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NSU-Prozess

Zschäpe: Nur ein Wort zum Mordfall Peggy

Es war ein spektakulärer Fund: DNA-Spuren des mutmaßlichen NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt am Fundort einer Kinderleiche. Zwei Monate später nimmt Beate Zschäpe, die Hauptangeklagte im NSU-Prozess, dazu Stellung.

München NSU-Prozess Beate Zschäpe (picture-alliance/dpa/P. Kneffel)

Fotos nur an drei Verhandlungstagen im Monat erlaubt: Die jüngste Aufnahme von Beate Zschäpe am 1. Dezember 2016

Es kommt selten vor, dass Beate Zschäpe im Prozess gegen den Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) etwas sagt. Und wenn das der Fall ist, lässt die Hauptangeklagte den Vorsitzenden Richter Manfred Götzl die Fragen schriftlich stellen und ihre Antworten von einem ihrer Anwälte verlesen. So ist das Prozedere auch am 328. Verhandlungstag des NSU-Prozesses vor dem Münchener Oberlandesgericht. Es geht um Fragen, die Götzl bereits am 26. Oktober zu Papier gebracht hat. Zu diesem Zeitpunkt war seit knapp zwei Wochen bekannt, dass es möglicherweise eine Verbindung zwischen dem unaufgeklärten Mord an der neunjährigen Peggy im Jahr 2001 und dem NSU geben könnte.

Die sterblichen Überreste der Schülerin waren im vergangenen Juli von einem Pilzsammler in einem Waldstück an der Grenze zwischen Thüringen und Bayern gefunden worden. Dort entdeckten die Ermittler auch DNA-Spuren des mutmaßlichen NSU-Mörders Uwe Böhnhardt. Der Fund löste Entsetzen und viele Fragen aus. Böhnhardt selbst kann darauf keine Antworten mehr geben. Er nahm sich am 4. November 2011 gemeinsam mit seinem Komplizen Uwe Mundlos das Leben.

Antwort nach sechs Wochen: "Nein"

An diesem Tag flog der NSU nach einem gescheiterten Banküberfall in Eisenach auf. Erst dadurch wurde bekannt, dass die rechtsextremistische Terrorgruppe mutmaßlich hinter einer ebenfalls lange unaufgeklärten Mordserie mit zehn Opfern steckt. Für diese Taten muss sich als einzige Überlebende des 1998 untergetauchten NSU-Trios Beate Zschäpe vor Gericht verantworten.

Am Donnerstag beantwortet ihr Verteidiger Hermann Borchert die Fragen von Ende Oktober. Ob Zschäpe über Informationen zum Fall Peggy verfüge, wollte Richter Götzl wissen. Die Antwort fällt denkbar knapp aus: "Nein."

Wurzbach Fundort Leiche Peggy Spurensicherung (picture-alliance/dpa/Fricke)

Ende​ Se​ptember 2016: Spurensicherung am Fundort der Leiche von Peggy

Damit dürfte dieses Thema, zumindest im NSU-Prozess, abgehakt sein. Ob Zschäpes langjähriger Weggefährte Böhnhardt tatsächlich etwas mit dem gewaltsamen Tod des Kindes zu tun hatte, ist aber weiterhin ungeklärt. Möglicherweise liegt dieser Verbindung die Verunreinigung eines Werkzeugszugrunde, das bei der Spurensicherung nach dem Fund des toten Böhnhardt 2011 und fünf Jahre später bei der Entdeckung Peggys zum Einsatz kam. Die nach dem DNA-Fund eingeleiteten Untersuchungen laufen noch.

Nebenklage-Anwalt: "Viel Lärm um Nichts"

Spekulationen über eine mögliche Verbindung zwischen dem NSU und dem Mordfall Peggy gibt es auch deshalb, weil auf einem Computer des Trios Bilder von Kindern und Jugendlichen gefunden wurden. Die Fotos sollen Missbrauchsabbildungen sein. Laut Zschäpe hat Böhnhardt den Computer selbst unter Verwendung einer gebrauchten Festplatte zusammengebaut. Sie selbst habe erst durch Einsicht in die Prozessakten von den Bildern erfahren. "Offenbar hatten sich bereits Daten auf der gebrauchten Festplatte befunden", lässt Zschäpe nun durch ihren Verteidiger mitteilen.

Warum Zschäpes Verteidiger für die kurze, knappe Beantwortung seiner Fragen eineinhalb Monate Zeit benötigte, gehört am Ende des Verhandlungstages zu den viel diskutierten Fragen der Prozessbeteiligten und der Beobachter auf der Zuschauertribüne. Die ist an diesem Tag nach längerer Zeit mal wieder fast voll. Nebenklage-Anwalt Bernd Behnke vertritt im NSU-Prozess den Bruder des 2004 in Rostock ermordeten Mehmet Turgut. Behnke kommentiert das Geschehen mit einem lapidaren Kopfschütteln - und dem Satz: "Viel Lärm um Nichts."

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