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Wissen & Umwelt

Zu wenig Recycling von High-Tech-Metallen

Während weltweit der Bedarf nach Hochtechnologie-Metallen steigt, bleibt eine Ressource fast ungenutzt - das Recycling. Experten hoffen durch ein besseres Abfall-Management mehr der begehrten Stoffe zurückzugewinnen.

Recycling von Elektroschrott (Foto: Remondis)

Bisher werden fast nur häufige Metalle recycelt

Im Recycling-Pavillon vor dem Berlaymont-Gebäude, dem Hauptquartier der Europäischen Union, holt Umweltkommissar Janez Potocnik ein altes Mobiltelefon aus der Tasche und wirft es vor den Augen der Fotografen in den Sammelbehälter. Anlässich der diesjährigen Green Week in der EU-Hauptstadt will er dadurch auf die Verschwendung von Ressourcen aufmerksam machen.

EU-Umweltkommissar Janez Potocnik (Foto: DW)

Janez Potocnik

"Ein Mobiltelefon ist wie eine Mine für wertvolle Metalle", erklärt der EU-Kommissar. 40 dieser Geräte enthielten zusammen etwa ein Gramm Gold. "Das ist viel zu wertvoll, um es einfach wegzuwerfen", sagt er.

Recycling als Zukunftsgeschäft

Stephan Csoma kann dem Kommissar nur zustimmen. Er ist Vizepräsident des einzigen Recycling-Konzerns in Europa, der überhaupt in der Lage ist, seltene Hochtechnologiemetalle zurückzugewinnen. Seine Firma, Umicore hat deshalb am neuen Ressourcenbericht des UN-Umweltprogramms UNEP mitgewirkt, der kürzlich in Brüssel und London vorgestellt wurde.

"Das Mobiltelefon ist von hohem Wert, weil darin viele Edel- und Spezialmetalle enthalten sind", erklärt der Recycling-Experte. "Trotzdem werden weltweit nur etwa drei Prozent der Telefone eingesammelt und der Wiederverwertung zugeführt." Selbst in Europa seien es weniger als zehn Prozent. Das lasse viel Raum, um die Ressourcen-Effizienz zu steigern.

"Mit einer höheren Rücklaufquote könnten wir den Wertstoffkreislauf schließen und unsere Abhängigkeit von neuen Materialien und Ressourcen reduzieren", so Csoma. Das Recyceln verbrauche außerdem weit weniger Energie als die Produktion aus neuen Rohstoffen, was sich auch positiv auf die CO2-Bilanz auswirke.

Ressourcen- und Energieverschwendung

Der Chef der Umweltbehörde der Vereinten Nationen (UNEP), Achim Steiner (Foto: Tim Brakemeier dpa)

Achim Steiner

Das Mobiltelefon ist aber nur ein Beispiel für mangelnde Effizienz im Umgang mit begrenzten Ressourcen. UNEP-Exekutivdirektor Achim Steiner bedauert, dass weniger als ein Drittel der wichtigsten 60 Metalle eine Recyclingquote von mehr als 50 Prozent haben.

Die höchste Quote gilt für Blei. Fast 80 Prozent der bleihaltigen Produkte, meist Batterien, werden gesammelt und der Wiederverwertung zugeführt. Bei Eisen und anderen wichtigen Stahlkomponenten, sowie bei Platinum, Gold, Silber und den meisten anderen Edelmetallen werden immerhin noch mehr als die Hälfte recycelt.

Allerdings gebe es die größten Defizite im Recycling von Elektronikschrott. Hier liegt die Quote nur bei etwas über zehn Prozent. Das in der Industrie verwendete Gold wird hingegen zu 90 Prozent recycelt.

Bei Hochtechnologie-Metallen wie zum Beispiel Indium, das für Flachbildschirme gebraucht wird, Gallium - das in LEDs und Solarzellen verwendet wird - oder Lithium aus Batterien liegt die Recyclingquote unterhalb von einem Prozent. Dies hält Steiner für eine unglaubliche Verschwendung. "Theoretisch kann man Metalle beliebig oft wiederverwenden." Dadurch könne man Energie und Wasser sparen und die negativen Auswirkungen auf die Umwelt minimieren.

