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Europa

Zu Gast bei der Heiratsvermittlerin

Ein gläubiger Partner aus der Partnerbörse? In der orthodoxen Gemeinde in Israel ist das keine Seltenheit. Wer auf die familiären Verhältnisse seines Zukünftigen Wert legt, dem hilft die Heiratsvermittlerin.

(AP Photo/Kevin Frayer)

Alle Mann auf der Suche nach der Richtigen

Heather Sirota ist Shadchanit, Heiratsvermittlerin. Sie lebt in Mea Shearim, dem malerischen, ultra-orthodoxen Viertel vor den Altstadtmauern Jerusalems. Ihr Spezialgebiet sind Eheschließungen zwischen englischsprechenden Partnern, die entweder in religiöse Familien hineingeboren wurden oder sich erst später zur Religion bekannt haben.

Vorsondierung bei der Heiratsvermittlerin

Eheringe Symbolbild Ehe

Am Ende winkt das Eheglück

"Eine Heiratsvermittlerin stellt Menschen einander vor, mit dem Ziel, dass sie heiraten. Es geht darum, dass Leute heiraten", sagt Heiratsvermittlerin Heather Sirota. "Es ist kein Dating-Service, kein Kennenlerndienst. Es ist ein Heiratsbüro", erklärt sie.

In der Regel melden sich die Heiratswilligen selbst bei ihr. Manchmal aber rufen auch Eltern an, die für ihre Kinder einen Partner suchen. In Mea Shearim beginnt die Suche nach einem passenden Ehemann, wenn die Mädchen 16 oder 17 Jahre alt sind.

Um eine erfolgreiche Ehe vermitteln zu können, muss die Shadchanit die Kandidaten ersteinmal kennenlernen. Dazu stellt sie ihnen viele Fragen, die sie dann auf Karteikarten notiert. "Wir fragen, wie lange sie schon fromm sind oder ob sie in eine religiöse Familie hineingeboren wurden und wo sie herkommen, denn das Herkunftsland ist ein wichtiger Aspekt", erzählt sie.

Sie fragt nach ihrer Größe, ihrem Alter, ihrer Erziehung und stellt Fragen über ihre Familien, denn natürlich brauche sie auch Referenzen. "Ich bitte sie, ihre Persönlichkeit zu beschreiben, wer sie sind, welche Talente sie haben, welche Stärken, was sie vollkommen ablehnen würden und wonach sie suchen. Denn manchmal heiratet man nicht das, was man sucht, sondern das, was man bekommt", so Sirota.

Mit guten Referenzen ins Heiratsbüro

Jeder, der zu Heather Sirota kommt, muss Referenzen mitbringen, wie Telefonnummern von Nachbarn und Freunden, Lehrern und Rabbinern. Dort kann der Interessent anrufen und sich nach dem Leumund der potenziellen Braut oder des Bräutigams erkundigen. "Nehmen wir an, dass beide sagen 'Ja, das klingt interessant!' Dann verabrede ich für das Paar ein Treffen, meist an einem öffentlichen Platz wie einer Hotellobby. Sie treffen sich und am nächsten Morgen rufen mich beide an und sagen entweder 'ja' oder 'nein' oder 'mal sehen, was die andere Seite sagt'. Dann machen wir weiter." Wenn einer der beiden ablehnt, fange sie wieder von vorne an, wenn es ein "ja" sei, verabrede sie ein zweites Treffen, erzählt sie. "Dann kommen sie zu mir und wir arbeiten uns langsam vor. Es geht alles ganz langsam."

Das junge Paar trifft sich niemals ganz allein oder in einem geschlossenen Raum. Das wäre unschicklich. Stattdessen gehen sie Kaffee trinken oder ähnliches. Notfalls treffen sie sich bei der Heiratsvermittlerin.

Hochzeit nach vier Monaten

Israelische Siedlung in Ost-Jerusalem

Jerusalem kann auch die Stadt der Liebe sein - nicht nur Paris

Ungefähr zehn Treffen brauche es, bis sich ihre Kunden entschieden, zu heiraten, sagt Heather Sirota. "Das heißt nicht, dass jeder sich gleich beim zehnten Treffen verlobt, aber normalerweise trifft man sich zehn, elf, zwölf Mal. Wie lange soll man sich auch einfach nur treffen? Ich sage immer: wenn es nicht voran geht, dann geht es rückwärts." Normalerweise könnte es ungefähr zwei Monate lang dauern: Man treffe sich ein bis zweimal in der Woche in dieser Zeit. Dann verlobe man sich und drei bis vier Monate später heirate man.

Es liege in der Natur der Frauen, dass sie heiraten wollen, sagt Heather Sirota. Sie wollten eine Familie gründen und Kinder bekommen. Männer dagegen würden sich nur all zu gern vor der Verantwortung drücken. Darum gibt es im Judentum ein Gebot, nach dem Männer heiraten müssen. "Ein Mann kann studieren so viel er will. Er kann der gebildetste und intelligenteste Student und Toragelehrte sein, er kann lernen bis er 80 ist. Aber es wird ihm nichts nutzen", sagt Sirota. "Er wird keinen Anteil haben an der nächsten Welt, wenn er nicht verheiratet ist. Denn dann hat er nicht das getan, was ihm aufgetragen wurde."

Heather Sirota hat schon viele Paare zusammengebracht und fast alle Ehen, die sie gestiftet hat, haben gehalten. Es sei ein emotional anstrengender Job, sagt sie, denn er verlange hundertprozentiges Engagement. Aber es sei auch ein schöner und erfüllender Job. Mit vielen ihren Schützlinge hält Heather über Jahre Kontakt. Und fast immer wird sie auch zu den Hochzeiten eingeladen.

Autorin: Bettina Marx
Redaktion: Mareike Röwekamp

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