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Anwalt spricht für die Hauptangeklagte

Zschäpe lässt im NSU-Prozess ihre Gefühle verlesen

Mehr als dreieinhalb Jahre dauert der Prozess um die Morde des rechtsterroristischen NSU. Die Hauptangeklagte Zschäpe hat fast immer geschwiegen. Jetzt lässt sie einen Anwalt ihre Gefühle verlesen.

Beate Zschäpe im Gerichtssaal mit ihrem Anwalt Grasel (picture-alliance/dpa/P. Kneffel)

Beate Zschäpe im Gerichtssaal mit ihrem Anwalt Grasel

Einige Zeugenauftritte im NSU-Prozess seien ihr "sehr nahe" gegangen seien, etwa der Appell der Mutter des Mordopfers Halit Yozgat "von Frau zu Frau", heißt es in einer Erklärung, die Beate Zschäpe am 333. Verhandlungstag vor dem Oberlandesgericht München von ihrem Verteidiger Mathias Grasel verlesen ließ.

"Erschrecken" durch Bekennervideo

Auch die Vorführung des Bekennervideos des "Nationalsozialistischen Untergrunds" (NSU) im Gerichtssaal mit den Bildern von Mordopfern und der Schilderung der rassistischen Motive des NSU habe sie erschreckt, ließ die Angeklagte weiter vortragen. Sie habe die Taten ihrer beiden langjährigen Untergrund-Kameraden Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt damit nicht länger verdrängen können.

Das NSU-Trio soll aus dem Untergrund heraus aus rechtsextremen und rassistischen Motiven zehn Morde vor allem an Menschen mit ausländischen Wurzeln und zwei Bombenanschläge verübt haben. Nach dem mutmaßlichen Suizid von Böhnhardt und Mundlos im November 2011 ist Zschäpe die einzige Überlebende der Gruppe. Die Bundesanwaltschaft als Anklagebehörde wirft ihr Mittäterschaft vor. In dem seit Mai 2013 laufenden NSU-Prozess sind zudem vier mutmaßliche NSU-Helfer angeklagt.

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Kritik an Anwälten

Ihr langes Schweigen und ihre ausbleibenden Gemütsregungen vor Gericht erklärte Zschäpe mit der Prozessstrategie ihrer drei ursprünglichen Verteidiger. Sie hätten ihr die "zermürbende Schweigestrategie" nahegelegt, verlas ihr vierter Pflichtverteidiger Grasel. Sie habe sich, so die Erklärung Zschäpes weiter, zudem Gefühlsregungen versagt, weil sie befürchtet habe, im Gerichtssaal zusammenzubrechen. Dieses Verhalten habe sie auch während der rund 13-jährigen Zeit im Untergrund mit Mundlos und Böhnhardt praktiziert.

Grasel hatte sich zu Wort gemeldet, als der Sachverständige Henning Saß sein psychiatrisches Gutachten über Zschäpe vortragen wollte. Da die Angeklagte jeden Kontakt mit Saß verweigert hatte, dürfte dieser seine Einschätzung im Wesentlichen auf Prozessbeobachtungen stützen und auch auf Zschäpes passives Verhalten eingehen.

Das psychiatrische Gutachten dürfte entscheidend für die Frage der Schuldfähigkeit und eine mögliche Sicherungsverwahrung Zschäpes werden. Das Gericht hatte Saß bereits im Dezember anhören wollen, was an einem Verfahrensstreit mit der Verteidigung und einem Befangenheitsantrag scheiterte.

Kritik an Gutachter

Auch an diesem Dienstag brachten Zschäpes Verteidiger neue Anträge ein. So forderten sie das Gericht auf, dafür zu sorgen, dass der Sachverständige "Beobachtungen von Frau Zschäpe während und außerhalb der Hauptverhandlung" außer Acht zu lassen habe. Sonst würden Grundrechte der Angeklagten verletzt. Das Gericht entschied noch nicht über die Anträge. Die Bundesanwaltschaft kündigte für Mittwoch Stellungnahmen dazu an. Wann Saß sein Gutachten erstatten kann, bleibt damit offen.

wl/sti (dpa, afp)

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