Zug entfacht neuen Zoff zwischen Serbien und Kosovo | Aktuell Europa | DW | 14.01.2017
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Europa

Zug entfacht neuen Zoff zwischen Serbien und Kosovo

Nach 18-jähriger Unterbrechung wollte Serbien den Zugverkehr in das Kosovo wiederaufnehmen - mit einem Propagandazug. Die Regierung in Pristina sprach von einer Provokation - ihre Reaktion war ebenfalls provozierend.

Erstmals seit dem Kosovo-Krieg 1998/99 startete am Samstagmorgen ein Zug vom Hauptbahnhof in Belgrad in Richtung Kosovo, lackiert in den serbischen Nationalfarben und mit der Aufschrift "Kosovo ist Serbien" in 20 Sprachen, darunter auch in Albanisch. Ziel war die Stadt Kosovska Mitrovica im serbisch dominierten nördlichen Teil der ehemaligen Teilregion Serbiens.

Serbischer Zug an Grenze gestoppt

Dort kam der Zug jedoch nicht an. Albanische Polizisten mit Gewehren und gepanzerten Fahrzeugen hätten die Weiterfahrt des Zuges über die Grenze verhindert, kritisierte der serbische Regierungschef Aleksandar Vucic vor der Presse in Belgrad. Es hätten sich "fast unglaubliche Dinge ereignet". Die Albaner hätten versucht, die Gleise mit Sprengstoff zu versehen. Zuvor hatte die kosovarische Regierung in Pristina an die EU appeliert, "diesen illegalen Zug zu stoppen". Stein des Anstoßes war auch die Ausstattung des Zuges mit Fotos von Ikonen aus serbisch-orthodoxen Klöstern im Kosovo.

Der Chef der serbischen Regierungsbehörde für das Kosovo, Marko Djuric, bezeichnete den Zug als "eine mobile Ausstellung unseres kulturellen Erbes". "Ich kann nicht verstehen, warum etwas, was zum Weltkulturerbe zählt, als Provokation empfunden wird", sagte Djuric. Es handele sich um eine Einmischung, "die unsere Souveränität bedroht und beweist, dass Serbien das Kosovo destabilisieren will", erklärte dagegen die kosovarische Beauftragte für Verhandlungen mit Serbien, Edita Tahiri.

Weiterer Streitpunkt zwischen Pristina und Belgrad

Im Jahr 2008 hatte sich das zu mehr als 90 Prozent von ethnischen Albanern bewohnte Kosovo einseitig für unabhängig von Serbien erklärt. Zuvor hatte es seit dem Kosovo-Krieg der Jahre 1998 und 1999, bei dem 13.000 Menschen starben, unter internationale Verwaltung gestanden. Die serbische Regierung und die Kosovo-Serben erkennen die Unabhängigkeit nach wie vor nicht an.

Die Normalisierung der Beziehungen zwischen Pristina und Belgrad ist jedoch Voraussetzung für den von Serbien angestrebten Beitritt zur Europäischen Union. Auch das Kosovo bemüht sich um die Aufnahme in die EU. Mit dem Zug zwischen Belgrad und Kosovska Mitrovica ist nun ein weiterer Streitpunkt hinzugekommen. Aus Belgrad hieß es, dass nach einer Probephase ein regelmäßiger Zugverkehr aufgenommen werden solle.

ww/pg (afp, ap, dpa)