreht. Schaffensmüde ist er nicht. 2019 soll sein nächster Film in die Kinos kommen. Ein Karriererückblick und 5 Gründe für seine Meisterschaft.

Was macht einen Filmregisseur groß? Was verschafft ihm einen Platz in der Filmgeschichte? Natürlich großartige Filme, ein paar Meisterwerke, ikonografische Bilder, die sich ins Gedächtnis der Kinozuschauer einbrennen. Aber es müssen einige Dinge zusammenkommen, um einem Regisseur einen dauerhaften Platz in den Annalen des Kinos zu sichern. Der US-Amerikaner Martin Scorsese hat so einen Platz schon lange und verdientermaßen inne. Jetzt (17.11.) wird er 75 Jahre alt - und arbeitet weiter unermüdlich. Fünf Gründe dafür, warum Scorsese zu den Großen der Filmgeschichte gehört.

1. Martin Scorsese hat etwas zu erzählen

Anders als ein paar versierte Bilderkünstler des neuen amerikanischen Kinos, die es zwar verstehen spannende und unterhaltsame, manchmal interessante und oft spektakuläre Filme auf die Leinwand zu bringen, fällt bei Scorsese auf, dass er sich wirklich für seine Geschichten interessiert. Das hat viel mit seiner Herkunft zu tun, seiner tiefen Verwurzelung in das italienisch geprägte Milieu New Yorks. Mit seiner frühen religiösen Prägung. Mit seinen vielfältigen Interessen.

Filmstill Taxi Driver mit Robert De Niro und Jodie Foster (picture-alliance/United Archives/IFTN)

Früher Erfolg mit Robert De Niro und der blutjungen Jodie Foster: Taxi Driver

Neben seinem stets wachen Blick auf die moderne amerikanische Gesellschaft mit ihren sozialen Verwerfungen, Kriminalität und Gewalt im Besonderen, hat der Regisseur ein paar "Hobbys", denen er sich auch noch widmet: für Film- und Musikgeschichte interessiert sich der 1942 in New York geborene Amerikaner seit jeher. Und Scorsese bringt seine Themen beständig in seinen Filmen unter: das kriminelle Amerika im Großen und im Kleinen in seinen Mafiaepen, die Suche nach dem Sinn des Lebens in seinen Religionsfilmen, sein Interesse für Musik und Film in seinen Dokumentationen. Als Zuschauer spürt man dieses dringende Bedürfnis des Regisseurs Martin Scorsese, seine Geschichten dem Zuschauer mitzuteilen.

2.  Martin Scorsese versteht sein Handwerk

Interessante Geschichten im Kino zu erzählen, ist das eine. Aber natürlich kommt es auch auf das WIE an, auf die filmische Form. Da ist Scorsese ein Meister, ein echter Profi eben, man könnte auch sagen: ein begnadetet Handwerker. Wie er die Mittel des Kinos einsetzt, ist bei diesem Regisseur fast immer bestechend und überzeugend. In seinen Mafiafilmen stockt den Zuschauern der Atem ob der gewalttätigen Szenerie, seine Musikfilme bringen das Publikum zum Schwingen, seine eher komödiantischen zum Schmunzeln, seine religiös orientierten zum Nachdenken.

Jack Nicholson bei Dreharbeiten von Departed - Unter Feinden mit Michael Ballhaus und Martin Scorsese (picture-alliance/dpa)

Scorsese mit Könnern wie Kameramann Michael Ballhaus und Jack Nicholson, beim Dreh von "Departed"

Und Scorsese kann delegieren. Er lässt den an seinen Filmen beteiligten Künstlern viel Freiraum. Mit Schauspielern kann er umgehen, einige Auftritte von Robert De Niro oder die späteren von Leonardo DiCaprio sind legendär. Zu Kameramännern wie dem Deutschen Michael Ballhaus pflegte er eine jahrelange fruchtbare künstlerische Partnerschaft. Ebenso zu Filmkomponisten. Und zu seinen Schnittmeistern. Weil Scorsese akzeptiert, dass er nicht alles gleichzeitig beherrschen kann, sind viele seiner Filme ausgereift und perfekt.

