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Aktuell Deutschland

Zu viele deutsche Schüler scheitern an Alltagsproblemen

Wie ermittele ich das günstigste Ticket für eine kombinierte Bus- und Bahnverbindung? Für viele Schüler ist das eine echt harte Nuss, an der jeder fünfte scheitert. Im PISA-Sondertest bleibt Deutschland nur Mittelmaß.

Diesmal ging es nicht um den Nachweis von Schulwissen. Die PISA-Sonderauswertung drehte sich allein darum, wie 15-Jährige mit Alltagsproblemen umgehen. Gefordert war kreatives "Um-die-Ecke-Denken". Knapp ein Fünftel der bundesdeutschen Prüflinge versagte dabei.

Beim Lösen von praktischen Problemen erreichen Deutschlands Schüler im OECD-Vergleich damit nur Mittelmaß. Zu den Spitzenreitern in dieser Sparte gehören vor allem die asiatischen Staaten. Beste Europäer sind die Finnen. Deutsche Schüler landeten je nach Aufgabenstellung auf den Plätzen 12 bis 21, und damit unmittelbar vor den USA, Belgien und Österreich.

Gut zehn Jahre nach dem sogenannten PISA-Schock haben die deutschen Schüler zwar kräftig aufgeholt, scheitern aber noch zu oft an Alltagsproblemen wie der Bedienung von Fahrkartenautomaten. Mit ihren Leistungen beim kreativen Problemlösen liegen sie nur leicht über dem Durchschnitt der OECD-Staaten, wie aus der in Berlin und Paris vorgestellten Sondererhebung des "Programme for International Student Assessment" (PISA) hervorgeht.

Hinter den Erwartungen

Die weltweit 85.000 Schüler - in Deutschland 1350 - mussten am Computer Lösungen für die Alltagsprobleme finden. Und es zeigt sich: Schülerinnen und Schüler, die in Mathematik, Lesekompetenz und Naturwissenschaften gut sind, sind es auch beim Problemlösen.

Die 15-Jährigen in Deutschland bleiben insgesamt jedoch hinter den Erwartungen zurück, die nach den Ergebnissen des Vorjahres in Mathematik, Lesen und Naturwissenschaften möglich schienen. Den OECD-Experten zufolge erreichen 20 Prozent der Schüler, deren Noten am unteren Ende der Leistungsskala liegen, nicht das Basisniveau beim Lösen von Alltagsproblemen, etwa beim Umgang mit nicht vertrauten technischen Geräten. In Japan und Korea sind dies weniger als sieben Prozent.

Der soziale und ökonomische Hintergrund der Schüler ist laut OECD beim kreativen Problemlösen weniger prägend als bei den sonstigen PISA-Leistungen. Anders als etwa in Mathematik würden Problemlösungsfähigkeiten offenbar auch außerhalb der Schule erworben.

PISA-Schock und die Folgen

Gleichwohl sehen die OECD-Experten auch hier einen Zusammenhang. Denn Kinder aus ärmeren Familien haben "oft keinen Zugang zu den besten Schulen und Lehrern", sagt der Hauptautor der Studie, Francesco Avvisati. Dies wirke sich dann nicht nur bei den Leistungen in Mathematik, sondern auch beim Lösen differenzierter Probleme aus. Dies gilt hierzulande auch für 15-Jährige mit Migrationshintergrund.

PISA ist der weltweit größte Schultest und wird seit 2000 alle drei Jahre von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in Paris organisiert. Das nur äußerst mäßige deutsche Abschneiden vor allem bei Lesen/Textverständnis hatte beim ersten Test in der Öffentlichkeit den sogenannten PISA-Schock ausgelöst. Zahlreiche Schulreformen folgten, um das Bildungsniveau in der Wirtschafts-Supermacht Deutschland zu verbessern.

rb/sc (dpa, epd, rtr)