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Nahost

Zu heiß für schwarze Kleidung?

In den Emiraten ist es so warm, dass man auch im Winter in T-Shirt herumlaufen kann. Die Einheimischen tragen aber meist lange Gewänder, die Frauen sogar Schwarz. Das müsste ziemlich warm werden - oder nicht?

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Marjam (links) und ihre Freundin in Dubai

Ein Klima fast wie in den Tropen: brennende Sonne, hohe Luftfeuchtigkeit, Temperaturen um die 40 Grad. Das ist Dubai. Selbst im Winter wird es hier nicht wirklich kalt. Dennoch tragen die meisten einheimischen Frauen in den Vereinigten Arabischen Emiraten eine schwarze Abaya – ein traditionelles islamisches Kleidungsstück, das ihren Körper verhüllt.

Eine ungünstige Farbe für heiße Gegenden? "Nein", sagt Sarah, eine junge Frau aus Dubai. "Es ist sowieso heiß hier – egal, ob ich schwarz oder weiß trage, pink oder blau." Ihre Freundin Marjam stimmt ihr zu. "Unter der Abaya fühlt es sich ganz normal an. Es ist nicht besonders warm oder so."

Frauen beim Shopping in Dubai (Foto: Anna Kuhn-Osius)

Elegant in Schwarz: Frauen beim Shopping in Dubai

Schutz vor Wärme und UV-Strahlung

Nicht nur Frauen in den Emiraten, auch die Beduinen in der Wüste tragen oft blaue oder schwarze Stoffe. Sogar ihre Zelte sind aus dunklem Material. Nicht ohne Grund, sagt Hartmut Wiesner, Professor für Physik Didaktik an der Universität München. "Menschen und Tiere, die in der Wüste oder in der Savanne leben und sehr intensiver Sonnenstrahlung ausgesetzt sind, müssen mit zwei Problemen fertig werden: Sie müssen sich vor der schädlichen Ultra-Violett-Strahlung schützen und sie müssen dafür sorgen, dass ihr Körper sich nicht zu sehr erwärmt."

Vor der UV-Strahlung könne man sich ganz einfach durch Kleidung schützen, meint Wiesner. Ob die dunkel oder hell ist, spiele dabei keine große Rolle – nur ausreichend dick müsse sie sein. Denn wenn der Stoff sehr dünn ist, mache die Farbe einen Unterschied: Ein heller Stoff lässt mehr UV-Strahlung durch.

Luft als Puffer

Junge Frau in Dubai (Foto: Anna Kuhn-Osius)

Sheima aus Dubai macht die dunkle Kleidung nichts aus

Ein dünner dunkler Stoff wird wärmer als ein heller, weil er mehr Strahlung verschluckt. Bei dicken Stoffen ist es zunächst umgekehrt. Hartmut Wiesner hat beobachtet, dass die Lufttemperatur unter einem dicken weißen Stoff zunächst schneller steigt als unter einem schwarzen. Nach einigen Minuten wird allerdings die Luft unter dem schwarzen Stoff etwas wärmer – aber nur ein oder zwei Grad.

Im Alltag, sagt der Physik-Professor, sei der Temperaturunterschied kaum zu merken. "Es kommt gar nicht so sehr darauf an, ob man schwarze oder weiße Kleidung trägt", sagt Hartmut Wiesner. "Es kommt eher darauf an, dass die Kleidung nicht zu dünn ist und nicht direkt am Körper aufliegt."

Kein Unterschied zwischen Schwarz und Weiß

Beduinen in Dubai (Foto: Anna Kuhn-Osius)

Beduinen in ihrem Zelt in Dubai

Das sei auch der Grund, warum Menschen in heißen Gegenden mit dunkler Kleidung keine Probleme haben. "Die Beduinen tragen ihre Umhänge nicht eng anliegend, sondern sehr locker", sagt Wiesner. "Dadurch befindet sich Luft zwischen dem Stoff und dem Körper. Wenn man sich bewegt, entschwindet diese Luft durch das Gewebe nach außen und kühlere Luft strömt nach."

Bei enger Kleidung macht die Farbe allerdings einen Unterschied: Ein schwarzes T-Shirt, das direkt auf der Haut liegt, erwärmt sich spürbar. Ein lose über Kopf und Schulter gelegtes schwarzes Tuch dagegen macht sich genauso wenig bemerkbar wie ein weißes. Ab einer bestimmten Temperatur allerdings, meint Sarah, ist das alles nur noch Theorie: "Hier in den Emiraten ist es immer heiß", sagt Sarah, "egal, ob du eine schwarze Abaya trägst oder überhaupt nichts."

Autoren: Anne Allmeling / Anna Kuhn-Osius
Redaktion: Diana Hodali