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Zu Füßen

Ganz unten, weit unter der Gürtellinie, da stehen die, auf denen wir stehen – die Füße. Sie sind mehr als bloß ein Bewegungsapparat. Sie dienen Bällen, Noten und Kranken als Stütze – zumindest verbal.

Es gibt (fast) doppelt soviel Füße wie Menschen. Und was die Füße tragen, das sind nicht bloß Pantoffel oder Stiefel. Sie tragen Schicksale. Große und kleine. Die des Pantoffelhelden oder des prominenten Fußballspielers. Und auch wer fußkrank war, findet sich manchmal in den Fußnoten der Weltgeschichte wieder.

Die langen Füße der hohen Herren

Die Füße sind unterschiedlich groß und sie stehen für Unterschiede. Schon in der Redensart "auf großem Fuß leben" steht der Fuß bildlich für verschwenderischen Lebensstil. Das Vorbild diese Bildes: die höfische Mode. Nicht nur waren die Absätze der Leute von hohem Stand erhöht, nein, die Schuhe eines Fürsten waren 2 1/2 Fuß, die eines Ritters immerhin noch l 1/2 Fuß lang, der einfache Bürger musste sich mit l Fuß Länge zufrieden geben. Auch wenn’s nicht passte. Bei (selbstverständlich) flachen Absätzen.

Der kleine Mann von der Straße - nur zu einer Gelegenheit "durfte" er in den Vordergrund: im Krieg. Da fasste man all die kleinen Männer zusammen zum "Fußvolk", einer zwar großen, aber gesichtslosen Menge. Das gemeine Fußvolk – im Krieg wie im Frieden - hatte die größten Strapazen und bekam dafür den kleinsten Lohn. Mal ehrlich: wie kaputt ist man noch heute –auch ohne Waffe - nach einem Fußmarsch. Andererseits: wie kaputt wäre man erst nach einem Handmarsch?

Foulende Füße – vom Treten und Schieben

Die Zeiten der Gegensätze zwischen denen "auf großem Fuß" und dem "Fußvolk" sind nicht vorbei, Gerechtigkeit ist mancherorts am Boden. Sie wird mit Füßen getreten. Viele Gesellschaften "fußen" auf sozialen Unterschieden. Es ist schlimm, jemanden einer Tat zu bezichtigen, die der nicht begangen hat. Geschieht dies wissentlich, dann schiebt man dem anderen die Tat in die Schuhe. Konkretes Vorbild: die fahrenden Gesellen. Der eine hatte etwas gestohlen, es drohte eine Durchsuchung der persönlichen Habe, da wurde schnell dem Bettnachbarn das Diebesgut in die Schuhe geschoben.

Nach der Heimlichtuerei folgt nun auf dem Fuß die große öffentliche Geste. Wer sich dem anderen zu Füßen wirft, weiß um die Macht der Geste, er bittet, er unterwirft sich. Und der andere setzt seinen Fuß als Zeichen der Stärke dem anderen auf den Nacken. Das hielten die Fürsten der Antike so, wie wir aus den sogenannten Sandalenfilmen wissen.

Zu Boden und zuhause!

So mancher Mann wünscht sich, dass ihm die Frauen zu Füßen lägen. Die Unterwerfungsgeste kommt bisweilen zustande, aber auch andersherum. Dann -so heißt es - steht der Mann unter dem Pantoffel. Pantoffeln sind traditionell ein Zeichen der Hausfrau, Symbole der Frauenherrschaft. Der Unterlegene, der Ehemann wird darum auch spöttisch "Pantoffelheld" genannt. Aber heimlich, er könnte sich ja sonst auf die Zehen getreten fühlen. Aua. So als wäre er permanent mit dem falschen Fuß zuerst aufgestanden. Der "falsche" Fuß ist übrigens immer der linke. Alter Aberglaube – aber international gültig.

Wie romantisch doch alles anfing! Das frisch verliebte Paar! Wie schön man sich auf die Füße trat. Mit großer Zärtlichkeit und mit voller Wucht. Wirklich? Wirklich. Eine Chronik aus dem Jahr 1865 berichtet : "Es ist hier noch jetzt eine allgemeine Unsitte, dass die am Altar stehenden Brautleute, sowie der Priester den ehelichen Bund eingesegnet hat, einander auf den Fuß oder ein Kleidungsstück zu treten suchen." Hier wirkte der Rechtsbrauch des Besitzergreifens durch Treten auf den Fuß noch nach. So, als setze man einem Invasoren gleich seinen Fuß in ein fremdes Land... Was sagt man dazu? Vielleicht "Zurücktreten bitte!"

Zu Fuß zum Schluss

Irgendwo drückt einen immer der Schuh. Mit irgendetwas steht man immer auf "Kriegsfuß". Mal mit der Grammatik, mal mit der Aufbauanleitung für ganz leicht aufzubauende Möbel. Treten würde man dann am liebsten die halbfertige Schrankwand, weil’s nicht klappt, fühlt sich bisweilen schon mit einem Fuß im Grabe stehend, will aber keinen Fußbreit vor der Aufgabe zurückweichen, keine Hilfe holen, keine kalten Füße bekommen.

Ruhig bleiben. Und vor allem, sich nicht gehen lassen. Und auch, wenn es einen mal aus den Schuhen haut, wieder aufstehen. Oder wie es so schön nach dem Vorbild der widerstandsfähigen Katze heißt: "Wieder auf die Füße fallen". Schließlich will man ja zumindest in seiner eigenen Geschichte mehr sein als eine kleine Fußnote.


Fragen zum Text

Jemand, der auf großem Fuße lebt...
1. trägt große Schuhe.
2. hat einen verschwenderischen Lebensstil.
3. hat kein Geld.

Jemand, der sich einem anderen zu Füßen wirft,...
1. unterwirft sich.
2. überwirft sich.
3. wird getreten.

Welches Tier fällt immer aus die Füße?
1. der Hund
2. der Tausendfüßler
3. die Katze

Arbeitsauftrag
Auf großem Fuß leben, auf die Füße fallen, unter dem Pantoffel stehen - gibt es in Ihrer Sprache ähnliche Sprüche und Weisheiten? Versuchen Sie sie zu übersetzen und erklären Sie ihre Bedeutung.

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