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Globale Zusammenarbeit

Zu Gast beim Jugend-Nachhaltigkeitsgipfel

In Berlin haben sich Jugendliche aus aller Welt beim Jugend-Nachhaltigkeitsgipfel getroffen, um über die Zukunft des Planeten zu sprechen. Ihre Ideen sind oft kreativ, aber die Umwelt zu retten, ist nicht immer einfach.

Vor dem Brandenburger Tor ist Darth Vader auf Touristenfang. Der Darsteller im schwarzen Mantel und Gesichtsmaske schlendert hoffnungsvoll zu einer großen Gruppe nordamerikanischer Touristen. Allgemeines Kopfschütteln und desinteressiertes Schulterzucken: Keiner will dem Darsteller im schwarzen Mantel und Gesichtsmaske Geld geben, um sich mit ihm vor dem Brandenburger Tor fotografieren lassen. Neben ihm steht eine Gruppe Teenager in weißen T-Shirts, die singt und wild durcheinander hopst. Die Jugendlichen grölen etwas schief, aber dafür gratis: Sie wollen kein Geld, nur Aufmerksamkeit.

Kampf gegen die Müllberge

Drin Krasniqi gehört zu der Gruppe. Allerdings steht er daneben und verteilt Flyer, die zu mehr Engagement im Umweltschutz aufrufen. "Die sind aus Ökopapier, klar", sagt der 17-jährige aus dem Kosovo und lächelt. Er ist einer von 160 Jugendlichen aus aller Welt, die auf Einladung der Bildungsinitiative "youthinkgreen" nach Berlin gereist sind, um gemeinsam bei einem Weltjugend-Nachhaltigkeitsgipfel über Klimawandel, Umweltzerstörung und soziale Ungleichheiten zu diskutierten. "Wir versuchen gemeinsam, eine Lösung zu finden, wie wir die Zukunft gestalten können", so fasst Drin den Gipfel zusammen.

Teilnehmer der Konferenz vor dem Brandenburger Tor (Copyright: Youthinkgreen)

Die Jugendliche wollen die Welt retten

Bulgarische Jugendliche etwa haben ein Theaterstück über Umweltzerstörung inszeniert, Drin und seine Freunde ein Recyling-Projekt für Grundschüler in Kosovo. Dort fehle es oft an einem Umweltbewusstsein, viele würden ihren Müll einfach auf die Straße werfen. "Die Straßenköter versinken fast in dem Riesenberg Müll", sagt er und lacht. Manchmal sagt er etwas zu den Leuten, meist aber nicht, vor allem bei Älteren traut er sich nicht: "Sonst kriege ich nachher noch Probleme!"

Er versucht, mit seinen Schultern zu zucken, aber das gelingt nicht ganz, denn er hat sich einen riesigen Rucksack aus zerfransten, bunten Stoff-Stückchen umgeschnallt, vollgestopft mit Luftballons. Dieses Konstrukt soll die Erde darstellen. "Meine Botschaft ist: Es gibt viel zu viel Müll auf der Erde, das müssen wir ändern!" Wir: Also die Jugendlichen. Irgendwann, so in 20 Jahren, möchte er Politiker werden und die Welt retten. Er lächelt und stiefelt dann zielstrebig auf ein älteres Ehepaar zu, das seinen Rucksack etwas irritiert begutachtet.

Mit Müll gefüllte Bewässerungskanäle in Kosovo (Foto: DW)

Viel Müll in Kosovo - sogar in den Bewässerungskanälen

Politiker hören nicht immer auf Jugendliche

Auch Petelina Frans steht vor dem Brandenburger Tor. Es sei nicht immer einfach etwas zu ändern. Die Schülerin aus Namibia engagiert sich mit anderen Jugendlichen in ihrem Internat für die Umwelt, trifft sich mit Ministern und Politikern, um sie zu überreden, Solarstrom zu fördern und Windräder zu bauen. "Bei uns gibt es noch diese veraltete Einstellung, dass man nicht auf Kinder hört. Aber wenn wir weiterhin Druck ausüben, dann werden sie auf uns hören. Sonst machen wir ihnen das Leben schwer." Petelina lacht. Später möchte die 16-Jährige Umweltanwältin werden. Sie wäre dann die erste Umweltanwältin in Namibia, sagt sie. Denn sie wolle das Land nicht den Politikern überlassen, denen die Umwelt egal ist. "Wenn wir nicht aufpassen, dann werden andere Länder unsere Ressourcen ausbeuten."

Morgens, vor dem Unterricht, laufe sie noch kurz durch die Badezimmer in ihrem Internat, um die Wasserhähne abzudrehen und Lichtschalter auszuschalten, erzählt Petelina. In ihrer Freizeit hat sie ein Fahrradprojekt gestartet, um ihre Mitschüler zum Fahrradfahren zu überreden. "Meine Freunde halten mich schon für ein bisschen verrückt!"

Jakob von Uexküll (Foto: Christian Charisius dpa/lno pixel)

Jakob von Uexküll wünscht sich mehr Einsatz von der Jugend

Zu wenig Engagement von Jugendlichen

Viele ihrer Mitschüler würden sich gar nicht engagieren, erzählt eine deutsche Teilnehmerin. "Die haben so eine Yolo-Lebenseinstellung, das interessiert sie nicht." Yolo, das steht für "You Only Live Once", was so viel bedeutet wie: Alles mitnehmen, solange es noch geht, für den Tag leben. Also lieber feiern oder einkaufen, als sich zu engagieren. Das sei eine gefährliche Einstellung unter Jugendlichen, meint Jakob von Uexküll, der Begründer des "Right Livelihood Award", eine Auszeichnung für Menschen und Initiativen, die sich im Bereich Umweltschutz oder Menschenrechte engagieren. "Ich bin erstaunt, dass nicht mehr junge Menschen sich engagieren und demonstrieren gehen." Er ist einer der Referenten, die zusammen mit den Jugendlichen diskutieren, wie sie erfolgreich Lobbyarbeit leisten können oder andere animieren können. Denn Jugendliche könnten sehr wohl etwas erreichen, glaubt er. Es komme nur darauf an, nicht aufzugeben.

Ob sie sich später noch für die Umwelt einsetzen werde? Petelina wird ernst. "Wenn ich mal Kinder habe, möchte ich ihnen ein gutes Beispiel sein, dann will ich ihnen zeigen, dass wir uns einsetzen müssen." Auf dem Weg zu den anderen Jugendlichen bleibt sie kurz stehen. Sie bückt sich, um ein Taschentuch aufzuheben, das träge über den Boden weht und stopft es in den nächsten Mülleimer.

Darth Vader posiert mittlerweile mit einem etwas verschüchterten Jungen vor dem Brandenburger Tor. Seine Eltern knipsen, während Drin noch immer emsig Flyer verteilt.

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