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Kultur

Zum 65. Mal: Der Bundespresseball 2016

Es ist einer der gesellschaftlichen Höhepunkte im Hauptstadt-Jahr. Mehr als 2500 Politiker, Journalisten und Prominente kamen ins noble Hotel Adlon nach Berlin – nicht nur, um zu tanzen. Sehen und gesehen werden ...

Deutschland Bundespresseball im Hotel Adlon in Berlin (picture-alliance/dpa/W. Kumm)

Auf dem Weg zum Tanzparkett: Bundesinnenminister Thomas de Maiziere, seine Frau Martina (ganz rechts) neben Bundespräsident Joachim Gauck und seiner Lebensgefährtin Daniela Schadt

Joachim Gauck kommt gern zum Bundespresseball: "Es ist interessant zu sehen, dass man es trotz großer Probleme tatsächlich schafft, dass man sich hier trifft und feiert", so der amtierende Bundespräsident. "Das dürfen wir uns auch nicht nehmen lassen - trotz allem, was um uns herum passiert." Seine Lebensgefährtin Daniela Schadt deutet an, was mit diesem "um uns herum" gemeint sein könnte: "Es sind ernste Zeiten. Man kann feiern – sollte aber im Hinterkopf behalten, dass es Pressevertreter gibt, denen es nicht so gut geht." Die Einnahmen aus der diesjährigen Tombola sollen hilfsbedürftige Journalisten unterstützen.

Deutschland Bundespresseball Hotel Adlon Berlin - Claudia Roth (Getty Images/C. Billan)

Claudia Roth, Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages

Dass die 65. Ausgabe wahrscheinlich ihr letzter Bundespresseball als offizielle "First Lady" und Tanzpartnerin eines amtierenden Bundespräsidenten sein wird, macht Daniela Schadt nichts aus: "Es ist ja auch gut, dass mal was Neues kommt." Es sei zwar "leicht, ein bisschen melancholisch zu werden". Anderseits habe man es "bei den ganzen Angeboten leicht, sich abzulenken." Das stimmt wohl: Im Hotel Adlon am Pariser Platz, in Sichtweite des Brandenburger Tors, sorgen verschiedene Bands für die passende Tanzmusik. Die Auswahl reicht vom Rock'n'Roll der 50er bis zu "modernen Beats" der Gegenwart.

Bevor es auf die Tanzfläche geht, ist natürlich auch für das leibliche Wohl auf hohem Niveau gesorgt. Mit Blick auf Gauck, verrät Zwei-Sterne-Küchenchef Hendrik Otto, dass es Niederauer Kartoffeln gibt. "Weil wir gehört haben, dass der Bundespräsident sehr gerne Bratkartoffeln isst".

Gauck, der Tänzer

Auf die Frage der DW, ob ihr Lebensgefährte ein guter Tänzer sei, antwortet Daniela Schadt, ohne zu zögern: "Selbstverständlich!" Beim Eröffnungs-Walzer muss sie allerdings noch auf ihren Tanzpartner verzichten – den absolviert das Staatsoberhaupt traditionell mit der Frau des Vorsitzenden der Bundespressekonferenz. 

Der erste Tanz des Abends war allerdings einen kurzen Moment in Gefahr. "Nach einem kleinen gesundheitlichen Missgeschick" sei er froh, dass er es überhaupt geschafft habe herzukommen, so der Bundespräsident.  Er freue sich vor allem auf gute Gespräche. An seinem Tisch sitze zum Beispiel der französische Botschafter. "Ich hoffe, dass wir nicht den ganzen Abend über die Wahl in Frankreich sprechen", sagt Gauck der DW mit einem Augenzwinkern. "Vielleicht werden wir auch irgendwann wegkommen von der Politik", hofft das deutsche Staatsoberhaupt.

Deutschland Bundespresseball Hotel Adlon Berlin - Bundespräsident Gauck, DW Interview (DW)

Bundespräsident Gauck im Gespräch mit der DW

Das gleiche wünscht er sich scheinbar für seine Gespräche mit den Medienvertretern – Veranstalter des Bundespresseballs ist die Bundespressekonferenz (BPK), ein Verein von in Berlin und Bonn tätigen Journalisten. Für die Gastgeber findet Gauck an diesem Abend warme Worte: "Wir haben wunderbare Medien. Und wir haben auch mal das Recht, uns entspannt miteinander zu freuen."

