1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Politik

Zu Besuch bei Freunden

Das Verhältnis der USA zur UNO ist bestenfalls gespalten, wenn nicht gar schlecht. Das sieht man auf der Straße ebenso wie im Weißen Haus.

default

Der amerikanische Präsident Bush spricht vor den Vereinten Nationen beim Weltgipfel in New York. Dort sinniert er über die Zusammenhänge von Freiheit, Armut und Terrorismus. Weltpolitik ist schwierig, stellen amerikanische wie deutsche Bürger fest. Umso wichtiger, dass man sich die Orientierung durch griffige Formeln erleichtert.

"Die von der UN sind Diebe, alle miteinander", sagt mein amerikanischer Freund, den ich in Washington besuche. "Sie wollen nur unser Geld und gehören abgeschafft." Vielleicht ist er nicht der einzige Mensch in dieser Stadt, der das findet. Das müsste man mal in Erfahrung bringen, denke ich mir. Im Fernsehen wird zufällig gerade die Rede von einem Landsmann meines Bekannten zur Eröffnung der 60. UN-Generalversammlung übertragen, die von Mittwoch bis Freitag in New York abgehalten wurde. Der Landsmann heißt George W. Bush und scheint eine ganz andere Meinung von der Weltorganisation zu haben.

Bush sagt Danke

"Zu Beginn des neuen Jahrhunderts braucht die Welt die Vereinten Nationen." In diesen nämlich sei "die Stärke der Welt in einem gemeinsamen Zweck vereinigt", sagt Bush. So redet doch niemand, der etwas gegen die Weltgemeinschaft hat, oder? Und außerdem bedankt er sich, gleich zuerst und überaus herzlich, bei denjenigen Staaten, die in New Orleans zu Stelle waren, als dort Hilfe für die Opfer von Hurrikan Katrina vonnöten war.

Deutschland nimmt der Präsident bei seinem Dank nicht einmal aus. Darüber könnte man sich fast schon freuen. Als nämlich Katrina in New Orleans tobte und die ersten Menschenopfer forderte, hatte Bundesminister Jürgen Trittin gerade das Interview gegeben, in dem er die Hurrikan-Katastrophe auf die amerikanische Klimapolitik zurückführte. Für die bestürzten US-Bürger war diese höchst unsensible und hier als verletzend empfundene Äußerung einen Tag vor der Solidaritätsbekundung des Kanzlers in den amerikanischen Zeitungen und Zeitungskommentaren zu lesen – auch für meinen amerikanischen Bekannten. "Amerika hat Deutschland nach dem Krieg aufgebaut, und so bedanken sich die Deutschen nun", sagte er. Zum deutsch-amerikanischen Glück haben die Pumpen des Technischen Hilfswerks ihre Arbeit in New Orleans mittlerweile aufgenommen und werden dort auch gebraucht.

Allianzen schmieden

"Die Welt ist mitfühlender und hoffnungsvoller, wenn wir gemeinsam agieren", so Bush in seiner Rede vor der UN. Gemeinsam sind wir stark – spricht daraus eine neue Aufgeschlossenheit Amerikas gegenüber multilateralen Bindungen? – Nur dann, wenn die USA außenpolitisch davon profitieren. Zum Beispiel beim Thema Terrorismus: Hier drängt Bush, wie schon Kofi Annan im März, auf eine rasche Verabschiedung einer Anti-Terrorismus-Konvention. Schließlich geht es auch um die Sicherheit Amerikas. Dasselbe gilt in der Atompolitik, wo die USA einerseits die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen weltweit bekämpft sehen wollen, andererseits aber dafür gesorgt haben, dass ein etwaiges Verbot von weiteren Atomwaffentests wieder von der Agenda des Gipfels genommen wurde.