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Kultur

Zugunglücke: Trauer in China, Spurensuche in Deutschland

Während China die Opfer des schwersten Zugunglücks seit zehn Jahren beklagt, geht in Deutschland die Spurensuche weiter. Noch ist unklar, wie die Schafe vor den Fuldaer Tunnel kamen, in dem ein ICE entgleiste.

Helfer tragen die Reste eines Waggons weg, der entgleiste - dpa

Helfer tragen die Reste eines Waggons weg, der entgleiste

Bei einem Zusammenstoß von zwei Passagierzügen sind am Montag (28.04.2008) in Ostchina mindestens 70 Menschen ums Leben gekommen und mehrere hundert verletzt worden. Es sei das schwerste Zugunglück seit mehr als zehn Jahren, berichtete die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua. Ein Schnellzug von Peking in die Hafenstadt Qingdao sei ersten Untersuchungen zufolge mit überhöhter Geschwindigkeit gefahren, entgleist und mit einem anderen Zug kollidiert. Statt der zugelassenen 80 Stundenkilometer sei er vor dem Unfall mit 131 Stundenkilometern über die Schienen gerast.

Das Unglück geschah auf einer alten Trasse zwischen Qingdao und der Provinzhauptstadt Jinan. Die Strecke soll vor den Olympischen Spielen im Sommer in Peking für den Passagierverkehr gesperrt werden. Eine Hochgeschwindigkeitsstrecke von Peking in die Hafenstadt soll Ende Mai fertig werden. In Qingdao finden die olympischen Segelwettbewerbe statt. Zu den Verletzten gehörten vier Franzosen, die mit Knochenbrüchen ins Krankenhaus kamen. Es seien aber keine Ausländer ums Leben gekommen. Mindestens 51 Passagiere befanden sich in kritischem Zustand.

Reisende im Schlaf überrascht

Kollision der Passagierzüge - AP

Mindestens 70 Tote forderte die Kollision der Passagierzüge

Das Unglück ereignete sich am Morgen um 4:41 Uhr (Ortszeit) in der Provinz Shandong, rund 70 Kilometer von Jinan entfernt. Insgesamt seien mindestens acht Wagen des Schnellzuges aus Peking sowie vier Waggons des zweiten Zugs entgleist. Für den Unfall machten die Behörden menschliches Versagen verantwortlich, ohne Details zu nennen. Augenzeugen berichteten Xinhua zufolge von Passagieren, die aus den Fenstern der entgleisten Waggons krochen und sich mit Bettwäsche aus den Schlafwagen gegen die Morgenkälte schützten. Auf dem Boden um die schwer beschädigten Waggons herum hätten zerbrochene Thermosflaschen und blutige Laken gelegen.

Eine 38-jährige Frau und ihre 13 Jahre alte Tochter berichteten, sie hätten zum Zeitpunkt des Unglücks wie die meisten Passagiere noch geschlafen. "Ich wachte plötzlich auf, als ich merkte, dass der Zug mit einem Ruck zum Stehen kam. Nach ein oder zwei Minuten ging es weiter, aber kurz darauf stürzte der Zug um", erzählte die Frau. 1700 Soldaten und Reservisten seien an den Unglücksort entsandt worden, schreibt Xinhua.

Zwei Eisenbahnfunktionäre aus der Provinzhauptstadt wurden entlassen. Es sei schon das zweite schwere Zugunglück in der Provinz Shandong in diesem Jahr. Im Januar hatte ein Schnellzug eine Gruppe Gleisarbeiter überfahren. Dabei kamen 18 Menschen ums Leben, neun wurden verletzt.

Mehdorn: Tunnel sind sicher

Im Landrückentunnel bei Kalbach (Landkreis Fulda) entgleiste der ICE - dpa

Aufräumarbeiten: Im Landrückentunnel bei Kalbach (Landkreis Fulda) entgleiste der ICE

In Deutschland ging die Spurensuche nach dem schweren ICE-Unglück mit 19 Verletzten weiter: Es ist immer noch ungeklärt, wie die Schafherde auf die Gleise vor dem Eisenbahntunnel bei Fulda kam, in dem der ICE zum Stehen kam. Es gebe noch keine gesicherten Erkenntnisse, sagte ein Sprecher der Bundespolizei. Am Samstagabend war der Schnellzug von Hamburg nach München an der Einfahrt des fast elf Kilometer langen Landrückentunnels mit mehr als 220 Stundenkilometern in die Herde gerast und entgleist.

Bahnchef Hartmut Mehdorn hat nach dem Unfall weitere Untersuchungen angekündigt. Das Unfall-Management am Ort habe funktioniert, auch wenn ein "verrückter" Vorfall wie eine Schafherde im Tunnel eigentlich kaum zu erwarten gewesen sei, sagte er am Montag in Berlin. Die Tunnel und die Bahn seien grundsätzlich sicher.

Verzögerungen auf Strecke München-Hamburg

Rettungskräfte im Einsatz: 19 Menschen wurden verletzt - dpa

Rettungskräfte im Einsatz: 19 Menschen wurden verletzt

Nach dem Unglück waren Arbeiter der Bahn am Unfallort in Kalbach bei Fulda damit beschäftigt, mit Kranwagen die demolierten Waggons zu bergen. Der Sachschaden betrage "viele Millionen Euro", sagte ein Sprecher der Deutschen Bahn. Die Strecke bleibe gesperrt. Die Fahrgäste müssten bei der Fahrt von Hamburg nach München noch viele Tage durch Umleitungen mit Verzögerungen von rund 30 Minuten rechnen.

Der Schäfer, dem die Tiere gehören, wurde am Montag erneut von der Bundespolizei verhört. Die Schafherde, die am Samstag den Unfall verursacht hatte, muss nach Ansicht des hessischen Schafzüchterverbandes zu dem Tunnel getrieben worden sein - etwa durch Hunde, wie das ZDF bereits berichtete. Der Züchter der Herde, von der bei dem Unfall mindestens 20 Tiere getötet wurden, hatte nach Angaben des Verbandes bereits vor zehn Jahren eine Sicherung des Tunneleingangs beantragt. Der Antrag sei aber aus Kostengründen abgelehnt worden. (tos)

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