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Politik

"Zuckerbrot und Peitsche"

Die arabische Presse beschäftigt sich am Sonntag vor allem mit den langfristigen Folgen des Kriegs im Irak. Kritisiert wird auch die Berichterstattung arabischer Fernsehsender.

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Die regierungsnahe palästinensische Zeitung AL-KUDS schreibt:

"An der Propaganda- und Verfälschungskampagne beteiligen sich auch Satellitensender, die sich als arabische Sender bezeichnen. In Wirklichkeit sind sie ein Teil des amerikanischen Apparats der psychologischen Kriegsführung. Hierbei werden Werte und Begriffe verdreht. Sie nennen zum Beispiel die jetzige Offensive gegen den Irak einen Feldzug zur Befreiung des Iraks. Dies ist eine obszöne Bezeichnung und sie zeigt, wie unmoralisch diejenigen sind, die an diesem psychologischen Krieg teilnehmen. Die Geschichte der Eroberer kennt bisher keine Eroberer, die sich als "Befreier des eroberten Landes" bezeichnen. Selbst Israel hat seine Besetzung der palästinensischen Gebiete nie als Befreiung der Palästinenser bezeichnet."

Die konservative saudische Zeitung ASCHAQ AL-AUSAT warnt vor der Beteiligung anderer Staaten am Einmarsch in den Irak.

"Die Amerikaner sind verantwortlich für die territoriale Einheit des Irak - auch gegenüber den Interessen anderer Staaten. Der Irak wird in den nächsten Wochen und Monaten wie ein Kadaver die Aasfresser von überall anlocken. Da die USA alleine - ohne die UNO - die Entwaffnung Saddam Husseins und die Beseitigung seines wurmstichigen Regimes vollziehen wollten, haften sie jetzt für alles, was in diesem Land passiert. Die Amerikaner sind bisher allein auf Bagdad fixiert. Doch die Zukunft anderer Regionen des Irak ist nicht weniger brisant, wie beispielsweise die Äußerungen der fundamentalistischen Organisation "Ansar Al-Islam" im Nord-Irak zeigen."

Die unabhängige libanesische Zeitung AN-NAHAR stellt die Frage: "Was kommt nach der Entmachtung von Saddam Hussein?" Sie schreibt:

"Amerika betreibt eine Politik von Zuckerbrot und Peitsche: Die Peitsche ist die militärische Lösung der Irak-Frage, das Zuckerbrot eine politische Lösung der Palästina-Frage. Es besteht kein Zweifel: Der Palästina-Konflikt ist unmittelbar mit dem Irak-Krieg verknüpft. Folge dieses Krieges wird nicht nur eine Neuordnung des Irak sein, sondern eine Neuordnung der gesamten Region Nahost. Es ist kein Zufall, dass Abu Mazen unmittelbar vor Beginn des Krieges als Ministerpräsident der palästinensischen Autonomiebehörde eingesetzt wurde. Die USA haben sich entschlossen, den gesamten arabischen Raum zu befrieden. Die "Road Map" für den gesamten Nahen Osten führt über Bagdad."

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