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Welt

Zucker im Tank - Südafrikas Dilemma mit dem Biosprit

Zuckerrohrfelder säumen die Küste von Südafrikas Provinz KwaZulu-Natal, Maisfelder bedecken im Landesinnern die rote afrikanische Erde. Ihr Ertrag soll der Energiegewinnung, aber auch der Ernährung Südafrikas dienen.

Blick über Landschaft inSpdafrika;Zuckerrohrfelder in KwaZulu-Natal

Zuckerrohrfelder in KwaZulu-Natal, Südafrika

Brasilien hat es vorgemacht: die Produktion von Bioethanol kann zu einer wichtigen Einkommensquelle für ein Land werden. Bioethanol kann Benzin ersetzen – oder ihm zumindest beigemischt werden. Wenn Südafrika diesem Vorbild nacheifert, könnte es unabhängiger werden von Ölimporten. Fünf Prozent des landeseigenen Treibstoffbedarfs sollten in Zukunft auf den Feldern produziert werden. So hatte es die Regierung zunächst geplant. Doch dann trat eine Entwicklung ein, mit der niemand gerechnet hatte.

Leere Einkaufstaschen – leere Mägen

A woman carries a bag of oranges on her head as she attends a gathering in Pretoria, South Africa, as thousands of people, marched to government headquarters Wednesday Aug. 9, 2006, in a festive re-enactment of a famed anti-apartheid protest by women against the old regime's racial segregation policies 50 years ago. The anniversary celebrations were tinged by the recognition that women in the new democratic South Africa are the worst hit by poverty, bear the brunt of the HIV/AIDS crisis and suffer from the world's highest rates of domestic violence and rape. (AP Photo/Denis Farrell)

Lebensmittel werden immer teurer

„Ich bin ganz verwirrt“, sagt eine alte Frau auf dem Markt des Dorfes Kranskop. „Ich wollte einkaufen gehen, aber die Preise sind so hoch, dass ich jetzt mit leeren Händen zurückkomme.“ In den letzten Monaten sind nicht nur in Südafrika die Preise für Lebensmittel explodiert. Einer der Gründe ist vermutlich – die Experten streiten noch -, dass weltweit immer mehr Biosprit aus Getreide hergestellt wird. Das treibt den Preis für Mais, Grundnahrungsmittel der meisten Südafrikaner, in die Höhe.

Lebensmittelversorgung hat Priorität

Maisfeld in Südafrika

Maisfeld in Südafrika

„Wir sind direkt an den Weltmarkt gekoppelt“, sagt ein Maisbauer in Südafrika. Steigt in den USA der Maispreis, so steigt er auch in Südafrika. Wenn Südafrika nun massiv in die Biospritproduktion einsteigen würde, dann könnten die Preise zusätzlichen Auftrieb bekommen. „Wir werden keine Kompromisse bei der Lebensmittelversorgung machen, nur des Biosprits wegen“, erklärt Mtholephi Mthimkhulu, Landwirtschaftsminister der Provinz KwaZulu-Natal. Statt von fünf Prozent spricht die Regierung nun von zwei Prozent Biosprit-Anteil am Treibstoffverbrauch des Landes.

Ethanol statt Paraffin

„Es sind die Armen, die vom Bioethanol profitieren“, glaubt hingegen Morland Matthews. Er stellt aus Mais Bioethanol-Gel her, mit dem Haushalte ohne Gas- und Stromanschluss einfache Kocher und Heißwasser-Boiler betreiben können. Bisher verwenden die meisten armen Südafrikaner Paraffin, das aus Erdöl gewonnen wird. Die Brandgefahr ist groß und es kommt häufig zu Unfällen. „Paraffin hat Tausende getötet“, sagt Matthews. „Ethanol ist absolut sicher.“ Noch allerdings ist das Ethanol-Gel auch teurer als Paraffin, doch wenn der Ölpreis weiter steigt. und wenn die Regierung wie angekündigt die Mehrwertsteuer auf Bioethanol senkt, dann könnte sich das ändern.

Kein Treibstoff aus Nahrungsmitteln

Mobile Biodieselfabrik in Südafrika

Mobile Biodieselfabrik in Südafrika

„Die Regierung sollte sich hinter die Biospritproduzenten stellen“, fordert Peter Camp, der eine kompakte Produktionsanlage gebaut hat, mit der aus Ölpflanzen Biodiesel gewonnen werden kann.

Er und sein Partner Mark Glock haben mehr im Blick als die bloße Geschäftsidee. „Wir glauben nicht, dass Biospritproduzenten das Recht haben, Treibstoff aus essbaren Früchten herzustellen, obwohl es hier in Afrika so viele hungernde Menschen gibt“. Daher gilt das Augenmerk der beiden einer besonderen Baumart. Deren Nüsse sind ungenießbar, eignen sich aber zur Ölherstellung als Grundlage für Biodiesel .

Erneuerbare Energien als Einkommensquelle für Arme

Langfristig soll die Produktionsanlage von Camp und Glock sogar Arbeitsplätze schaffen und Einkommen sichern – überall dort in Afrika, wo diese Bäume gepflanzt werden können. Das käme den Menschen in armen ländlichen Gemeinschaften zugute, die die Nüsse ernten und zur Weiterverarbeitung verkaufen könnten. Dafür müssten die Nüsse nicht einmal weit transportiert werden, denn die Minifabrik hat einen weiteren Vorteil: sie ist mobil!

Der weltweite Boom erneuerbarer Energien stellt Afrika vor große Herausforderungen.

Die Voraussetzungen für einen wirtschaftlichen Aufschwung stehen gut, nun gilt es, die Menschen daran zu beteiligen - die Chancen sind da!

Autor: Mathias Bölinger

Redaktion: Peter Koppen

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