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Wissen & Umwelt

Zu hohe Kosten für Impfstoffe

Im Vorfeld der Impfstoff-Allianz "Gavi" in Berlin hat die Organisation "Ärzte ohne Grenzen" die großen Pharmakonzerne aufgerufen, die Impfstoff-Preise für ärmere Länder zu senken.

"Ärzte ohne Grenzen" (MSF) beschreibt das Vorgehen der Pharmaindustrie als "geheimnisvoll" und wirft ihr vor, Informationen über Impfstoffpreise gezielt zu verbergen. "Eine Handvoll Pharmafirmen verlangt für ihre Impfstoffe zu viel von den ärmeren Ländern und den internationalen Gebern, obwohl sie in den reichen Ländern ohnehin Milliardenumsätze erzielen", sagte Rohit Malpani von der internationalen Organisation für medizinische Nothilfe.

Eine absurde Situation

In seinem Bericht mit dem Titel "The Right Shot", den "Ärzte ohne Grenzen" am 20. Januar veröffentlicht hat, heißt es, dass die Kosten für die vollständige Immunisierung eines Kindes in den ärmsten Ländern in den vergangenen Jahren explodiert sind. Sie liegen heute 68 Mal höher als noch im Jahr 2001. Die Organisation fordert unter anderem, die Kosten für Pneumokokken-Impfungen zu senken, die alleine schon fast die Hälfte der Gesamtkosten ausmachen, damit ein Kind in den ärmsten Ländern geimpft werden kann. "Wir haben die absurde Situation, dass einige Entwicklungsländer wie Marokko und Tunesien mehr für Pneumokokken-Impfungen zahlen als Frankreich", so Kate Elder von "Ärzte ohne Grenzen".

Streptococcus pneumoniae Bakterien (Foto: picture alliance).

Einige Stämme des Streptococcus Pneumonia haben eine Antibiotika-Resistenz entwickelt

MSF fordert insbesondere an GlaxoSmithKline (GSK) und Pfizer - zwei der größten, internationalen Pharmaunternehmen - auf, die Kosten für ihre Pneumokokken-Impfstoffe in Entwicklungsländern auf 4,30 Euro pro Kind zu reduzieren. Eine Pneumokokken-Infektionen, zu denen Lungenentzündung und Meningitis gehören, werden durch das Bakterium Streptococcus pneumoniae verursacht. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt, dass derartige Infektionen jährlich 1,6 Millionen Menschen zum Opfer fallen. Rund eine Million davon ist jünger als fünf Jahre.

Fortschrittliches und komplexes Produkt

GSK ließ auf die Forderungen von "Ärzte ohne Grenzen" verkünden, dass der Pneumokokken-Impfstoff "Synflorix" einer der komplexesten sei, die das Unternehmen je hergestellt habe.

Erhebliche Vorabinvestitionen seien nötig gewesen, so das Pharmaunternehmen, um den Impfstoff zu produzieren. Bei einer Preisreduzierung laufe GSK Gefahr, den Impfstoff nicht mehr liefern zu können. Auch Pfizer hat reagiert - und dieselbe Begründung: Seine Pneumokokken-Impfung "Prevenar 13 sei eine der komplexesten biologischen Produkte, das je entwickelt und produziert wurde. "Jeder der 13 Einzelkomponenten (13 Serotypen der Pneumokokken-Bakterien, die zu einer Pneumokokken-Erkrankung führen) erfordert jeweils ein eigenes Verfahren zur Aufreinigung, zur Konjugation und für Tests", so Pfizer in einem Statement. "Es dauert länger als zwei Jahre, um eine Charge Prevenar 13 herzustellen."

Impfstoff gegen Ebola (Foto: REUTERS/Public Health Agency of Canada/Handout).

Es kann bis zu zehn Jahre dauern, ein neues Medikament oder einen neuen Impfstoff zu entwickeln und zu testen

"Ärzte ohne Grenzen" hofft auf die Konferenz der Impfstoff-Allianz "Gavi", eine öffentlich-private Partnerschaft. Daran sind Regierungen von Industrie- und Entwicklungsländern, internationale Organisationen, Impfstoffhersteller und NGOs beteiligt. Gavi hat nach eigenen Angaben seit ihrer Gründung 2000 Impfungen für rund 440 Millionen Kinder weltweit finanziert. Die internationale Konferenz findet am 27. Januar in Berlin statt. Ziel ist es, rund 6,5 Milliarden Euro Fördergelder zu mobilisieren, um damit in den Jahren zwischen 2016 bis 2020 rund 300 Millionen Kinder impfen zu können.

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