Die Deutsche Welle ist Medienpartner des Bundespresseballs - und berichtet live über die sozialen Medien Facebook und Twitter. "Facebook ist eine der großen Vertriebswege der Deutschen Welle", so DW-Intendant Peter Limbourg. "Wir sind froh, dass wir zusätzliche Ausspielwege haben, die wir früher nicht hatten. Da hatten wir nur Kurzwellenradio, Fernsehen und Online."

Deutschland Bundespresseball Hotel Adlon Berlin - Sänger Rea Garvey (DW)

Sänger Rea Garvey mit Begleitung

Auch Manuela Schwesig, die Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, istauf Facebook und Twitter unterwegs, erzählt sie der DW am roten Teppich. Ihr Kollege, Bundesinnenminister Thomas de Maizière (im Artikelbild links), verzichtet persönlich noch auf einen eigenen Account. Der Bundespresseball, verrät er der DW, sei "zwar auch ein bisschen Dienst" für ihn als Bundesminister. Er freue sich aber, sich mit seinen Kollegen mal nicht über Politik unterhalten zu können: "Wir reden viel über Politik, manchmal zu viel. Der heutige Abend ist ein Anlass, das mal anders zu machen."

Kanzlerin Merkel muss arbeiten

Der Abend ist auf jeden Fall auch ein Anlass, sich in Schale zu schmeißen: Claudia Roth, die Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages, erscheint im langen violett-roten Abendkleid. Verkehrsminister Alexander Dobrindt entscheidet sich für einen dunkel schimmernden Anzug. Rund 2500 Gäste aus Politik, Wirtschaft und Kultur sind zum Bundespresseball eingeladen worden. Die Regierungschefin, Bundeskanzlerin Angela Merkel, fehlt allerdings. "Die Kanzlerin ist bei einer Regionalkonferenz ihrer Partei. Sie wünscht uns sicher allen einen schönen Abend", lässt Regierungssprecher Steffen Seibert ausrichten.

Deutschland Bundespresseball Hotel Adlon Berlin - Fußballspieler Arne Friedrich (DW)

Ex-Nationalspieler Arne Friedrich

Nicht nur Politiker und Journalisten sind zum Ball gekommen, auch Sportler sind gern gesehene Gäste. Der ehemalige deutsche Fußballnationalspieler Arne Friedrich äußert sich am roten Teppich zur Entlassung seines ehemaligen Trainers Jürgen Klinsmann als Coach der amerikanischen Fußballnationalmannschaft: "Das sind die Regeln des Fußballs. Der Trainer ist oft der, der zuerst entlassen wird. Ich hätte mich gefreut, wenn er die Chance bekommen hätte, weiterzumachen. Jürgen ist ein toller Mensch, er weiß, wie das Geschäft läuft. Er wird bestimmt wieder einen guten Job finden."

Die Gala im Look der sechziger Jahre stand unter dem Motto "Rückblick und Zeitreise". Auch die Schauspielerin Uschi Glas ist gekommen, nach längerer Zeit mal wieder: "Ich war 1969 das erste Mal da, da waren Sie alle noch nicht auf der Welt. Das war damals alles noch viel kleiner und längst nicht so abgesichert. Das war eher wie so ein kleines privates Fest." Vor 47 Jahren hatte Uschi Glas noch mit dem damaligen CDU/CSU-Fraktionsvorsitzendem Rainer Barzel getanzt.

Der erste Bundespresseball fand 1951 im Bundeshaus in Bonn statt. In den Jahren danach zog die Veranstaltung ins Kurhaus Bad Neuenahr um, bevor es 1959 nach Bonn zurückging. 1999 folgte der Bundespresseball dann der Regierung in die neue Hauptstadt Berlin. Dort fand das Event zunächst im Hotel InterContinental statt, im Jahr 2014 dann erstmals im Flughafen Berlin-Tempelhof. Seit 2015 wird jetzt im Hotel Adlon getanzt.

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