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Deutschlehrer-Info

Zu wenige Ganztagsplätze für Schüler

Der Ausbau von Ganztagsschulen macht einer Studie zufolge zwar Fortschritte. Bis zu einem flächendeckenden Angebot wird es aber noch Jahrzehnte dauern. Die Autoren fordern einen Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung.

Noch bis vor einigen Jahren galt: Wer in Deutschland eine Schule besucht, ist als Grundschüler bereits mittags, als Schüler an einer weiterführenden Schule am frühen Nachmittag wieder zu Hause. Ab dann waren die Eltern, in den meisten Fällen die Mütter, für die weitere Betreuung zuständig. Für viele Frauen waren Berufstätigkeit und Kindererziehung so kaum vereinbar. Um das zu ändern, hat der Staat seit Anfang dieses Jahrtausends vermehrt einen Ausbau des Betreuungsangebotes sowohl im schulischen als auch im vorschulischen Bereich gefördert.

Doch während heute 80 Prozent der Kindergartenkinder über die Mittagszeit hinaus betreut werden, hatten im Schuljahr 2015/16 nur 40 Prozent aller Schüler einen Ganztagsplatz. Dabei würden sich drei Viertel der Eltern eine Betreuung über die Unterrichtszeit hinaus wünschen. Zu diesen Ergebnissen kam eine aktuelle Studie der Bertelsmann-Stiftung.

Bei dem gegenwärtigen Tempo, so die Bertelsmann-Stiftung, würde ein flächendeckender Ausbau noch mehr als vier Jahrzehnte dauern. Damit bis 2025 80 Prozent aller Schüler einen Ganztagsplatz bekommen könnten, seien insgesamt mehr als 3,3 Millionen weitere Plätze nötig. Außerdem müssten über 30.000 Lehrer und etwa 16.000 Erzieher und Sozialpädagogen neu eingestellt werden. Die zusätzlichen Personalkosten bezifferte die Studie auf jährlich rund 2,6 Milliarden Euro. Um die nötige räumliche Infrastruktur aufzubauen, müssten die Schulträger insgesamt 15 Milliarden Euro investieren.

Die neue Bundesregierung müsse dem Thema Priorität geben, sagte der Vorstand der Bertelsmann Stiftung, Jörg Dräger. Nötig seien auch gemeinsame Qualitätsstandards und ein Rechtsanspruch auf einen Ganztagsschulplatz. Der Rechtsanspruch habe auch den Kita- und Krippenausbau erst richtig ins Rollen gebracht.

Dieser Meinung ist auch die Bundesfamilienministerin Katarina Barley (SPD). Es sei nicht einzusehen, warum der Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz mit dem Schuleintritt erlösche, erklärte Barley in Berlin. Viele Eltern stünden vor einer Betreuungslücke. Bei den Grundschulkindern hätten 44 Prozent kein Betreuungsangebot nach dem Unterricht. „Deshalb brauchen wir einen Rechtsanspruch auf einen Ganztagsplatz für Schulkinder – ohne Wenn und Aber."

ip/sts (epd)

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