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Aktuell Deutschland

Zschäpe schweigt und schreibt

Die Hauptangeklagte im Strafverfahren gegen den "Nationalsozialistischen Untergrund" soll einem Gesinnungsgenossen Einblicke in ihre Gedankenwelt gewährt haben. Im Gerichtssaal steht weiterhin Carsten S. im Fokus.

Im NSU-Prozess vor dem Oberlandesgericht (OLG) München verweigert Beate Zschäpe (im Artikelbild) nach wie vor die Aussage. Gelegentlich wechselt sie mit ihren Pflichtverteidigern ein Wort. Ansonsten erweckt die Hauptangeklagte in dem Anfang Mai eröffneten Verfahren den Eindruck, als ginge sie das Ganze nicht viel an. Meistens sitzt sie mit verschränkten Armen in ihrem Stuhl oder tippt auf ihrem Laptop herum. Was sie tatsächlich denkt, wenn etwa der Mitangeklagte Carsten S. über sie und die rechte Szene spricht, lässt sich nur vermuten.

Äußerlich lässt sich die 38-Jährige nichts anmerken. Umso aufschlussreicher könnte deshalb ein angeblich von Zschäpe verfasster Brief sein, über den jetzt der Terrorismus-Experte des ARD-Hörfunks, Holger Schmidt, berichtet. In dem ihm vorliegenden Dokument beschäftige sich die mutmaßliche Rechtsterroristin nur am Rande mit ihrer Rolle als Angeklagte, schreibt der Journalist, der regelmäßig vom NSU-Prozess berichtet.

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Zschäpe beschreibe auf den knapp 30 Seiten unter anderem, wie sie mit dem Hubschrauber von Zwickau nach Karlsruhe zum Ermittlungsrichter geflogen worden sei. Dabei sei sie an Händen und Füssen gefesselt gewesen, doch der Ausblick sei grandios gewesen und sie habe die weihnachtliche Stimmung genossen.

Schwankende Launen und fester Wille

Empfänger des handschriftlich auf kariertem Papier verfassten Briefes sei Robin S. gewesen, der wegen eines bewaffneten Raubüberfalls eine längere Haftstrafe in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Bielefeld absitzt. Robin S. soll der verbotenen "Hilfsorganisation Nationaler Gefangener" (HNG) angehört haben.

Laut ARD-Journalist Schmidt beschreibt sich Zschäpe in ihrem Brief als eine Frau mit schwankenden Launen, aber festem Willen. Trivial seien ihre Klagen über die Verpflegung im Gefängnis, sie vermisse Thüringer Heimatkost. Immer wieder fänden sich in dem Brief naiv anmutende Zeichnungen, unter anderem Schafe, ein Hund und eine Ente. Eine Stelle hebe sich deutlich ab: ein Bundeswehr-Fahrzeug mit eisernem Kreuz und Tarnflecken. Eine offizielle Stellungnahme staatlicher Stellen zu dem nun bekannt gewordenen Brief gibt es bislang nicht.

Carsten S. und die Taschenlampe

Im NSU-Prozess setzte der Angeklagte Carsten S. am neunten Verhandlungstag seine vor einer Woche begonnene Aussage fort. Am Dienstag hatte der 33-Jährige für eine Überraschung gesorgt, als er indirekt Hinweise auf einen Bombenanschlag gab, der möglicherweise dem NSU zugerechnet werden muss. Die mutmaßlichen NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos hätten ihm gegenüber von einer Taschenlampe gesprochen, die in einem Nürnberger Laden abgelegt worden sei. Er habe nicht verstanden, was damit gemeint gewesen sei.

Inzwischen hat sich herausgestellt, dass zum fraglichen Zeitpunkt im Jahre 1999 in einem Nürnberger Lokal ein junger Mann durch eine Explosion verletzt wurde. Der Betreiber des Lokals stammte aus der Türkei. Ein rechtsextremistischer Hintergrund wurde Medienberichten zufolge damals nicht vermutet. Nun prüfen die Behörden den Fall erneut. Der Vorsitzende Richter im NSU-Prozess, Manfred Götzl, hat eigenen Angaben zufolge eine Anfrage an die Bundesanwaltschaft zum Stichwort "Taschenlampe" gestellt.