Mobiltelefone in einer Recyclingtonne (Foto: DW)

Wertstoffe wie Tantal aus den Mikrokondensatoren von Mobiltelefonen werden kaum recycelt

Politik soll Rahmenbedingungen schaffen

"Unsere Untersuchungen haben die Zahlen geliefert, jetzt müssen die Wirtschaft, die Verbraucher und vor allem auch die Politik die richtigen Konsequenzen ziehen", sagt Ernst Ulrich von Weizsäcker, ein Co-Autor des UNEP-Berichts.

Es gehe darum, sicherzustellen, dass die Wiedergewinnung dieser begehrten Metalle bereits beim Design von Mobiltelefonen oder Flachbildschirmen eingeplant werde. "Das ist technisch machbar", betont der Experte.

Risiko für Umwelt und Gesundheit

Eine Müllkippe mit Elektroschrott in Uganda(Foto: Simone Schlindwein)

Recycling ja - aber nicht so

Vor allem müsse es bessere Sammelsysteme geben, ergänzt Umicore-Fachmann Csoma. Es gelte zu verhindern, dass ausgediente Geräte gesammelt und illegal in Entwicklungs- und Schwellenländer exportiert werden. Dort gebe es nämlich keine Kapazitäten, diese effizient zu recyceln.

"Einige der Komponenten werden herausgeholt, der Rest wird dann irgendwo einfach verbrannt, das verpestet die Umwelt und stellt eine große Gefahr für die Gesundheit der Menschen dar", warnt der Spezialist. Dabei werde auch nur ein winziger Teil der vorhandenen Wertstoffe wiedergewonnen.

Von Weizsäcker verweist darauf, dass die Europäer auch ein ganz eigenes Interesse haben, die nicht genutzten Ressourcen des Recyclings zu erschließen. Gerade bei den Elementen der seltenen Erden herrsche nämlich ein weltweiter Konkurrenzkampf. Etwa 97 Prozent dieser Elemente stamme derzeit aus China. Bei Recyclingquoten von unter einem Prozent solle man in Europa deshalb "nicht jammern und die Chinesen beschimpfen, dass sie uns zu wenig seltene Erden verkaufen, sondern erst einmal an die eigene Nase fassen und die Recyclingrate heraufbringen", so Weizsäcker.

Wachstum heißt nicht gleich Ressourcenverbrauch

Künstler aus Slovenien haben aus Plastiktüten und Plastikbechern ein Monster kreiert, das zurzeit vor dem EU-Hauptquartier steht (Foto: DW)

Mangelndes Verständnis für den Wert von Ressourcen

Dass Wohlstand nur da möglich sei, wo auch große Ressourcen vorhanden seien, müsse in Zukunft nicht mehr gelten, so Weizsäcker. Angesichts einer wachsenden Weltbevölkerung gehe es nämlich darum, Entwicklung vom Ressourcenverbrauch abzukoppeln.

Dabei könnten auch die aktuellen hohen Preise für Energie und Rohstoffe helfen, weil sie die Menschen motivieren könnten, sparsamere Techniken zu entwickeln. Es sei durchaus möglich, Autos zu bauen, die nur noch 1,2 Liter pro 100 Kilometer verbrauchen. Häuser in Passivbauweise würden nur noch ein Zehntel des heute üblichen Energieverbrauchs haben. Und auch die Nahrungsmittelproduktion könne man weniger ressourcenintensiv gestalten.

Diese Möglichkeiten würden nur deshalb noch nicht genutzt, weil Energie, Rohstoffe und Wasser meistens "ziemlich billig" zur Verfügung stünden, sagt der Experte. "Wenn man das langsam korrigiert, dann haben wir eine gute Chance", so Weizsäcker.

Autorin: Irene Quaile
Redaktion: Fabian Schmidt