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Bildung

Zu wenige Hochqualifizierte in Deutschland

Die OECD hat ihre Studie "Bildung auf einen Blick 2011" vorgestellt. Deren Schwerpunkt lag erneut auf den höheren Bildungsabschlüssen. Deutschland bekam dabei nur mittelmäßige Noten.

Logo 'OECD 50 Jahre' (Grafik: OECD)

Die schlechten Ergebnisse der Schulleistungsuntersuchung PISA im Jahr 2000 haben den Deutschen einen ordentlichen Schrecken eingejagt. Seither sei hierzulande vieles in Bewegung gekommen, sagt Andreas Schleicher, Leiter der Abteilung "Indikatoren und Analysen" im Bildungsdirektorat der Organisation für wirtschafltiche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Heute studieren in Deutschland zum Beispiel so viele junge Menschen wie nie zuvor.

Doch im Vergleich zu anderen Industrienationen bewegt sich in Deutschland laut OECD-Bericht noch nicht genug, und die Zahl der Hochqualifizierten ist, relativ gesehen, sogar geschrumpft. In der Bevölkerungsgruppe der 55- bis 64-Jährigen - bei denen also, die auf das Ende ihrer Berufstätigkeit zugehen - stellt Deutschland noch 6,3 Prozent des globalen Angebots an hochqualifizierten Kräften. In der jüngeren Altersgruppe der 25- bis 34-Jährigen sind es dagegen nur noch halb so viele.

Infografik zu relativen Einkommen nach Bildungsstand (Grafik: DW)

In vielen vergleichbaren Staaten hat sich der Anteil der Menschen mit höherem Bildungsabschluss in den letzten 50 Jahren mehr als verdoppelt. Südkorea und Japan gehören dabei zur Spitzengruppe. Aber auch in aufstrebenden Volkswirtschaften wie China wächst die Zahl der Hochqualifizierten rasant. In Deutschland hingegen ist sie in den letzten Jahrzehnten außergewöhnlich langsam gestiegen. Erwarb hierzulande vor 50 Jahren knapp jeder fünfte junge Erwachsene einen Hoch- oder Fachschulabschluss beziehungsweise einen Meisterbrief, so ist es heute etwa jeder Vierte.

Im OECD-Vergleich belegt Deutschland damit einen der hinteren Plätze. Dabei sind die Chancen Hochqualifizierter auf dem Arbeitsmarkt außerordentlich gut. Nie zuvor, sagt Andreas Schleicher, sei es denen, die besser qualifiziert sind, besser gegangen als heute. "Und nie zuvor haben die, die den Sekundarstufe 2-Abschluss nicht schaffen, vor größeren Risiken gestanden, als sie es heute tun."

Abgefallen auf einen hinteren Platz

Mit anderen Worten: Arbeitskräfte ohne Abitur verdienen deutlich weniger und sind eher arbeitslos als Hochschulabsolventen. Die haben in Deutschland nicht einmal unter der weltweiten Wirtschaftskrise gelitten, waren Deutschland und Australien doch die einzigen OECD-Länder, in denen die Nachfrage nach hochqualifizierten Arbeitskräften auch in dieser schwierigen Zeit gewachsen ist.

Doch auf den Mangel an Akademikern und qualifizierten Fachkräften hat die Politik bislang nicht mit höheren Investitionen in die Bildung reagiert. Vielmehr sind sie seit 1995 im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt deutlich gesunken. 1995 gab Deutschland laut Andreas Schleicher 5,1 Prozent seines nationalen Einkommens für Bildung aus. "2008 waren es nur noch 4,9 Prozent", sagt Schleicher. "Das ist deutlich weniger als im OECD-Durchschnitt von 5,9 Prozent. Damit steht Deutschland jetzt nur noch auf Platz 30 unter den 36 Ländern, für die wir Daten haben."

Infografik zu Bildungsausgaben im Sekundarbereich 2008 (Grafik: DW)

Besonders problematisch seien, so der OECD-Bildungsexperte, die zurückhaltenden Investitionen im Grundschulbereich. Deutschland spare dort, wo die Grundlagen für den weiteren Bildungsaufstieg gelegt werden. Aber im tertiären Bereich, also an Universität, Fachhochschule und bei der Meisterausbildung, liegen die Investitionen deutlich über dem OECD-Durchschnitt. Vielleicht ist das ein Grund, aus dem ausländische Studierende besonders gerne hierherkommen. Obwohl es oft heißt, der Anteil ausländischer Studierender in Deutschland sei so erfreulich groß, weil sie hier nicht die in vielen Ländern üblichen hohen Studiengebühren zahlen müssen.

Talente aus aller Welt in Deutschland

Für Deutschland bleibe das dennoch eine gute Investition, sagt Andreas Schleicher. "Denn über ein Viertel der ausländischen Studierenden, das ist eine ganz wichtige Zahl, bleiben nach dem Studium in Deutschland". Sie bleiben hier, um zu arbeiten. Davon profitieren letztlich auch die Wirtschaft und die Steuerkassen.

Man sei noch nicht am Ziel, aber auf dem richtigen Weg, kommentierte die Staatssekretärin im Bundesbildungsministerium, Cornelia Quennet-Thielen, den OECD-Bericht. Gewerkschaften und Opposition reagierten dagegen mit großer Enttäuschung auf die OECD-Ergebnisse. Sie bezeichneten insbesondere die geringen Bildungsausgaben als beschämend.

Autorin: Silke Bartlick

Redaktion: Svenja Üing

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