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Amerika

Zukünftige Notenbankchefin verteidigt laxe Geldpolitik

Die als neue Fed-Chefin nominierte Janet Yellen machte vor dem Bankenausschuss klar: Es bleibt bei der Politik des billigen Geldes. Obwohl sie die Mehrheit wohl von sich überzeugt hat, trauen ihr nicht alle über den Weg.

Auf den Gegenwind im Kreuzverhör war Janet Yellen gefasst. Mit der ihr eigenen unbeirrbaren Ruhe steuerte die designierte Fed-Chefin durch die Angriffswellen ihrer Kritiker. Die 67-Jährige machte den Senatoren klar: Arbeitsplätze haben für sie eindeutig Priorität vor Geldstabilität. Ihre Kritiker bringen die "Taube" also nicht vom Kurs - so werden im Banker-Jargon gerne die Verfechter einer lockeren Geldpolitik genannt.

"Wir haben große Fortschritte gemacht, aber wir müssen weiter gehen, um den Boden zurückzugewinnen, den wir in der Krise und der Rezession verloren haben", erklärte die gegenwärtige Vizechefin der Fed am Donnerstag vor dem Bankenausschuss des US-Senats. Die Arbeitslosigkeit sei mit 7,3 Prozent noch immer zu hoch. "Aus diesem Grund nutzt die Notenbank ihre geldpolitischen Werkzeuge, um eine robustere Erholung anzustoßen", sagte Yellen.

Hardliner können Yellens Einstellung nicht nachvollziehen

Vize-Notenbankchefin Janet Yellen vor dem Bankenausschus des US-Senats Foto: REUTERS/Jason Reed

Janet Yellen soll Ben Bernanke im Februar ablösen

Derzeit kauft die Notenbank monatlich Anleihen im Wert von 85 Milliarden Dollar (63 Mrd. Euro), um die langfristigen Zinsen niedrig zu halten. Der Leitzins in den Vereinigten Staaten verharrt seit Ende 2008 auf dem Rekordtief von null bis 0,25 Prozent. Eine Praxis, die vor allem aus den Reihen der Republikaner heftig kritisiert wird. Deren "Falken" für eine Inflations-hemmende Geldpolitik hacken seit Yellens Nominierung durch Präsident Obama am 9. Oktober auf der geldpolitischen "Taube" herum.

"Haben sie irgendwann in der Geschichte schon einmal solch eine Herangehensweise der Fed erlebt?", grillte sie der konservative Senator Richard Shelby? Nein, das habe sie nicht, musste Yellen zugeben. "Eine starke Erholung wird die Fed in die Lage versetzen, ihre unkonventionellen geldpolitischen Werkzeuge wie den Kauf von Anlagen zu reduzieren", verteidigte sie ihre Linie. Zugleich liege die Inflationsrate unterhalb des Zielwerts der Notenbank von zwei Prozent. Daran dürfte sich so schnell nichts ändern, schätzt die 67-Jährige.

Damit bestätigte Yellen die Einschätzung von Finanzinvestoren, dass sie den ultralockeren geldpolitischen Kurs ihres Vorgängers Ben Bernanke unbeirrt fortsetzen will. Gegner dieser Politik, wie etwa Tea-Party-Senator Rand Paul haben daher Widerstand gegen ihre Bestätigung angekündigt. Sie gilt jedoch als unbestritten. Nach der Vorabstimmung im Bankenausschuss muss allerdings noch der gesamte Senat abstimmen. 60 Stimmen sind notwendig, um Yellen zu bestätigen.

Republikaner kritiseren verschleiert die eigenen Fehler

Senator Rand in National Harbor, Maryland Foto: Ron Sachs / CNP

Rand Paul fordert von der Fed mehr Transparenz

Der Republikaner Paul hatte erklärt, er werde dies so lange blockieren bis die designierte Fed-Chefin einer größeren Transparenz in ihrer Geldpolitik zustimme. Solche Drohungen wertet der Wirtschaftsexperte des Washingtoner Peterson Instituts für Internationale Wirtschaft, Jacob Kirkegaard, als "politisches Theater". Pauls Absicht sei es, Yellens Bestätigung mit einem Gesetz zu verbinden, dem Federal Reserve Accountability Act. "In der Essenz ist es die Forderung, dass der Kongress und damit die Öffentlichkeit immer über die Geschäftspartner der Fed informiert ist.” Damit solle etwa verhindert werden, dass die Notenbank wiederhole, was sie in der großen Finanzkrise 2008 getan habe - nämlich Großbanken wie JP Morgan oder Goldman Sachs gerettet.

Die Forderung sei scheinheilig, meint Kirkegaard. "Gerade Yellen war stets eine starke Verfechterin einer strengen Regulierung der Finanzindustrie", so der Wirtschaftsexperte. "Sie war eine der ersten, die bereits 2005 vor der Immobilienblase warnte. Und das verrückte ist, dass viele der Regulierungen, die das Platzen der Blase hätten verhindern können, ausgerechnet von den Republikanern im Kongress beseitigt wurden."

Jacob Kirkegaard, Peterson Institute for International Economics Foto: Peter G. Peterson Institute for International Economics

Wirtschaftsexperte Kirkegaard: Das ist nur politisches Theater

Es sei ironisch, dass Yellen nun gerade von denjenigen beschuldigt werde, Fed-Praktiken zu verschleiern, die die Kontrollmechanismen beseitigt hätten.

Im Oktober hatte die US-Notenbank Beobachter wie Investoren vor den Kopf gestoßen, als sie entgegen aller Erwartungen die geldpolitische Wende abblies. Kirkegaard rechnet damit, dass es damit auch noch eine Weile dauern könnte. "Vielleicht bis zum März 2014, wenn Janet Yellen ihre erste Vorstandssitzung der Fed leitet", meint er. "Auf keinen Fall noch in diesem Jahr."

Erste Reaktionen auf dem Markt schienen diese Prognose zu unterstreichen. Nachdem Yellens Statement bereits am Vorabend vorab durch die US-Medien gesickert war, wurde der US-Dollar spürbar belastet. Amerikanische Staatsanleihen legten zu.

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