3. Martin Scorsese hat vielfältige Interessen

Martin Scorsese lässt sich nicht festlegen. Nachdem er früh in seiner Karriere mit Filmen wie "Hexenkessel" und "Taxi Driver" als Chronist der gewalttätigen amerikanischen Gesellschaft auf sich aufmerksam gemacht hat, überraschte er sein Publikum mit einem Musikfilm wie "New York, New York". Dann präsentierte er auch komödiantisch orientierte Werke wie "King of Comedy" und "Die Zeit nach Mitternacht". 1988 verblüffter er mit "Die letzte Versuchung Christi" und im vergangenen Jahr mit "Silence". Scorsese wollte schließlich einmal Priester werden.

Filmstill aus New York, New York von Martin Scorsese mit Revueszene (picture alliance/dpa/Everett Collection)

Tanzt auf vielen filmischen Hochzeiten: Martin Scorsese, zum Beispiel in "New Yor, New York"

Neben seinen inzwischen 25 Spielfilmen hat Scorsese auch immer wieder Dokumentarfilme gedreht, vor allem solche, die sich seiner Leidenschaft Musik gewidmet haben. Bereits 1978 dokumentierte er das Abschiedskonzert der Bob-Dylan-Begleitcombo in "The Band", später folgten Filme über Dylan, die Rolling Stones und George Harrison. Auch die Kunst des Dokumentarfilms beherrscht der Amerikaner.

4. Martin Scorsese kennt die Filmgeschichte

Es ist ja kein Fehler, wenn ein Filmregisseur sich auskennt in der Geschichte seines Mediums. Manche Filmemacher, die viel wissen über Tradition und Filmkunst, über Kinogeschichte und große Regisseure, verlieren sich aber nicht selten in ihren Werken - durch zu viele Anspielungen und Verweise auf Früheres. Nicht so Scorsese. Er ist sich seiner Herkunft bewusst, kennt das amerikanische wie das europäische und auch das asiatische Kino - doch er demonstriert in seinen Filmen nicht sein Kinowissen. Scorsese pflegt seinen eigenen Stil.

Filmszene Silence Martin Scorsese Regie (2017 Concorde Filmverleih GmbH)

Blick zurück in die Filmgeschichte: Martin Scorsese, hier bei Dreharbeiten zu "Silence"

Seine enormen Kenntnisse der Filmgeschichte lagert er quasi aus. Seine beiden umfassenden Dokumentationen über das US-amerikanische ("Eine Reise durch den amerikanischen Film", 1995) und das italienische Kino ("Meine italienische Reise", 1999) sind herausragende Beispiele dafür, wie man sich seiner Kinoliebe nähern kann: mit Detailwissen und Emotion, mit Hingabe und klugen Analysen.

5. Martin Scorsese ist fleißig

Wo andere Regisseure sich mit 70 aufs Altenteil verlegen, da arbeitet Scorsese unermüdlich weiter. Dieser enorme Fleiß deutete sich schon früh an. Wie besessen arbeitet Scorsese für jedes seiner einzelnen Projekte. 25 zum Teil sehr aufwendige Spielfilme sind ja schon keine schlechte Ausbeute. Dazu kommen neun Dokumentation sowie Fernsehproduktionen, Kurzfilme, die Entwicklungen von TV-Serien.

Filmstill aus Wie ein wilder Stier mit Robert De Niro (Imago/United Archives)

Ausruhen ist nicht: Scorsese dreht auch mit 75 - Szene aus "Wie ein wilder Stier" mit Robert De Niro

Hinzu kommt sein unermüdliches Engagement für verblichene Schätze der Filmgeschichte. Weil er früh erkannt hatte, dass analoges Filmmaterial vom Verfall bedroht ist, gründete er verschiedene Institutionen, die ältere Kinofilme vor der Zerstörung retten. Er setzte sich insbesondere für den Farbfilm ein - was die Industrie mit der Entwicklung neuer Verfahren aufgriff. Er gründete 1980 mit anderen Regisseuren die "Film Foundation" und 2007 die "World Cinema Foundation", zwei Institutionen, die sich der Restaurierung und der Wiederentdeckung von Filmklassikern widmen.

Und: ein nächster Martin-Scorsese-Film ist auch in Aussicht. Mit seinem alten Partner Robert De Niro sowie mit Al Pacino plant der Regisseur wieder einen Mafia-Film. "The Irishman" soll 2019 fertig werden. Ob er auch auf großer Leinwand zu sehen sein wird, ist allerdings noch nicht sicher. Möglicherweise wird "The Irishman" beim beim Streaming-Anbieter "Netflix" gezeigt.

 

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