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Politik

Zuckerbrot und Zankapfel

Seltsam: Seit Monaten steigt der einst belächelte Außenwert des Euro. Wird die ungeliebte Gemeinschaftswährung doch noch ein Erfolg? DW-TV-Korrespondent Alexander Kudascheff hat sich so seine Gedanken gemacht.

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Ohne Frage: Der Euro setzt sich langsam auf den Devisenmärkten durch. Die Parität zur Weltleitwährung, dem Dollar, war schon erreicht. Jetzt rangiert die europäische Gemeinschaftswährung knapp darunter. Die Anleger vertrauen ihm. Und so werden in absehbarer Zeit zehn asiatische Länder paritätisch ihre Devisenreserven in Euro anlegen. Soweit Euro, so gut.

Und selbst im Inneren der EU gewinnt der Euro - lange Zeit also Teuro zu Recht kritisiert - immer mehr Anerkennung. Die Menschen gewöhnen sich zunehmend an ihn. Und seine Strahlkraft reicht inzwischen auch in die drei "Euro?!-Nein-Danke!"-Länder der europäischen Gemeinschaft. Schweden ist gedanklich bereits auf dem Weg ins gelobte Euro-Land, Blair scheint entschlossen, den Briten die Euro-Kur schmackhaft zu machen. Bleiben die Dänen. Sie sind eigenwillig, werden aber nicht abseits stehen wollen - so glauvben es jedenfalls die europäischen Brufsoptimisten in Brüssel. Pessimisten, Skeptiker und Dänenkenner allerdings können sich sehr wohl vorstellen, dass Kopenhagen behaglich im Euro-Abseits bleibt. Aber die Verweigerungshaltung wird immer schwieriger.

Doch gerade in dem Moment, in dem der Euro kräftiger wird, seine Rolle zunehmend als zweitwichtigste Reservewährung der Welt zu spielen beginnt, vielleicht sogar dem Dollar Konkurrenz machen könnte, in diesem Augenblick verabschieden sich einige Länder vom Stabilitätspakt. Plötzlich soll jenes ökonomische Gerüst nicht mehr gelten, das die Stabilität des Euro ausmacht und das man kurz beschreiben kann mit dem Satz: Der Staat im Euro-Zeitalter gibt nicht mehr Geld aus, als er einnimmt. Alle verhalten sich so vernünftig und federn damit mögliche Risiken ab. Alle streben nach einem ausgeglichenen Haushalt.

Und wirklich: acht von zwölf haben dies geschafft, darunter so notorische Schuldenmacher wie Belgien. Vier allerdings haben dieses Ziel bisher verfehlt : Deutschland, Italien, Frankreich und Portugal - also drei große Nationalökonomien und ein kleines Land. Portugal hat schlecht unter den Sozialisten gewirtschaft - und die Konservativen stehen jetzt im Stabilitätsregen. Deutschland befindet sich geradezu im Insolvenzverfahren, Italien betreibt eine völlig undurchsichtige Etatpolitik.

Bleiben die stolzen Franzosen. Sie haben zwar doppelt soviel Wirtschaftswachstum wie Deutschland, aber für sie existiert der Stabilitätspakt gar nicht. Defizitkriterium bei drei Prozent - eine quantite negligeable. Ausgeglichener Haushalt - 2004, spätestens 2006 - pourqoi, also warum? Paris macht, was es in seinem Interesse für richtig und wichtig hält. Und dazu zählt Sparen im Moment nicht. Das aber gefährdet die Erfolgsgeschichte des Euro. Marianne in Frankreich - das ist die Quintessenz der Gemeinschaftswährung - kann den Euro nicht mehr so ausgeben wie weiland den Franc. Also gilt: Franzosen, höret die Signale ..!