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Kultur

Zugunglück mit mehr als 100 Toten in Pakistan

Bei einem Zugunglück in Pakistan sind mindestens 118 Menschen getötet worden. Nach Angaben von Bahnbeamten könnte die Zahl auf 200 steigen. Die Bahngesellschaft macht einen der Lokführer verantwortlich.

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Bei dem Unfall entgleisten 19 Waggons

Ein fehlendes oder missachtetes Signal hat am Dienstag (12.7.2005) in Pakistan eine tödliche Kettenreaktion ausgelöst: Drei Personenzüge kollidierten in einem abgelegenen Bahnhof im Süden des Landes. Aus den 19 entgleisten Waggons bargen Einsatzkräfte bislang 118 Tote. "Ich kann noch keine genaue Zahl nennen, weil noch einige Tote in den Wracks sind; aber die Zahl wird zwischen 120 und 150 liegen", sagte der örtliche Polizeichef Agha Mohammad Tahir. Bahnbeamte rechneten mit bis zu 200 Todesopfern. Mehrere hundert sollen verletzt worden sein. Die Katastrophe ereignete sich in der Nähe von Ghotki in der südlichen Provinz Sindh, rund 600 Kilometer nordöstlich von Karachi.

Technischer oder menschlicher Fehler?

Der Lokführer des Schnellzugs von Lahore nach Karachi habe ein rotes Stopp-Signal missachtet und sei so auf den stehenden Personenzug nach Quetta aufgefahren, teilte der Direktor der Bahngesellschaft Pakistan Railways, Abdul Wahab Awan, mit. Dabei wurden drei Wagen auf ein anderes Gleis geschoben. Als die Passagiere aus den beschädigten Waggons aussteigen wollten, raste ein dritter Zug in die Unglücksstelle hinein, der aus der Hafenstadt Karachi kam. Der verantwortliche Lokführer starb bei dem Unfall. "Wir wissen, dass es kein technischer Fehler war, sondern menschliches Versagen", sagte der Direktor. Ein Sprecher der Provinz Sindh sprach indessen von "Nachlässigkeit": "Wie kann es sein, dass es zwei Zügen gestattet wird, auf dem gleichen Gleis zu fahren?" Pakistans Präsident Pervez Musharraf ordnete eine Untersuchung an. Das Unglück sei nicht auf Sabotage zurückzuführen, sondern auf einen Unfall, sagte Musharraf. Er bestätigte den Tod von 107 Menschen und sprach von mindestens 135 Schwerverletzten.

"Grauenhafte Situation"

Zugunglück in Pakistan

Wracks nach dem Unfall in der pakistanischen Provinz Sindh

Ein Militärsprecher teilte mit, Truppen hätten die Unglücksstelle erreicht, um die Rettungsarbeiten zu unterstützen. Der örtliche Polizeichef Agha Mohammed Tahir sprach von einer "grauenhaften Situation". An der Unglücksstelle seien Metallstücke, Glassplitter und Körperteile verstreut. Die Helfer müssten die Wagen teilweise aufschneiden, um zu den eingeschlossenen Fahrgästen vorzudringen.

Im Schlaf überrascht

"Wir schliefen und wurden von einem lauten Knall geweckt", sagte die 22-jährige Suraya, die das Unglück überlebte. "Ich fiel auf den Boden. Dann hörte ich die Schreie." Naveed Zubairi wurde nur leicht verletzt. Er reiste mit seiner Familie nach Karachi und beschreibt die Szenen der Verzweiflung nach der Kollision: "Meine Kinder schrien im Dunkeln. Mit meinem Mobiltelefon leuchtete ich die Umgebung ab. Es gab Verletzte. Ich stieg aus dem Wagen. Vier Wagen eines anderen Zuges lagen auf dem Nachbargleis auf der Seite, und die Leute darin riefen um Hilfe. Sie schlugen Fenster ein, um herauszukommen."

Technisch veraltet

Die pakistanische Eisenbahn gilt als technisch veraltet. Wiederholt kam es in der Vergangenheit zu Zugunglücken, die auf Materialdefekte oder menschliches Versagen zurückgeführt wurden. Im Dezember 1989 kamen bei Sangi, 60 Kilometer von Ghotki entfernt, 400 Zugfahrgäste ums Leben. Zuletzt wurden am 5. März dieses Jahres fünf Menschen tödlich verletzt, weil ein Zug in der Provinz Punjab entgleiste. (stu)